Immer die richtigen Ansprechpartner finden

09.07.2020 -  

An der Uni Magdeburg gibt es einige Anlaufstellen, an die sich Studierende und Mitarbeitende wenden können, wenn sie an der Uni etwas verändern, sich beschweren oder Verstöße gegen Gesetze oder ethische Richtlinien melden wollen. Doch kennen die Angehörigen der Uni diese auch? Wie werden zum Beispiel das Nachhaltigkeits- oder Familienbüro wahrgenommen? Und was fehlt an unserer Hochschule? Diese Fragen untersucht Friederike Krischer derzeit in ihrer Masterarbeit. 

Die 26-Jährige studiert Betriebswirtschaftslehre / Business Economics an der Uni Magdeburg und sucht für ihre Abschlussarbeit noch Mitarbeitende und Studierende, die bis zum 31. Juli an der Online-Umfrage, die es auch in Englisch gibt, teilnehmen und von ihren Erfahrungen berichten. Im Interview hat sie die Hintergründe ihrer Masterarbeit noch mal genauer erklärt.

Studentin Friederike Krischer auf dem Campus der Uni Magdeburg (c) Jana Dünnhaupt_Uni MagdeburgStudentin Friederike Krischer untersucht die Compliance Maßnahmen der Uni Magdeburg (Foto: Jana Dünnhaupt / Uni Magdeburg)

Worum geht es in deiner Umfrage genau?

Um die Wahrnehmung von Compliance-Maßnahmen an deutschen Hochschulen, am Beispiel der Uni Magdeburg. Compliance ist im Grunde nichts anderes als die Übereinstimmung von Handlungen einer Organisation mit den geltenden Bestimmungen – also wie sehr hält sich eine Organisation an Gesetze, Vereinbarungen, interne Richtlinien, Verfassungen. Das kann nicht nur die finanziellen Aspekte betreffen, sondern auch die ethischen und verwaltungsbezogenen Grundsätze, die sich eine Organisation selber setzt, wie Minderheitenschutz, Gleichstellung, Nachhaltigkeit.

Eine Hochschule ist, als öffentliche Einrichtung, konfrontiert mit unzähligen Gesetzen, Verpflichtungen aus Zielvereinbarungen des Landes und Weisungen des Bundes. Die Verflechtung der Forschung mit der freien Wirtschaft bringt hier sogar noch mehr Richtlinien und Bedingungen ins Spiel. Allerdings haben Hochschulen im Gegensatz zu börsennotierten Unternehmen eine rechtliche Sonderstellung. Es gibt weniger Verpflichtungen und Kontrollen von außen; sie sind einer Selbstevaluierung überlassen. Diese Selbstüberprüfung findet oft durch Compliance Maßnahmen statt: Beauftragte werden ernannt und interne Richtlinien erstellt.

Doch die Wirksamkeit, beziehungsweise die Kommunikation dieser Maßnahmen selber werden selten geprüft. Genau das will ich mithilfe meiner Umfrage analysieren. Wissen Studierende und Mitarbeitende eigentlich von den Maßnahmen? Erkennen sie mögliche Risikosituationen? Wie bewerten sie die Anlaufstellen? Die Auswertung der Umfrage soll dabei helfen eine repräsentative Antwort auf diese Fragen zu finden und dann dabei helfen Maßnahmen vielleicht sogar zu verbessern.

Warum sind Compliance Maßnahmen an Hochschulen wichtig?

Viele Menschen ziehen erstmal die Augenbrauen hoch und sagen: „Compliance? Das ist doch dieser neuenglische Quatsch. Hoher Aufwand, kommt nicht viel bei rum.“ Das finde ich schade. Deswegen ist es zu allererst wichtig, ein Bewusstsein dafür zu schaffen, was Compliance an Hochschulen bedeuten kann. Man beschäftigt sich heutzutage sehr oft mit Unternehmen der privaten Wirtschaft und achtet zum Beispiel auf faire Produktionsstandards, nachhaltige Lieferketten, transparente Geldflüsse, oder eine Gleichstellungsquote. Bei öffentlichen Einrichtungen sollten diese Ansprüche genauso gestellt werden können. Es ist meiner Meinung nach auch wichtig, diese Maßnahmen auch effektiv zu kommunizieren und alle Menschen im Hochschulbetrieb für diese zu sensibilisieren.

