#7: Ist die Lehre an der Uni durch die Coronakrise digitaler?
Das erste Mal in der Geschichte unserer Uni sind wir ohne Pr��senzveranstaltungen und mit leerem Campus in das Sommersemester 2020 gestartet. Um die Corona-Pandemie zu bew��ltigen gilt vor allem eins: Kontakte meiden. Die Lehre geht allerdings weiter. Digital. Die Umstellung war eine Herausforderung f��r alle Angeh��rigen der OVGU.
Wie uns der Umstieg gelungen ist, welche Ressourcen es braucht und vor allem welche Formate sich bew��hren und auch nach der Pandemie in der Lehre eingesetzt werden k��nnen, dar��ber haben wir mit Dr. Mathias Magdowski von der Fakult��t f��r Elektrotechnik und Informationstechnik und Koordinator der AG E-Learning gesprochen und mit ihm ein Zwischenfazit gezogen: Wie gut hat das digitale Sommersemester bisher funktioniert und gibt es noch Verbesserungspotenzial?
Heute zu Gast
Wie gut die digitale Lehre umgesetzt wurde und welche Formate daf��r genutzt werden, das erz��hlt uns Mathias Magdowski. Er lehrt an der Fakult��t f��r Elektrotechnik und Informationstechnik und engagiert sich als Koordinator der AG E-Learning f��r digitale Lehre an der Uni Magdeburg.
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Der Podcast zum Nachlesen
Introstimme:��In die Uni reingeh��rt. Der Podcast zur Arbeitswelt an der OVGU.
Katharina Vorwerk: Und ich sage herzlich willkommen zur Folge 7 unseres Podcasts. Heute wird es ein weiteres Mal um ein Corona-Thema gehen, n��mlich um die Herausforderungen, Chancen und vielleicht auch Grenzen der digitalen Lehre. Mein Name ist Katharina Vorwerk, ich arbeite in der Presse- und ��ffentlichkeitsarbeit der Uni und ich habe mich dazu mit jemandem verabredet, der sich als Leiter der AG E-Learning ziemlich gut damit auskennt, studentische Lehre aus den H��rs��len und den Seminarr��umen des Unicampus ins Netz zu bringen. Herzlich Willkommen Dr. Mathias Magdowksi.
Dr. Mathias Magdowski: Hallo!
Vorwerk: Das erste Mal nun seit der Gr��ndung startet die, oder seit ihrer Gr��ndung, startete die Uni v��llig ohne Studierende auf dem Campus in ein Semester. Von jetzt auf gleich musste auf digitale Lehre umgestellt werden. Laufen denn nun, nach einigen Wochen, alle Vorlesungen und Seminare online? Und gedeiht das Pfl��nzchen ���digitale Lehre���?
Dr. Magdowski: Aus meiner Sicht w��rde ich sagen: ganz gut. Also unsere Uni hat ja auch ein Leitbild f��r die Lehre, wenn man da mal nachliest, findet man so einen Punkt, der hei��t: ���Wir entwickeln unsere Lehre st��ndig weiter und richten sie an die sich wandelnden regionalen und globalen Bedingungen und Anforderungen aus.���
Vorwerk: Das klingt gut.
Dr. Magdowski: Und ich finde, das ist eigentlich ganz gut gelungen. Und, um mal vielleicht so ein Beispiel zu nennen, die Uni hat ja ein eigenes Videoportal, diese Mediasite. Da werden jetzt aktuell so 60, 70 Videos pro Tag hochgeladen und das waren fr��her, in vergangenen Semestern mal sowas wie f��nf pro Woche. Und das zeigt eigentlich schon ganz gut, dass so die digitale Lehre ganz gut angekommen ist.
Vorwerk: Hat an Fahrt aufgenommen, ja. Aber wie war denn der Start in den Fakult��ten? War das eher holprig oder hatten wir auch einige, die in der Poleposition standen? Vor welchen Herausforderungen standen denn alle, von einem Tag auf den anderen?
