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Third Mission & Diversity

Diversity

Foto: shutterstock / Rawpixel.com

Third Mission

Die Universität Magdeburg versteht sich als verlässliche Partnerin für Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Kultur. Sie prägt das kulturelle und gesellschaftliche Leben in Magdeburg und im nördlichen Sachsen-Anhalt. Sie versteht sich als eine Leitfigur beim Ausbau der wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklung der Region. Die insbesondere durch den demografischen Wandel geprägte gesellschaftliche Entwicklung verändert dabei die Ansprüche von und an die Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg. Die Kernaufgaben Forschung und Lehre werden zunehmend durch gesellschaftsbezogene Aktivitäten erweitert.

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg beraten und unterstützen mit ihrer Expertise wichtige und zukunftsweisende Vorhaben der Stadt, des Landes, der kulturellen und sportlichen Organisationen oder regionalen Unternehmen. Darüber hinaus prägen über 14.400 Studierende aus über 90 Nationen das Leben der Landeshauptstadt Magdeburg. Ihr Engagement in unzähligen sozialen, interkulturellen, sportlichen, politischen und ökologischen Projekten wirkt weit über den Campus hinaus und stärkt das Gemeinschafts- und Identifikationsgefühl in der Stadt und der Region.

Diversity 

Die Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg versteht den kompetenten Umgang mit Diversität und kultureller Vielfalt als Bereicherung für das Hochschulleben und gesamtgemeinschaftliches Potenzial. Sie hat sich in diesem Rahmen verpflichtet, allen Hochschulangehörigen chancengleiche Ausbildungs- und Lebensbedingungen zu ermöglichen. Den Studierenden und Mitarbeitenden sollen unabhängig von Geschlecht, Alter, Herkunft, Religion oder Behinderung zusammen lernen, forschen und arbeiten können. Hierfür soll die Universität zum Kompetenzzentrum für Diversity Development im Land Sachsen-Anhalt ausgebaut werden.

 

Aktuelle Meldungen zu Third Mission & Diversity:


Universität und Wirtschaft vergeben erstmals Unternehmensstipendium

Die Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg hat in Kooperation mit der regionalen Wirtschaft ein neues Stipendienmodell zur Förderung von Studierenden entwickelt und erstmals das Unternehmensstipendium der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg vergeben. Auf dem Netzwerktreffen der Kooperationspartner der Universität am 19. Oktober 2017 in der regiocom GmbH, wurden die ersten beiden Stipendien vom Rektor der Universität, Prof. Dr.-Ing. Jens Strackeljan, und den Unternehmensvertretern feierlich überreicht.

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Kinder-Uni Magdeburg bringt „Kariestunnel“ in den Hörsaal

Wie funktioniert unser Gebiss, welche Aufgaben haben Zähne, Zunge und Speichel? Wie sieht gesunde Ernährung aus, und warum ist es so wichtig, gründlich die Zähne zu putzen? In der Septemberausgabe der Kinder-Uni Magdeburg wird die Zahnärztin Dr. med. dent. Juliane Hertwig die Besucherinnen und Besucher im Grundschulalter mit auf die Reise durch die Mundhöhle nehmen und anschaulich erklären, warum es für Kinder und Erwachsene so wichtig ist, ihre Zähne gesund zu halten.

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Über 300 Magdeburger beweisen „Magdeburg is(s)t anders“

Der gemeinnützige Verein Symposium Magdeburg e.V. hat Studierende und Magdeburger zu ihrer Veranstaltung „Agora – Magdeburg is(s)t anders“ im CampusTheater Magdeburg empfangen. Über 300 Magdeburger waren im CampusTheater der Otto-von-Guericke Universität und beteiligten sich an den verschiedensten Aktivitäten. Es wurden von Ägyptischen Bohnen über Hummus nach neuseeländischem Rezept bis Kisir und Bulgur Salat, die feinsten kulinarischen Köstlichkeiten beim Mitbring-Brunch aufgetischt. Wer nach dem Essen noch Lust hatte, konnte die Hüften beim Swingtanz-Workshop vom Swingkollektiv Magdeburg „bouncen“ lassen. Der Umsonstflohmarkt fand besonders großen Anklang, denn hier konnte jeder nehmen und geben. „Wir sind überwältigt von der positiven Resonanz.“, so Hoa Le, Mitorganisatorin und Mitglied beim Symposium Magdeburg e.V.

