Spagat zwischen Ausbildung und Familie

19.11.2020 -  

Fadwa Ahmar ist 28 Jahre alt und hat im Juli ihre Ausbildung zur Kauffrau für Büromanagement an der Uni Magdeburg beendet. Seit fünf Jahren wohnt sie zusammen mit ihrem Mann, einem Informatiker, und ihrem vier Jahre alten Sohn in Magdeburg. Sie erzählt von ihrer Ausbildung und den Herausforderungen während der Corona-Krise.

„2015 entschied ich mich, nach Deutschland auszuwandern. Ich kam im August über die sogenannte östliche Mittelmeer-Route, die über die Türkei nach Griechenland führt, nach Deutschland“, erzählt sie. In Syrien hat die junge Frau Literatur mit dem Fachgebiet Arabische Sprache studiert, konnte dieses jedoch aufgrund der Umstände nicht beenden. „Frisch in Magdeburg angekommen, war es wichtig für mich, schnell Geld zu verdienen, um meinen Mann finanziell zu unterstützen“, meint die Auszubildende. „Ich war also auf der Suche nach einer passenden Ausbildung. Das Konzept der Ausbildung in Deutschland, gleichzeitig zu lernen und zu arbeiten, war mir völlig neu. Schon im Vorstellungsgespräch habe ich mich an der Uni wohl gefühlt. Ich wusste sofort, dass die Ausbildung und der Ort das Richtige für mich sind.“ Ihre Ausbildung umfasst Qualifikationen zur Bearbeitung von komplexen Büro- und Geschäftsprozessen. „Zusammenfassend: Man organisiert, koordiniert und führt bürowirtschaftliche Abläufe durch.“ Und auch, wenn ihr die Ausbildung großen Spaß macht, stand sie doch auch vor Herausforderungen: Ausbildung und Mutterschaft unter einen Hut zu bringen und außerdem eine neue Sprache zu lernen, das sei nicht immer leicht gewesen. In der Berufsschule war es wichtig, gut Deutsch zu verstehen und zu sprechen, viel mehr, als wenn ich nur im Alltag Deutsch gelernt hätte“, so Fadwa Ahmar. Außerdem habe sie wesentlich mehr Disziplin und Ausdauer gelernt, obwohl sie von ihrem Studium schon an Prüfungen und Hausaufgaben gewöhnt war. Dankbar ist sie vor allem ihren Kolleginnen und Kollegen, die ihr immer bei der Arbeit helfen, aber auch persönlich für sie da sind, wenn sie Hilfe braucht.

Azubine Fadwa Ahmar (c) Jana DünnhauptAzubine Fadwa Ahmar an ihrem Arbeitsplatz (Foto: Jana Dünnhaupt / Uni Magdeburg)

Die Corona-Krise hat natürlich auch ihr Leben durcheinandergewirbelt: Die Abschlussprüfungen wurden verschoben, außerdem war da ja noch ihr Sohn, der betreut werden musste. „In den ersten zwei Wochen war ich mit meinem Kind zu Hause und habe gelernt, weil ich noch davon ausgegangen bin, dass die Prüfungen am 28. April stattfinden. Dann war ich meistens zwei bis drei Tage in der Uni, da Homeoffice nicht möglich war. Es war oft anstrengend, da mein Mann vollbeschäftigt im Homeoffice ist und ich arbeiten musste; mit einem Kind ist das wirklich nicht einfach“, erzählt sie von ihren Erfahrungen. Trotz der Widrigkeiten wird sie im Juli 2020 ihre Ausbildung beenden. „Danach bleibe ich im Dezernat Personalwesen für ein Jahr mit einem befristeten Arbeitsvertrag. Ich habe für die Zukunft viele Ziele, die ich noch verwirklichen möchte. Die verrate ich aber nicht, denn sonst werde ich sie nicht erreichen – das sagt meine Kultur.“ Auf die Frage, was sie an Deutschland besonders mag, hat sie eine klare Antwort: die Freiheit. „Insbesondere auf der Geschlechterebene. Hier darf sich die Frau entwickeln und kann ohne vorherige Beurteilungen selbstständig sein. Das liegt mir am Herzen und das weiß ich zu schätzen.“

 

von Lisa Baaske