Compliance Maßnahmen müssen nicht immer Zahlen und Abrechnungen sein. Die Maßnahmen können auch auf ein respektvolles Miteinander abzielen oder für mehr Inklusion und verbesserte Arbeitsbedingungen sorgen. Es ist also auch eine Chance für die Hochschule sich zu entscheiden, welche Themen wichtig sind und für welche Werte sie einstehen will: Familienfreundlichkeit, Nachhaltigkeit, transparentere Geldflüsse, ethische Standards in der Forschung – das sind alles Schlagwörter, die hier genannt werden können.

Welche Maßnahmen sollte es an Hochschulen geben? Und welche fehlen uns?

Compliance Maßnahmen sind immer auf die Organisation und deren Umgebung ausgerichtet. Es gibt also leider keine allgemeingültige Liste, die man einfach abhaken kann. Allerdings gibt es ISO-Normen, die vorgeben, wie solche Maßnahmen implementiert werden sollen und Prüfkataloge für Wirtschaftsprüfer_innen, die untersuchen, wie wirksam diese Maßnahmen dann sind. Teil meiner Arbeit ist es, einen Anforderungskatalog für Compliance Maßnahmen an deutschen Hochschulen zu erstellen und dann anhand des Prüfkataloges zu testen, wie wirksam die Maßnahmen sind, am Beispiel an der Uni Magdeburg.

Was könnten wir besser machen?

Auf dem Papier steht die Uni Magdeburg im nationalen Vergleich gar nicht schlecht da. Gerade was das Thema Nachhaltigkeit anbelangt, ist das Nachhaltigkeitsbüro ein großer Schritt. Allerdings gibt es allgemein viele Informationen und Maßnahmen nur auf Deutsch, hier ist definitiv Verbesserungspotential. Auch beim Thema Beschwerdemanagement ist noch Luft nach oben.

Bisher habe ich die Daten meiner Umfrage noch nicht ausgewertet, aber in jedem Fall scheint das Thema einen Nerv getroffen zu haben. Das merkt man allein schon am Rücklauf. Auch die vielen Kommentare weisen auf das Interesse der Teilnehmenden an der Thematik hin.

Persönlich kann ich sagen: Ich habe 2,5 Jahre an der Uni Magdeburg verbracht und noch nie etwas von den jeweiligen Abteilungen gehört, mit denen ich für meine Arbeit zusammenarbeite – da hat also zumindest bei mir der Kommunikationsfluss nicht funktioniert.

Welche Maßnahmen sollten unsere Mitarbeitenden und Studierenden denn unbedingt kennen?

Das kann ich pauschal schwer sagen. Eine studierende Person, die rechtliche Fragen hat, sollte wissen, dass es durch den Studierendenrat eine kostenlose juristische Erstberatung gibt. Während eine andere Person darüber informiert werden muss, welche Folgen wissenschaftliches Fehlverhalten haben kann. Das Wichtigste ist, dass die Hochschulleitung sicherstellt, dass die Maßnahmen regelmäßig kommuniziert und ihre Wirksamkeit überprüft werden. Aber auch jede_r einzelne kann sich überlegen welche Themen im Hochschulbetrieb priorisiert werden sollen. Compliance Kultur kann auch von innen heraus entstehen, wenn die Hochschulleitung ein offenes Ohr für die Wünsche und Anmerkungen der Hochschulgemeinde hat.

Wie bist du eigentlich zu dem Thema deiner Arbeit gekommen?

Im Rahmen eines Seminars wurden verschiedene Themen für die Master Thesis vorgeschlagen. Darunter auch das.
 

Mit welchen Abteilungen arbeitest du für die Master Thesis zusammen?

Am meisten wurde ich natürlich von den betreuenden Lehrbeauftragten Sebastian Oelrich und Prof. Anne Chwolka vom Lehrstuhl für Unternehmensrechnung/ Accounting unterstützt. Für den Fragebogen habe ich dann mit den entsprechenden Stellen an der Universität zusammengearbeitet, die für die Compliance Maßnahmen verantwortlich sind. 

 

Bis zum 31. Juli 2020 können Studierende und Mitarbeitende der Uni Magdeburg an der Online-Umfrage teilnehmen.

 

das Interview führte Ina Götze

Letzte Änderung: 15.07.2020 - Ansprechpartner: Webmaster