Dr. Magdowski: Ich kann mich noch ganz gut erinnern. Ich war in der semesterfreien Zeit f��r eine Gastvorlesung in Russland, in Kasan, das war so Ende Februar, Anfang M��rz und da gab es in Deutschland dann so die ersten Corona-F��lle, in ganz Russland gab��s zu der Zeit ��� glaub ich ��� vier, zwei davon halt auch in Kasan. Und dann hab ich bei den Telefonaten mit meiner Familie noch gescherzt, dass ja Sachsen-Anhalt sozusagen das ���Last-Land-Standing��� ist, in dem es ja noch keinen einzigen Corona-Fall gab und man hat auch halt bei der Reise am Flughafen nicht so wahnsinnig viel davon gemerkt. Und dann hab ich halt schon so langsam dar��ber nachgedacht: ���Hm okay, na ja ��� wie w��rde das jetzt aussehen? Was w��rde wohl passieren, wenn das Semester jetzt zumindest irgendwie am Anfang erstmal online stattfinden w��rde?���, und hab dann so f��r unsere und die von mir betreuten Lehrveranstaltungen gedacht: ���Ja, so schlecht wird das schon nicht werden. Ich hab schon ein paar Videos, wir haben so Audience-Response-Quizze, wir haben ein System mit personalisierten Aufgaben, wo die Studierenden sich gegenseitig begutachten. Das wird ganz gut laufen.��� Und dann kann ich mich daran erinnern, als ich dann wieder in Deutschland war, dann hatten wir eben eine Sitzung unserer AG E-Learning und da kam dann das Thema so langsam auf, weil eben die ganzen US-amerikanischen Universit��ten dann schon im Prinzip entschieden oder festgelegt hatten, dass das Semester f��r sie ein Online-Semester werden w��rde und dann entwickelte sich das halt bei uns auch rasant weiter und es ist nat��rlich sehr heterogen. Also Freiheit von Forschung und Lehre hei��t: Jeder kann das so ein bisschen machen, wie er m��chte und so zwischen Schockstarre und sehr viel Euphorie war da, glaube ich, alles dabei und viele werden auch erstmal ein bisschen die Zeit abgewartet haben, bis dann das Semester oder die Lehrveranstaltungszeit sozusagen wirklich losgehen sollte. Aber im Gro��en und Ganzen hat das, glaube ich, bei allen ganz gut funktioniert.
Vorwerk: Na ja, es konnte sich ja auch keiner rausnehmen. Es konnte keiner sagen: ���Ich mach nicht mit!��� Aber k��nnen Sie uns Beispiele nennen, wo dieser abrupte Wechsel von analoger zu digitaler Lehre besonders gut geklappt hat? Gab es, um mal im Formel-1-Bild zu bleiben, digitale Hamiltons und Vettels unter uns?
Dr. Magdowski: Es gibt zwei, denke ich, ganz gute Beispiele. Das sind beides Ringvorlesungen: Einmal die, wo es um nachhaltige Energiesysteme geht oder um Herausforderungen und Entwicklungen von Nachhaltigkeitsstrategien im Ingenieurbereich von Christian K��nzel und von Franziska Scheffler. Und es gibt eine zweite tolle Ringvorlesung ���Autonomie im digitalen Zeitalter��� von Dan Verst��ndig und was da zum Beispiel sch��nes passiert ist: Da ist eben ein Podcast auch im Rahmen dieser Vorlesung produziert worden, einfach um sich so ein weiteres Format zu ��berlegen, mit dem man halt Lernende abholen kann und mit dem man vielleicht auch Externe miteinbinden kann und dass man sich eben auch so en passant, vielleicht mal nebenbei, bisschen mit anh��ren kann, auch als ein kurzes niederschwelliges Einstiegsformat, um dann irgendwie so eine Motivation, einen Impuls und so einen Anreiz zu haben, sich vielleicht mal noch tiefergehend mit der Materie zu besch��ftigen. Und ansonsten ist nat��rlich so ein bisschen das Problem, dass man ja als Au��enstehender gar nicht so viel von der Lehre sieht, weil dann doch eben vieles irgendwie im moodle versteckt wird. Videos werden mit Passw��rtern gesch��tzt und so, dass da ja keiner, der nicht jetzt irgendwie in diesen Kurs eingeschrieben ist, da reingucken kann. Das ist so ein bisschen schade. Also es finden halt wenig Sachen wirklich ��ffentlich statt, oder werden bei YouTube gestreamt oder so. Bis eben auf zum Beispiel diese beiden Ringvorlesungen.
Vorwerk: Kann man dann sagen, dass die beiden Beispiele, die sie da eben gebracht haben��� wurde da alles richtig gemacht?
