Bye, bye Blut! Was bei einer Blutspende am Uni-Klinikum passiert

84 Prozent der Bundesbürger finden es toll, dass Blut gespendet wird, sie würden es auch machen. Aber nur vier Prozent der Deutschen gehen tatsächlich. Blut wird vor allem bei lebenswichtigen Operationen eingesetzt meistens für Menschen, die gegen Krebs kämpfen. Warum gehen so wenig Menschen Blut spenden? Angst vor der Nadel? Zuviel Zeitaufwand? „Es ist ein schwieriges Prinzip“, sagt Silke Schulze von der Uni-Blutbank. „Sie kommen her und wollen uns ihr Blut geben und wir versuchen erstmal herauszufinden, ob es irgendeinen Grund gibt, warum sie nicht spenden können.“

Volontärin Julia Heundorf im Gespräch mit Silke Schulze von der Uni-Blutbank. (c) Harald KriegVolontärin Julia Heundorf im Gespräch mit Silke Schulze von der Uni-Blutbank. Foto: Harald Krieg

Wer Blut spendet, durchläuft sechs Stationen. Viele Momente können zum Ausschluss führen zu geringer Blutdruck, kürzlich krank gewesen, Also bleiben wir erstmal zusammen, mein Blut und ich. Bei der Anmeldung fließen schätzungsweise noch 4,5 bis 5Liter in meinem Körper ein durchschnittlicher Wert für eine erwachsene Frau. Danach schon der erste Pieks ein paar Tropfen braucht die Schwester, die den Hämoglobin-Wert misst und guckt, ob ich genug Eisen im Blut habe gerade so. Außerdem wird meine Körpertemperatur geprüft. Ich werde getestet, damit ich gesund bleibe und eine hochwertige Arznei produziere denn das ist es, was ich hier tue.

Julia Heundorf wird aus dem Ohrläppchen Blut für den Hämoglobintest abgenommen (c) Harald Krieg
Der erste Pieks für den Hämoglobin-Test. Foto: Harald Krieg

Herausforderung angenommen

Im Warteraum fülle ich einen Fragebogen aus und erkläre zum Beispiel, ob ich Medikamente nehme oder schon mal bestimmte Krankheiten hatte. Viele Fragen sind sehr persönlich. Einige davon stellt die Ärztin im Gespräch danach noch einmal. Sie prüft, ob mein Blutdruck in Ordnung ist. Außerdem stelle ich Fragen: Wie kann ich vermeiden, dass mir schwindlig wird? Wie erhöhe ich meinen Eisenwert? Dann gibt Sie grünes Licht: Ich darf heute spenden.
Der Moment ist gekommen: Ich werde mich von einem halben Liter meines Blutes trennen und hoffe, dass es jemand anderem helfen wird. Im Spenderaum lege ich mich auf eine Pritsche, es sind schon drei weitere Leute da. Eine Schwester kümmert sich, legt mir einen Klettverband fest um den Oberarm und ich beobachte, wie die Ader in meiner Ellenbeuge anschwillt. Die Stelle wird desinfiziert. Ich sehe nicht genau hin, als die Nadel näherkommt. Als ich wieder an mir runtergucke, ist sie längst unter der Haut. Zuerst werden vier kleine Röhrchen für Laboruntersuchungen gefüllt. In den Spenderbeutel kommen 480Milliliter. Als ich die Anzeige entdecke, sind gerade 35ml durch, beim zweiten Mal 250ml. Ich verfolge die Nachrichten im Fern­sehen und nach siebeneinhalb Minuten kommt die Schwester zurück.

Julia Heundorf bei der Blutspende (c) Harald KriegSiebeneinhalb Minuten - dann waren die 482 Milliliter Blut im Spenderbeutel. Foto: Harald Krieg

482Milliliter. Geschafft. Ich werde versorgt, bekomme einen Pflasterverband, stehe langsam auf. Ich bin topfit und gehe los. Meine Blutspende muss noch drei Stunden auf einer Kühlplatte im Raum liegen bleiben, bevor es für sie weitergeht aber die vier Röhrchen sind schon unterwegs. In der Cafeteria hole ich meinen kostenlosen Snack: Kaffee, Käsebrötchen und Schokoriegel. Ich trage meine Kontodaten auf einem Formular ein für die Aufwandsentschädigung. Was passiert jetzt mit meinem Blut?

Kleine Zelle ganz groß

Röhrchen 1 wird einige Tage archiviert. Röhrchen 2 ist in der Serologie: Die testen meine Blutgruppe. Nicht nur A, B, AB und 0, auch der Rhesus-Faktor und andere Eigenschaften sind wichtig. Im Notfall können fast alle Menschen die Blutgruppe 0 empfangen, aber wenn möglich, werden die Eigenschaften der Spende so genau wie möglich auf die Empfänger angepasst.

Die Blutkonserve wird bis dahin im Kühlraum gelagert. Hier liegen die rot gefüllten Plastebeutel. Bei 4°C ist es ziemlich frisch. Das gelbliche Plasma mag es ein bisschen kälter bei -30°C. Die Blutspenden im Kühlraum sind nach Gruppen geordnet, einige sind sogar schon ihren Empfängern versprochen. Bevor ein Beutel hier landet, werden die weißen Blutkörperchen herausgefiltert. Dann wird das Blut zentrifugiert, um zwei Blutprodukte zu erhalten das Plasma und die roten Blutkörperchen. Eine große Box voller Blutbeutel aus den letzten Tagen wartet noch auf das Okay aus dem Labor.

Blutkonserven in der Uni-Blutbank (c) Harald Krieg

 
Weil Blut nicht nur positive Eigenschaften haben kann, kommen zwei der kleinen Röhrchen für Tests in die Virologie auf HIV, HepatitisA,B,C und andere Viren. Der schnellste Test wird mit PCR-Technik durchgeführt, das steht für Polymerase Kettenreaktion. Dabei wird die DNA des Virus vervielfältigt und so sichtbar gemacht. Ist nichts zu sehen, ist nichts verkehrt. „Es ist selten, dass im Labor was entdeckt wird“, sagt Silke Schulze. „Risikofaktoren werden vor der Spende erkannt, zum Beispiel im Gespräch. Dann darf man nicht spenden.“ Wer meine Blutspende bekommt, werde ich nicht erfahren. 42 Tage wird sie aufbewahrt danach kommt sie weg. Aber entsorgen muss das Team selten. Normalerweise wird eine Konserve innerhalb von drei Wochen verbraucht. 10000 Spenden nimmt die Uni-Blutbank im Jahr ungefähr an. Das ist nicht viel, sagt Silke Schulze.

Fazit: Blut spenden hilft Leben retten. Fragen Sie Ihren Arzt oder die Ärztinnen und Ärzte und Mitarbeitenden in der Uni-Blutbank.

 

Julia Heundorf

Letzte Änderung: 18.01.2019 - Ansprechpartner: Webmaster