 

Die Welt vereint in Magdeburg

Usbekistan, Indien, Illinois, Vietnam, Norwegen – dies sind nur wenige Punkte auf der Weltkarte, die als Geburtsort von den Besuchern markiert wurden. An diesem Wochenende kamen Menschen aus den verschiedensten Orten der Welt zusammen und konnten bei der Podiumsdiskussion „Wer und was ist die Gesellschaft?“ über persönliche Erfahrungen berichten sowie Meinungen austauschen. Die Redner der Diskussionsrunde waren 

 

Die Podiumsdiskussion _Wer und was ist die Gesellschaft__Foto von Marie Fröhlich
Bei der Podiumsdiskussion konnten Erfahrungen und Meinungen ausgetauscht werden. (Foto: Symposium Magdeburg)

Zum Abend hin wurde auf der Open Stage indischer Bollywoodtanz aufgeführt, Kurzgeschichten vorgelesen, Acapella gesungen, Bauchtanz dargeboten und eigene Gedichte vorgetragen. Der Auftritt der Band Bolte rundete den gesamten Tag ab.

 

Die Welt zu Hause in Magdeburg

Ziel der Veranstaltung war es, zu zeigen, dass Magdeburg - entgegen der vielen Negativschlagzeilen der letzten Monate über die letzte Landtagswahl und allgemeinen Stimmung gegenüber Geflüchteten - die Heimat vieler Kulturen und Identitäten ist. „Die Agora war im antiken Griechenland der zentrale Fest-, Versammlungs- und Marktplatz einer Stadt. Dies hat uns inspiriert unsere Veranstaltung so zu nennen, da wir hier die verschiedensten Leute zum Diskutieren aber auch Zeit gemeinsam verbringen vereinen wollen.“, so Michael Krack vom Symposium Magdeburg e.V.

 Bei der Veranstaltung wurden gemeinsam Beutel bemalt_ Foto von Marie Fröhlich
Es wurden verschiedene Programmpunkte angeboten, die die unterschiedlichen Kulturen zusammenbrachten.
(Foto: Symposium Magdeburg)

Der 2013 gegründete gemeinnützige Verein Symposium Magdeburg e.V. ist eine Initiative von Studierenden der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg. Das erklärte Ziel des Vereins ist die Förderung der politischen Bildung und Partizipation junger Menschen. Dazu werden verschiedener Events sowie ein jährliches Symposium organisiert.

 

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Spende für einen guten Zweck

431 Euro hat der Rektor der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Prof. Jens Strackeljan, an die Organisation Ingenieure ohne Grenzen übergeben. Franka Kretschmer und Maximilian Sattler, Mitglieder der Regionalgruppe Magdeburg, freuen sich über die finanzielle Unterstützung für das Projekt „Maji Moto - Warmwasserversorgung für ein Mädcheninternat in Tansania“, welches für einen besseren Gesundheitszustand der Schülerinnen sorgen soll und somit die Bildungschancen verbessert.

Spenden für Ingenieure ohne Grenzen übergeben

Das Spendengeld ist durch eine Versteigerung von Einrichtungsgegenständen an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg während des Studieninformationstages campusdate LIVE von Studierenden und Gästen zusammengekommen. 

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Olympische Begeisterung für Physik

Einmal auf dem Siegertreppchen stehen wie bei den Olympischen Spielen – seit 2005 ist das bei der Physikolympiade an der Universität Magdeburg möglich. Landesbeauftragter und Organisator hinter dem ehrenamtlichen Projekt der Nachwuchsförderung ist Diplom-Lehrer Andreas Knopf. Er ist Leiter der Vorlesungsvorbereitung an der Fakultät für Naturwissenschaften für die Experimentalphysik und Ansprechpartner der naturwissenschaftlichen Olympiade.