Dr. Magdowski: Ich w��rde sagen, ja! Und das liegt nat��rlich daran, dass die Leute, die das machen, da eine ganze Menge Erfahrung schon mitbringen. Die haben eben nicht auch erst jetzt angefangen, sich mit digitalen Formaten zu besch��ftigen, sondern machen das auch schon ein paar Jahre, bringen da eben entsprechende Erfahrungen und eben auch Engagement mit.
Vorwerk: Erfahrung ist das Stichwort f��r meine n��chste Frage. Vor Kurzem gab es ja erstmals die Woche der digitalen Lehre an der OVGU mit Weiterbildungsangeboten und einem regen Erfahrungsaustausch von und f��r Lehrende und Studierende. Auch Sie waren mit einem Webinar dabei. Braucht es mehr solcher Formate, mehr Gelegenheiten voneinander zu lernen, um die digitale Lehre an der Uni wirksam zu verbessern?
Dr. Magdowski: Ja! Definitiv! Also es braucht deutlich mehr solche Austauschformate. Es braucht, wie ich schon sagte, mehr Sichtbarmachung einfach von Lehre, dass eben Lehre nicht so versteckt wird und dass auch mehr Vernetzung stattfindet zwischen den Lehrenden, auch ��ber Fakult��tsgrenzen und Fachbereiche und so hinweg. Das passiert ja mit der AG E-Learning auch schon ganz gut, aber eben mit den engagierten Dozierenden. Und eine ganz spannende Idee w��re zum Beispiel auch mal, sich zu ��berlegen: K��nnten wir nicht in folgenden Semestern, die hoffentlich auch wieder haupts��chlich in Pr��senz stattfinden, trotzdem sagen, wir nehmen mal eine Woche des Semesters und versuchen da haupts��chlich Online-Lehrangebote stattfinden zu lassen, um uns einfach darin zu schulen: Was kann man in solchen Online-Angeboten machen? Wie sehen die aus? Wie funktionieren Online-Vorlesungen und wie funktionieren Online-Seminare? Um vielleicht auch nochmal den Wert der Pr��senzveranstaltung ein bisschen mehr, sozusagen, f��r uns alle herauszuarbeiten und herauszufinden.
Und ich hab noch einen ganz anderen spannenden Denkansto�� von Axel Krommer gelesen. Der hat halt gesagt, also auf Schulen bezogen, aber man kann das nat��rlich auch auf Hochschulen ��bertragen: ���Wie w��re es wohl, wenn wir eigentlich schon immer alle online und von zuhause aus gelernt h��tten mit Online-Vorlesungen, Online-Webinaren und Erkl��rvideos und so weiter und so fort und jetzt h��tte eben ein gro��er Computervirus sozusagen unser Internet lahmgelegt und unser Lernmanagementsystem lahmgelegt und das Videokonferenzsystem und wir m��ssten uns jetzt alle irgendwie in Geb��uden, auf irgendeinem Campus zusammenfinden und wie w��rden wir dann wohl zusammen lehren und lernen und wie w��rde das dann aussehen?��� Und das ist glaube ich auch mal eine ganz spannende Frage, ��ber die man nochmal ein bisschen nachdenken k��nnte.
Vorwerk: Ein interessantes Gedankenexperiment! Aber Sie selbst sind ja, also ich meine rein Erfahrungstechnisch, eher ein alter Hase, was die Digitalisierung Ihrer Lehre anbelangt, haben lange vor Corona Lehrinhalte ins Netz verlegt. Aber gab es auch f��r Sie Situationen, wo Sie an Ihre Grenzen gekommen sind?
Dr. Magdowski: Es hat auf jeden Fall nat��rlich geholfen in diesem Semester, dass ich und wir, dass wir halt auch nicht bei Null angefangen haben, dass es schon eine ganze Menge Videos gab, dass es eine ganze Menge Quizfragen zum Beispiel gab, die wir vorher so im Sinne von ���Wer wird Ingenieur?��� unseren Studierenden in der Vorlesung gestellt haben und dann sa��en eben alle da mit ihrem Handy und haben eben ABCD ausgew��hlt, wo sie dachten, das ist wohl die richtige Antwort auf diese Frage. Und diese Fragen zum Beispiel, die kann ich jetzt eben super nehmen, um die in das moodle reinzustellen und um sozusagen Quizze f��r die Selberlernphase und die Selbstlernkontrolle da zu erm��glichen. Selbst das kostet mich dann nicht unerheblich viel Zeit, diese Fragen jetzt mal aus dem einen System in das andere System zu ��berf��hren und da noch so ein bisschen auf die Details zu achten und ansonsten sind so die gr����ten Herausforderungen f��r so normale Lehrende eigentlich immer urheberrechtliche Fragestellungen, also wie darf man welche Bilder wo verwenden und so weiter und so fort und auch ansonsten so Rechtsfragestellungen: Wie sieht das halt mit Pr��fungsrecht aus? Pr��fungen in diesem Semester werden sowieso nochmal ein sehr spannendes Thema werden.
Vorwerk: Bisher sprachen wir ja immer nur ��ber die Probleme und Herausforderungen, wie auch jetzt mit den rechtlichen Fragen, f��r die Lehrenden. Wie kommen denn eigentlich die Studierenden mit der digitalen Lehre klar? Agieren diejenigen, die an digitales Shoppen und Online-Partnersuche und Instastorys gew��hnten jungen Menschen, souver��n und sind ganz entspannt und vorbereitet?
Dr. Magdowski: ��hm...
Vorwerk: Sie lachen!
Dr. Magdowski: Also ich glaube auch da sehr heterogen, ich glaube im Gro��en und Ganzen funktioniert das relativ gut. Nichtsdestotrotz so diese vermeintliche Generation der ���Digital Natives���, von der vielleicht alle so ein bisschen denken und sprechen, ich glaube, dass die es nicht gibt. Also die Studierenden stehen teilweise genauso vor Herausforderungen, wie wir und k��mpfen auch ab und zu mal mit der Technik, obwohl sie halt vermeintlich damit aufgewachsen sind. Und vielleicht kleine Beispiele, die das so ein bisschen illustrieren: Bei uns reichen die Studierenden eben L��sungen ein und dann geht das manchmal nicht und dann kommen irgendwelche Fehlermeldungen und dann sag ich halt: ���Ja, wie lautet denn die Fehlermeldung? Schicken Sie mal ein Bildschirmfoto!��� Und dann machen die Studierenden tats��chlich ein Foto von ihren Bildschirm mit ihrem Handy und schicken mir dann dieses Foto, anstatt sozusagen, einfach so wie man ein Bildschirmfoto macht und das zu schicken. Oder wenn sie die Aufgaben einreichen, dann d��rfen sie typischerweise nur eine Datei einreichen. Jetzt kommt es aber manchmal vor, dass man eben zwei Bl��tter braucht oder drei, um die L��sungen hinzuschreiben und das hei��t, man hat halt 3 Fotos, darf aber nur eine Datei hochladen und dann erreichen mich immer E-Mails: ���Ja, wie kriege ich denn das jetzt hin? Ich hab jetzt hier drei Dateien, wie kann ich da eine draus machen?��� Ja, naja ��� man f��gt halt die Fotos aneinander oder man f��gt die Fotos in ein Word-Dokument ein und macht dann daraus wieder eine PDF, das, irgendwie sowas in der Art. Und das sind halt so Beispiele f��r die technischen Probleme, mit denen die Studierenden, glaube ich, auch manchmal k��mpfen.
Vorwerk: Nun haben wir ja nicht nur Studierende, die zurzeit in der B��rde, in Niedersachsen oder an der Nordsee unsere Online-Lehre nutzen. Gibt es denn Erfahrungen oder haben Sie eine Art Feedback, ob unsere internationalen Studierenden, also die wahlweise gerade in Indien oder China vor den Computern sitzen, unsere Online-Angebote erreichen?