„Ziel ist es, viele junge Menschen für diese Naturwissenschaft zu begeistern und die Besten weiter zu fördern“, erklärt Andreas Knopf. Er arbeitet seit 1987 an der Universität Magdeburg und war bis 2011 für die Lehrerausbildung im Fach Physik zuständig. Durch diese Tätigkeit entstand neben der Aufgabe der Vorlesungsvorbereitung die Idee, sich ehrenamtlich für die Nachwuchsförderung im Rahmen der Physikolympiade zu engagieren. Der Wettbewerb erfordert logisches Denken beim Lösen physikalischer Aufgaben, das Auswerten physikalischer Experimente und die Anwendung physikalischer Kenntnisse auf neue Problemstellungen. Die Physikolympiade des Landes Sachsen-Anhalt richtet sich an Schülerinnen und Schüler der Klassenstufen 8 bis 10. Sie findet im kommenden Jahr bereits zum 14. Mal statt und wird immer gern von den Schulen in Sachsen-Anhalt an- und wahrgenommen.

Andreas Knopf (c) Harald Krieg-3899

Andreas Knopf, Leiter der Vorlesungsvorbereitung an der Fakultät für Naturwissenschaften für die Experimentalphysik und Ansprechpartner der Physikolympiade.

Organisiert und durchgeführt wird die Landesphysikolympiade durch den Verein eLeMeNTe, der das bereits eingespielte Team in verschiedene Gruppen gliedert. Der Verein fördert junge und talentierte Schüler und Schülerinnen sowie Studieninteressierte in mathematischen, naturwissenschaftlichen und technischen Bereichen. Die Universität Magdeburg unterstützt ihn dabei innerhalb der Olympiade auf dem Gebiet der Physik. Die Arbeits- und Helfergruppen, in diesem Jahr insgesamt über 50 Helferinnen und Helfer der Fakultät, die Schulen in Magdeburg und Umgebung sowie Mitglieder des eLeMeNTe-Vereins, engagieren sich allesamt freiwillig im Vorweg und am Tag der Olympiade, um dem jungen und wissbegierigen Nachwuchs das Fach Physik näherzubringen. Die Aufgaben für die Physikolympiade werden jedes Jahr von einer Arbeitsgruppe von Lehrern erstellt und kontrolliert. Damit die jeweiligen Anforderungsbereiche für die Klassenstufen mit anspruchsvollen Aufgaben festgelegt werden können, steckt das Lehrerteam drei Tage lang die Köpfe zusammen.

Auch viele ehemalige und aktuelle Studierende sind am Tag der Olympiade vor Ort und helfen bei der Organisation, der Aufsicht, Freizeitgestaltung und Kontrolle der Prüfungsbögen. Sogar vergangene Teilnehmende, die sich aktuell im Studium oder sogar bereits in der Arbeitswelt befinden, sind gern gesehene Gäste und Unterstützer.

Andreas Knopf beginnt die Olympiade jedes Mal mit einem Experiment, welches von den Prüflingen beschrieben und analysiert werden muss. „Nach der dreistündigen Prüfung werden die Bögen dann kontrolliert, die Jugendlichen haben etwas Verschnaufpause und im Anschluss werden die besten Teilnehmenden mit Sach- und Geldpreisen, die durch Spenden und Sponsoren sowie durch finanzielle Unterstützung des Bildungsministeriums zusammenkommen, prämiert“, so Andreas Knopf. „Es ist jedes Jahr wieder schön zu beobachten, dass junge Menschen sich von Physik gern begeistern lassen und wir als Verein die Möglichkeit haben, Interessen und Kompetenz zu fördern.“

Durch die finanzielle Unterstützung der Fakultät für Naturwissenschaften bei den Olympiaden und den flexiblen Weg, dass sich die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen während der Arbeitszeit freiwillig engagieren können, ist es machbar, dass die Universität Magdeburg und auch die Fakultät einen positiven Eindruck hinterlassen, wenn sie sich den besten naturwissenschaftlich interessierten Schülerinnen und Schülern des Landes Sachsen-Anhalt präsentieren.

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"Die Herstellung von Chancengleichheit wird zum Dreh- und Angelpunkt von Erfolg"

Noch keine 100 Tage ist Dr. Sandra Tiefel Gleichstellungsbeauftragte an der OVGU. Ihre Aufgabe ist alles andere als trivial: mit den Fakultäten, der Verwaltung und den zentralen Einrichtungen sowie dem Studierendenrat gemeinsam die Chancengleichheit und Geschlechtergerechtigkeit an der Universität fördern und umsetzen. Pressesprecherin Katharina Vorwerk sprach mit ihr über Vorhaben, Wünsche und Ziele.