Dr. Magdowski: Ich habe selber in diesem Semester ein Seminar mit unseren internationalen Masterstudierenden. Da geht es halt auch um so Grundlagen des wissenschaftlichen Arbeitens und Schreibens und da hab ich eben so zum Onboarding in den Kurs oder zum Socialising geschrieben, es sollen sich mal alle in dem moodle-Forum eben kurz vorstellen: Wer sie sind, wo sie herkommen, was sie so ein bisschen inhaltlich vielleicht von diesen Kurs erwarten und was sie mitnehmen w��rden und sie sollen mal bitte ein Foto schicken, von ihrer aktuellen Homeoffice-Arbeitsumgebung oder von ihrem Arbeitsplatz und wenn ihnen das zu pers��nlich ist, dann k��nnen sie auch ein Foto schicken von dem Blick aus dem Fenster oder vom Balkon oder so und dann haben eben tats��chlich drei��ig Studierende sich kurz vorgestellt und Fotos von ihrem Arbeitsplatz und ihrer Arbeitsumgebung eingereicht, was eben sehr sehr interessant war und glaube ich auch den Studierenden eben sehr sch��n gezeigt hat: ���Ich bin eben einer von vielen anderen in diesem Kurs.��� Und trotzdem hat man die anderen dar��ber nat��rlich so ein bisschen kennengelernt und ist nicht so total anonym in einer grauen Masse von Studierenden untergegangen. Und da hat man eben auch gesehen, dass da doch nicht unerheblich viele von den Studierenden tats��chlich noch in ihrem Heimatland sind und nat��rlich dann zum Beispiel eben auch eine Zeitverschiebung haben. Da ist dann immer wieder der Hinweis: Na ja, es ist besser dann eben asynchrone Lehrformate zur Verf��gung zu stellen, also vorproduzierte Videos, die die Studierenden sich jederzeit ��berall angucken k��nnen, weil es eben total schwierig ist, wenn wir hier nachmittags, sag ich mal, um 17 Uhr irgendwie eine Online-Vorlesung oder um 15 Uhr eine Online-Vorlesung live anbieten, dann ist es in Indien eben schon irgendwie sehr sp��t abends und dann kann es da schwierig sein f��r die Leute daran teilzuhaben. Mal ganz abgesehen davon, dass die Internetverbindung vielleicht nicht so gut ist und dann kann man sich so ein vorproduziertes Video eben auch, keine Ahnung, zwei Stunden lang runterladen und dann trotzdem nur 10 Minuten lang schauen, ohne dass alle 10 Sekunden irgendwie der Ton und das Bild weg ist, was total nervig ist.
Vorwerk: Sie brachten eben das sch��ne Beispiel, wie sie versucht haben ��ber gro��e Distanzen hinweg auch, ja, so ein Zusammengeh��rigkeitsgef��hl, so eine Gruppe zu schaffen. Das ist ja jetzt wahrscheinlich mit der Online-Lehre nicht so ganz einfach. Was glauben Sie denn welche Aspekte der Lehre gehen in Zoom-Konferenzen gegen��ber dem klassischen Seminar in Geb��ude 5 verloren? Oder geht da gar nichts verloren? Kommt was Neues hinzu?
Dr. Magdowski: Na, nat��rlich geht so ein bisschen der Smalltalk verloren, den man vielleicht mal vor der Lehrveranstaltung mit den Studierenden macht und es gehen nat��rlich so die ganz raschen Interaktionen und niederschwellige Kommunikation verloren. In meinen ��bungen mache ich das immer sehr gerne, also eigentlich rechnen da immer Studierende an der Tafel vor oder stellen ihren L��sungsweg vor und ich gucke dann gar nicht zur Tafel, sondern h��chstens nur so mit einem halben Auge und gucke eigentlich in den Raum zu den Studierenden und dann sieht man in ihren Gesichtern sofort, wenn irgendwie was unklar ist an der Tafel oder wenn sie irgendwas nicht verstanden haben und dann kann man halt sofort nachfragen und sagen: ���Wo ist jetzt die Frage?��� Und das geht jetzt halt nicht. Also man kann eben dann ganz schwierig irgendwie drei��ig Leuten gleichzeitig per Zoom ins Gesicht gucken und feststellen: ���Oh, da ist jetzt grad irgendwie ein Missverst��ndnis aufgekommen oder eine Unklarheit und der versuchen gleich auf die Schliche zu kommen.���
Vorwerk: Nun ist das Lehren vom heimischen K��chentisch ja in Teilen vielleicht auch ganz bequem, darum sei auch an dieser Stelle die Frage erlaubt: Haben auch Sie schon mal eine Online-Vorlesung in Jogginghose gehalten?
Dr. Magdowksi: Eine Online-Vorlesung nicht, aber ich habe das eine oder andere Erkl��rvideo, die ich tats��chlich meistens abends... Es gibt ja Leute, die immer vor Publikum aufzeichnen, weil sie dann einfach so pr��senter sind. Das klappt bei mir nicht, ich nehme die immer lieber bei mir zuhause in Ruhe auf und dann habe ich tats��chlich schon mal abends in sehr bequemer Kleidung da gesessen und dann das eine oder andere Erkl��rvideo an meinem Laptop aufgezeichnet.
Vorwerk: Wenn man so richtig was falsch machen k��nnte in der Online-Lehre, was w��re denn, aus Ihrer Sicht, so ein Worst-Case-Szenario? Also was sollten Lehrende unbedingt vermeiden?
Dr. Magdowski: Also ich hab mal vor ein paar Jahren einen Online-Kurs konzipiert f��r eben diese Kooperation mit der russischen Uni, die wir da haben in Kasan und da ging es darum: Die Studierenden sollten was simulieren in einem Programm und dann haben wir auch daf��r Erkl��rvideos produziert und wie man halt dieses Programm startet, wie man das Modell anlegt und so weiter und so fort und hatten dann ja so ein Tutorial, wie man das installiert und hatten auch einen Studenten in Deutschland, der sich das alles angeguckt hat und getestet hat und dann haben wir halt diese Inhalte nach Russland geschickt und das funktionierte nicht. Also die Studierenden konnten einfach dieses Programm nicht installieren, beziehungsweise konnten nicht damit simulieren und mit seltsamen Fehlermeldungen, die wir von hier aus ��berhaupt gar nicht nachvollziehen konnten und das hat wirklich ewig gedauert, also, keine Ahnung, mehrere Wochen sind ins Land gegangen, bis wir die Ursache gefunden haben und es lag schlussendlich daran, dass die russischen Studierenden ��� wie h��tte man es anders erwarten k��nnen ��� nat��rlich kyrillische Buchstaben in ihren Windows-Anmeldenamen haben und das hat einfach dieses Programm konsequent zum Absturz gebracht. Das hei��t, die konnten, also sobald die das Programm ge��ffnet haben, ist das halt immer abgeschmiert. Und die konnten keine einzige Simulation machen, nicht das einfachste Beispiel nachvollziehen und bis wir eben dann das Problem erstmal erkannt haben und mit dem Hersteller des Programms R��cksprache gehalten haben und irgendwie dieses Problem gel��st war, war die Zeit f��r diesen Kurs nat��rlich lange um und das war halt mal so ein totales Worst-Case-Szenario. Aber das ist so das Problem, dass viele solche Herausforderungen eben erst dann im Prozess entstehen und sichtbar werden.
Vorwerk: Also der Rat auch an Lehrende: Von alleine geht das nicht, vorbereiten und nicht erst 5 Minuten vor der Vorlesung anfangen.
Dr. Magdowski: Genau! M��glichst gut vorbereiten, sich m��glichst irgendwie was ��berlegen, auch wie...
Vorwerk: Plan B!
Dr. Magdowski: Genau, wie Rudi Karrell gesagt hat: ���Wenn man was aus dem ��rmel sch��tteln will, muss man vorher was in den ��rmel reingetan haben.��� Ruhig auch noch ne Backup-L��sung im Hintergrund haben und man stellt ja meinetwegen auch selber fest: Wenn man jetzt das f��nfte Mal Zoom nutzt, findet man immer noch irgendwie einen Knopf, der einem noch ein bisschen mehr Funktionalit��t bietet und da kann man die Farbe einstellen und da kann man Sachen wieder schnell l��schen und speichern und so und das ist... wenn ich mir meine ersten Erkl��rvideos angucke, denke ich manchmal auch: ���Ok, das h��ttest du jetzt halt tats��chlich auch nochmal besser machen k��nnen!��� Aber egal!
Vorwerk: In der AG E-Learning, die Sie ja leiten, engagieren sich ja viele Uni-Angeh��rige, um die digitale Lehre auf dem Campus zu unterst��tzen und voranzubringen. F��r welche konkreten Probleme bietet ihr denn L��sungen an oder anders gefragt: Mit welchen Fragen k��nnen sich Lehrende an die AG wenden?