Interview mit der Gleichstellungsbeauftragten der Universität Magdeburg

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Frau Dr. Tiefel, gleich zu Beginn eine Verständnisfrage: Was unterscheidet Gleichstellung von Gleichbehandlung und warum ist beides so wichtig für eine universitäre Gemeinschaft?

Ich würde Gleichstellung als Herstellung von Chancengerechtigkeit beschreiben und nicht die Gleichbehandlung in allen Dingen. Im Falle der Vergütung ist gleiches Gehalt für gleiche Arbeit unabhängig von Geschlecht, Ethnie, Religion etc. unabdingbar. Aber bei Stellenbesetzungen sollten Frauen bei gleicher Eignung bevorzugt eingestellt werden, solange sie auf der Beschäftigungsebene statistisch unterrepräsentiert sind. Eine Gleichbehandlung ist faktisch erst dann möglich, wenn von gleichen Grundvoraussetzungen und gleichen Zugangsmöglichkeiten zu Ressourcen, Technik, Internet, Bildung etc. ausgegangen werden kann. Für unsere Universität bedeutet das, Diskriminierungen, insbesondere bei Bildungs- und Erwerbschancen, in den Blick zu nehmen und aktiv gegenzusteuern.

Wo sehen Sie in diesem komplexen Handlungsfeld die OVGU, wo sind wir schon gut unterwegs, wo gibt es noch Handlungsbedarf?

Die Einbeziehung der Gleichstellungsbeauftragten in der Gremienarbeit und bei Stellenbesetzungen bzw. Berufungsverfahren läuft an der OVGU schon gut. Maßnahmen zur Unterstützung wissenschaftlicher Karrieren von Frauen, insbesondere im MINT-Bereich, sind angelaufen und werden gut nachgefragt. Auch haben wir inzwischen einen Leitfaden für gendersensible Sprache, der geschlechtersensible Berufungsleitfaden ist auf dem Weg. Verbesserungspotenziale gibt es indes bei der Erhebung genderbezogener Daten und deren Interpretation. Bei der Öffentlichkeitsarbeit muss über modernere Formate wie Social Media oder Apps nachgedacht werden. Sie sehen: Gleichstellung an der OVGU ist eine komplexe Querschnittsaufgabe, die der gesamten Universität dient und nicht nur dafür sorgt, ein paar wenige Frauen in Führungspositionen zu bringen.

Gleichstellung als Thema ist sicher noch nicht in allen Köpfen verankert. Vor welchen Herausforderungen steht die Gleichstellungsbeauftragte mit ihren Vorstellungen und Ideen?

Mein Anliegen ist es, dass Gleichstellungsbeauftragte als Partnerinnen und Partner bei der Verbesserung von Forschung, Lehre und Administration wahrgenommen werden. Allein der demografische Wandel und die Digitalisierung machen es sehr deutlich: Ohne die Integration von bisher exkludierten Gruppen wie Frauen, Immigranten, Menschen mit Beeinträchtigungen in allen Bereichen der Universität werden wir im nationalen und internationalen Wettbewerb um Studierende und erfolgreiche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nicht mithalten können. Der Fortbestand der OVGU hängt davon ab, wie attraktiv die Studien- und Arbeitsplätze hier sein werden. Mit dem Stichwort „Arbeiten 4.0“ ist die OVGU gefordert, unter einem Leitbild „Gute Arbeit“ vorausschauend die sozialen Bedingungen und Spielregeln der künftigen Arbeitsgesellschaft zu thematisieren und mitzugestalten. Kurz: Die Herstellung von Chancengerechtigkeit wird zum Dreh- und Angelpunkt von Erfolg.

Denken schlägt sich in der Sprache wieder. Wie wichtig ist aus Ihrer Sicht die sogenannte gendergerechte Kommunikation?