Dr. Magdowksi: Also wir haben in der AG ��ber die letzten Jahre so eine gewisse Sammlung an Tools und an Best-Practice-Beispielen erstellt, haben jetzt, im Zuge der Corona-Krise, das nochmal ein bisschen erweitert um ein Wiki, wo wir eben alle dran mitarbeiten k��nnen, was auch nochmal so eine Sammlung ist f��r synchrone Online-Sachen, f��r asynchrone Online-Sachen ��� wie man m��glichst gut Erkl��rvideos aufzeichnet, auch Ideen schon f��r elektronische Pr��fungen. Wir haben ein Ticketsystem eingerichtet mit zwei E-Mail-Adressen: und onlineteaching@ovgu.de, sozusagen f��r die deutschsprachigen und die englischsprachigen Mitarbeitenden, mit denen sie sich mit Fragen an uns wenden k��nnen und die dann eben auf Basis unserer Erfahrungen und dieses Wissens, was dort in den Wikis, in unserem, auch die AG E-Learning nutzt einen moodle-Kurs zur Koordinierung, was dort abgelegt ist und das funktioniert eigentlich ganz gut. Bei diesem Ticketsystem gab��s, also den gr����ten Peak der Anfragen, so tats��chlich zwischen dem 1. April und dem Osterwochenende, wo so die hei��e Phase war, wo jetzt klar war: Ok, jetzt m��ssen wir tats��chlich alles digitalisieren. Und so im Laufe der Zeit gab��s jetzt halt auch ein paar witzige oder absurde Anfragen. Also haben sich auch Studierende an diese E-Mail-Adresse gewandt und haben zum Beispiel gefragt, wo sie sich denn jetzt f��r gewisse Lehrveranstaltungen registieren k��nnen. Ein Student, auch ein Internationaler, hat mal geschrieben, also morgens um 8 Uhr hat er geschrieben, er habe jetzt eigentlich um 7 schon eine Online-Vorlesung gehabt, per Zoom, wo findet er denn jetzt den Zugangscode f��r dieses Meeting. Na ja gut, das wissen wir jetzt auch nicht, aber: Wend dich mal bitte an deine Lehrperson. Und ansonsten gab es nat��rlich sehr viele Fragen zu Zoom und wie geht das jetzt und wie kann man da jetzt irgendwie seine Studierenden einladen, sowas in der Art.
Vorwerk: Gibt���s eigentlich so ne Art Goldstandard f��r die digitale Lehre, also sowas wie eine allgemeing��ltige Empfehlung, einen Schl��ssel, der f��r alle T��ren passt?
Dr. Magdowski: Gibt���s mit Sicherheit nicht so richtig, weil das... sonst w��re die Welt zu einfach. Ich glaub, was immer hilft ist, die Studierenden m��glichst gut mit einzubinden, sich von ihnen kontinuierlich R��ckmeldung zu holen, den Studierenden kontinuierlich R��ckmeldung zu geben. Die Studierenden nat��rlich m��glichst viel selber machen lassen, selber ausprobieren lassen, also sozusagen aktives Lernen f��rdern und ansonsten, ich glaube so einen Spruch, der ganz gut passt, ist, dass gute Lehre immer dann passiert, wenn sowohl die Lernenden als auch die Lehrenden mal aus ihrer Komfortzone rauskommen und auch immer mal ein paar neue Sachen probieren und sozusagen nicht sich so zur��cklehnen. Sowohl online als eben auch in Pr��senz.
Vorwerk: Auch wenn die Forderungen, die universit��re Lehre in Teilen st��rker zu digitalisieren nicht neu ist, kann man doch in den letzten Wochen oder jetzt in unserer Zeit, den Eindruck gewinnen, dass die Corona-Krise einen entscheidenden Ansto�� gab, nicht nur an der OVGU, sich mit digitaler Lehre zu besch��ftigen; gab ja kein Zur��ck. Wie k��nnen wir nun aber diesen eingeschlagenen Weg weiter gehen? Wie k��nnen wir die gelernten Lektionen weiternutzen?