Ich weiß, dass es im Alltag oft merkwürdig klingt, immer beide Geschlechter sprachlich zu berücksichtigen und es auch die Schriftsprache öfter mal verkompliziert. Ich bin da nicht diktatorisch und kann mich auch gut ohne Binnen-I unterhalten. Aber bei öffentlichen Auftritten und Veröffentlichungen, insbesondere bei Stellenausschreibungen, bin ich ausnahmslos für die sprachliche Differenzierung, da ich der festen Überzeugung bin – um hier ein Pestalozzi-Zitat umzuwandeln –, dass nur in den Köpfen ist, was zuvor in der Sprache war. Mit unserem Flyer zur gendergerechten Sprache versuchen wir, die Hürden der Schriftsprache zu erleichtern.

Wird es so etwas wie einen Masterplan geben, ein Gleichstellungskonzept für die OVGU mit ihren spezifischen Bedürfnissen?

Ein zentrales Gleichstellungskonzept ist aufgrund der Zielvereinbarungen, der Positionierung im Hochschulentwicklungsplan und nicht zuletzt für die angestrebte Exzellenz-Bewerbung der OVGU unerlässlich. Da ist das Büro für Gleichstellung in Zusammenarbeit mit Unileitung und dezentralen Gleichstellungsbeauftragten gefordert, ein aktuelles zentrales Gleichstellungskonzept mit Indikatoren zur Bewertung durchgeführter und fehlender Gleichstellungsmaßnahmen zu entwickeln.

Gibt es aus Ihrer Sicht im Diskurs und der Durchsetzung von Gleichstellung auch Fehlentwicklungen, die nicht zielführend sind?

Tatsächlich gibt es etwas, was mir seit Beginn meiner Tätigkeit bereits häufiger begegnet ist, wofür ich aber noch keine Lösung gefunden habe: Die Umsetzung von Gleichstellungsstandards soll im universitären Kontext durch Präsenz von Frauen in Entscheidungsgremien realisiert bzw. legitimiert werden. Da wir aber (noch) nicht genug Frauen zum Beispiel auf der Ebene der Professuren haben, häuft sich deren Gremienteilnahme überproportional. Zitat einer Professorin: „Meine Kollegen forschen – ich sitze in Berufungsverhandlungen.“ Weibliche Professoren sind damit einerseits zeitlich mehr in Selbstverwaltung gebunden und werden andererseits prioritär nicht in ihrer Fachlichkeit, sondern als „Quotenfrau“ wahrgenommen. Hier schadet meines Erachtens die Vermutung, dass allein Frauen Benachteiligung erkennen und benennen können. Wir müssen auch Männern zukünftig stärker zutrauen, als Gleichstellungsbeauftragte Geschlechtergerechtigkeit zu vertreten und Gleichstellungsmaßnahmen umzusetzen.

Während die Gesellschaft versucht, Stereotype zu vermeiden, setzt die gesamte Industrie auf geschlechtertypische Produkte. Ein Umdenken ist, wenn es um Millionengewinne geht, nicht zu erwarten. Mit welchen Auswirkungen?

Ich denke, dass die Industrie da keinen Gegentrend zu gesellschaftlichen Entwicklungen setzt, sondern vorhandene Bedürfnisse potenziert. Wir merken in allen Bereichen der Gesellschaft einen „Backlash“ hin zu „Schwarz-Weiß“-Mustern und einfachen Erklärungen für komplexe Probleme. Die Diversität moderner Gesellschaften verunsichert und führt zu Orientierungsverlust. Die Betonung von Geschlechtsunterschieden erfüllt Orientierungswünsche und knüpft an Alltagserfahrungen an. Wir dürfen dieses Bedürfnis nach Klarheit nicht belächeln, sondern müssen die dahinterliegenden Ängste ernst nehmen. Die Unterschiedlichkeit zwischen Gruppen ist auch nicht das Problem – die Problematik liegt in der unterschiedlichen Bewertung der Differenz. Wenn rosa weniger einflussreich, weniger mächtig, weniger wohlhabend etc. ist als blau, dann ist das das Problem.

Wann ist der Tag erreicht, an dem die Gleichstellungsbeauftragte der Uni ihr Büro ruhigen Gewissens räumen kann?

Noch an dem Tag, an dem eine schwarze lesbische Rollstuhlfahrerin zur Rektorin gewählt wird, ohne dass dies eine besondere Meldung in der Presse Wert wäre.

 

Frau Dr. Tiefel, herzlichen Dank für das Gespräch!

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Zeit ist das größte Geschenk

Konzentriert hält Atena Azimi den Stift in ihrer Hand, während sie damit eine blaue Linie zeichnet. Durch ihre Bilder drückt sie sich aus, denn die deutsche Sprache versteht und spricht das kleine Mädchen noch nicht so gut. Sie musste aus ihrem Land fliehen. Jetzt ist sie in Deutschland zu Hause und auf Hilfe angewiesen. Diese Hilfe bekommt sie von Studentin Carolina Stein, die ihr nicht nur beim Malen, sondern auch beim Erlernen der neuen Sprache zur Seite steht.

 

Studierende engagieren sich ehrenamtlich für Geflüchtete

Carolina ist eine von 30 Studierenden, die sich ehrenamtlich im Rahmen eines Seminars für Geflüchtete engagiert. Das Seminar „Integrationsmanagement" ist dieses Wintersemester in Kooperation mit der Universität Magdeburg und dem Malteser-Hilfsdienst von dem Verein Synection ins Leben gerufen worden. Studierende erarbeiten innerhalb von vier Wochen ein Projekt und setzen es dann sechs Wochen lang in der Praxis um.

Studierende der Universität Magdeburg engagieren sich ehrenamtlich für Geflüchtete 1
OVGU-Studentin Carolina Stein hilft dem geflüchteten Mädchen Atena Azimi nicht nur beim Malen.
(Foto: Malteser Magdeburg)

Zum Beispiel engagieren sich 18 der Studierenden in der Gemeinschaftsunterkunft der Malteser in Oschersleben. Ein wichtiges Projekt in der Flüchtlingshilfe sind unter anderem Integrationslotsen. Einheimische Ehrenamtliche sollen die Geflüchteten während ihrer Integration unterstützen. Dies kann sowohl durch Deutschunterricht als auch durch das Besuchen von gemeinsamen Veranstaltungen, wie Konzerten, geschehen. Der Kreativität sind dabei keine Grenzen gesetzt und der Spaß soll bei den Unternehmungen im Vordergrund stehen. Beim Modellprojekt zur Wertevermittlung und Erstorientierung wird Wissen aus allen Bereichen des Lebens an die Geflüchteten weitegegeben, die für eine Integration nötig sind. Unterstützt und begleitet werden die ehrenamtlichen Studierenden von erfahrenen und ausgebildeten sozialen Arbeitern. So kann eine Betreuung von knapp 400 Flüchtlingen stattfinden.

 

Ehrenamt wird mit Credits belohnt

Das Zusammenspiel aus wichtiger ehrenamtlicher Hilfe und der Möglichkeit praktische Erfahrungen in der Projektdurchführung zu sammeln, hat nicht nur den Erwerb von sozialen Kompetenzen und Anerkennung zum Vorteil. Bachelorstudierende der Bildungs- und Sozialwissenschaften bekommen für Ihren Einsatz Credit Points von der Universität für ihr Studium angerechnet.

Bei wem es dieses Semester nicht mit dem Seminar geklappt hat, kann das natürlich im nächsten Semester belegen oder aber sich auch schon vorher engagieren und eigene Projekte verwirklichen. Wir haben genug Potenzial für vielfältige Projekte. In einer Schulung lernen die Interessenten den Umgang mit Flucht und Asyl und Grundkenntnisse in der interkulturellen Kommunikation. So ist jeder, der sich engagieren will, auch gut auf die einzelnen Einsatzbereiche vorbereitet“, erzählt Stefan Hofmeister, Verantwortlicher für Presse-und Öffentlichkeitsarbeit der Malteser in Magdeburg.

Interessierte können sich via Mail an Stefan Hofmeister vom Malteser-Hilfsdienst für weitere Informationen richten und sich selbst aktiv in der Hilfe für Geflüchtete einbringen.