Dr. Magdowski: Also ich denke, was wir in Zukunft noch mehr brauchen, sind eben so engagierte Unterst��tzungsstrukturen, also Personen, die sich einfach auskennen mit Online-Lehre, an die man sich mal hinwenden kann und sagen kann: ���Ich habe das und das vor, ich m��chte dieses und jenes didaktische Ziel erreichen, wie kann ich das am besten mit der Methode oder mit diesen Online-Werkzeug machen?��� Genauso braucht��s, glaube ich, eine nachhaltige Strategie der Hochschulleitung zu sagen, wir setzen auch in Zukunft vermehrt auf Online-Lehre, also nat��rlich auch auf Pr��senzlehre, aber Online-Lehre oder Blended-Learning. Das Beste versuchen aus beiden Welten zu machen, soll ein integraler Bestandteil unserer Lehre sein. Nat��rlich brauch Online-Lehre, wie Pr��senzlehre auch, eine gute Bibliothek, eine gute Wissensdatenbank im Hintergrund, Online-Lehre nat��rlich auch eine leistungsf��hige IT im Hintergrund und eben auch eine Rechtsstelle oder eine Rechtsberatung und auch das Wort Datenschutz, das ich bei diesem Podcast jetzt das erste Mal in den Mund nehme. Ja, auch da h��tten Lehrende oft gern eine verl��ssliche und rasche Aussage, wie eben mit diesem oder anderen Sachverhalten umzugehen ist. Das sind so, glaube ich, Sachen, die dann Lehrende, die sich in Online-Formaten engagieren m��chten, unterst��tzen k��nnen. Und ja, ansonsten m��chte ich auch gar nicht alles digitalisieren, aber wenn wir Pr��senzlehre machen, dann sollten wir die halt ein bisschen mehr wertsch��tzen und die f��r sinnvollere Formate, also f��r Interaktion mit den Studierenden f��r das Diskutieren und L��sen von komplexen Problemstellungen nutzen und eben nicht f��r die reine Wissensvermittlung, weil das kann man mittlerweile, denke ich, ganz gut rein online machen.
Vorwerk: Bevor unsere Gespr��chsrunde nun zu Ende geht, kommen wir noch zu unserer beliebten Rubrik ���Lange Rede, kurzer Sinn���. Ich gebe Ihnen mal drei Satzanf��nge vor und ich bitte Sie, die spontan zu vervollst��ndigen. Kann es losgehen? Wenn mir alle Ressourcen zur Verf��gung st��nden, dann w��nschte ich mir f��r die digitale Lehre an der Uni Magdeburg...
Dr. Magdowksi: ...mehr Wertsch��tzung und tats��chlich sowas wie digitale Endger��te f��r alle Studierenden, vor allem f��r die, die es sich nicht von zuhause aus leisten k��nnen.
Vorwerk: Die Corona-Krise hat die digitale Lehre auf dem Uni-Campus...
Dr. Magdowksi: ...unglaublich beschleunigt. Also wenn man mal in einem Radfahrerbild bleibt: Wir sind jetzt irgendwie die Rampe vom Mittellandkanal runtergerollt und haben richtig Fahrt aufgenommen und jetzt ist halt die Frage, ob wir auf einen sch��nen glattasphaltierten Weg rollen und sozusagen das Tempo halten k��nnen oder ob am Ende der Rampe eine Kopfsteinpflasterstra��e wartet mit einer engen Kurve und wir dann mit dem Fahrrad am n��chsten Baum landen.
Vorwerk: Sehr sch��nes Bild! Digitale Lehrformate, die nach der Krise beibehalten bleiben sollten, w��ren...
Dr. Magdowski: ...Erkl��rvideos, weil die Studierenden Zeit und Ort unabh��ngiges Lernen erlauben und man die sich eigentlich immer zu jeder Zeit angucken kann, in beliebigem Tempo zur��ckspulen kann, wenn man nicht was verstanden hat und nat��rlich besteht die Gefahr, dass einige sagen: ���Ok, dann gucken sich halt die Studierenden die Videos alle erst zwei Tage vor der Pr��fung an, in doppelter Geschwindigkeit.��� Aber die Gefahr gab es eigentlich mit B��chern und Skripten vorher auch schon.
Vorwerk: Das war��s auch schon f��r heute. Ich sage vielen Dank f��r das Gespr��ch und nat��rlich auch f��r Ihr gro��es Engagement, die digitale Lehre an der Uni voranzubringen. Auch Ihnen, an den mobilen Endger��ten oder wo auch immer Sie dabei waren, danke f��rs Zuh��ren. Wenn Sie Vorschl��ge haben f��r Themen unserer Podcastreihe, Feedback geben m��chten, kritisch oder positiv, dann schreiben Sie uns einfach eine E-Mail an . Und mit dieser Folge des internen Podcasts verabschieden wir uns jetzt bis zum Oktober in die Sommerpause. Im Juli gibt es aber dann daf��r den n��chsten Wissenschaftspodcast, in dem wir der Frage nachgehen, was Vanilled��fte und Kaufrausch miteinander verbindet. Bis dahin! Machen Sie es gut und bleiben Sie gesund.
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Introstimme:��In die Uni reingeh��rt. Der Podcast zur Arbeitswelt an der OVGU.