 

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Mit nichts als einem Ziel im Gepäck

In Homs, der drittgrößten Stadt Syriens, hat Zain Edeen Akash Geologie studiert. Seine Leistungen waren exzellent, bis der Krieg anfing und seine Heimatstadt bombardiert wurde. Lautes Knallen, zerstörte Häuser und Stromausfälle haben ihm zwei Semester vor seinem Abschluss das Lernen erschwert und den Besuch der Universität unmöglich gemacht. Als sein Bruder dann 2015 verhaftet wurde und Zain das Gleiche drohte, entschied sich der 23-Jährige, aus Syrien zu fliehen. Sein Studium in Syrien konnte er nicht mehr abschließen und verfolgt jetzt seinen Traum, in Deutschland zu studieren.

Auf seinem Weg nach Deutschland hat Zain den Libanon, die Türkei, Griechenland sowie den Balkan durchquert. Manchmal nur mit einem Schlauchboot zwischen ihm und dem Meer. Im Oktober 2015 kam er nach seiner beschwerlichen und langen Reise in Biederitz an. Dort hat er seinen ersten Deutschkurs mit Erfolg absolviert und sich bereits über seine Studienmöglichkeiten in Deutschland informiert. Der Flüchtlingskoordinator der Universität, Hanna Astafan, war dem zielstrebigen jungen Mann dabei behilflich. Für den studienvorbereitenden Kurs im Mai 2016 ist Zain extra nach Magdeburg gezogen. Mit dem Ziel, die Deutschsprachprüfung für den Hochschulzugang (DSH) zu bestehen, um in Deutschland studieren zu können, hat sich der Bruder von vier Geschwistern im Unterricht immer konzentriert. „Da alle in meiner Gruppe aus Syrien kamen, war es manchmal schwer, deutsch zu sprechen. Aber die Stimmung in dem Kurs war gut, sodass sich alle gegenseitig geholfen und zum Deutschsprechen aufgefordert haben. Durch den Kurs haben sich viele Freundschaften entwickelt“, schwärmt Zain.

Zain Akash (c) privat

15 weitere Flüchtlinge aus seiner Gruppe haben die DSH-Prüfung bestanden. Trotz der knappen Vorbereitungszeit von nur zehn Monaten, um die Sprache zu erlernen, hat der Sohn aus einer Akademikerfamilie als einer der vier Besten im März 2017 die Prüfung absolviert und sich somit einen Schritt auf sein Ziel zubewegt. „In baldigen Gesprächen werden wir mit den anderen Kursteilnehmerinnen und -teilnehmern, die erfolgreich ihre Prüfung abgelegt haben, über ihre Wünsche und Pläne sprechen, um Möglichkeiten eines Studiums oder überbrückender Bildungsmaßnahmen oder Praktika zu prüfen“, ergänzt Flüchtlingskoordinator Astafan.

Da aber nicht nur die Sprache, sondern auch die Kultur wichtig ist, um ein Land kennenzulernen, hat Zain an Workshops an der Universität teilgenommen. Von IKUS und dem Uni-Projekt MitSpracheRecht hat der Syrer viel Unterstützung bekommen und mit den Organisatoren und Organisatorinnen Freundschaften geschlossen. So blieb es nicht nur beim Unterricht. Gemeinsam mit den Teilnehmenden und Organisatoren wurden viele Ausflüge unternommen, gegrillt oder gefeiert.

Um ständig dazuzulernen und sich in die Gesellschaft zu integrieren, hat der angehende Student einen Nebenjob im Roncalli-Haus, wo er auch Vorträge hält. Auch seine Wohnung möchte der 23-Jährige gegen eine Wohngemeinschaft tauschen. „Es ist einfach schöner, wenn man nicht alleine wohnt und noch jemand da ist. Dann kann man zum Beispiel auch gemeinsam kochen und voneinander lernen“, erzählt Zain.

Weil er Magdeburg schön findet und sich hier wohlfühlt, möchte er bleiben. Im Mai hat sich der gut organisierte Syrer für den Studiengang Wasserwirtschaft an der Fachhochschule beworben. „Es ist das, was ich machen möchte. Ich interessiere mich für alles, was mit der Natur zusammenhängt und kann somit an mein früheres Geologiestudium in Syrien anknüpfen“, betont er. Nach seiner bestandenen DSH-Prüfung hat Zain alle nötigen Unterlagen, um ein Studium in Deutschland aufzunehmen und seinen Abschluss zu machen.

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Letzte Änderung: 26.10.2017 - Ansprechpartner:

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