Ein Ingenieur wird Ökonom

Ihr zehnjähriges Gründungsjubiläum nahm die Fakultät für Wirtschaftswissenschaft 2003 zum Anlass, ihr Gebäude auf den Namen Vilfredo Pareto zu taufen. Vilfredo Pareto (1848 bis 1923) war entscheidender Weichensteller der modernen Mikro- und Wohlfahrtsökonomik. Seinem Wirken ist es zu verdanken, dass sich die Ökonomik zu einer eigenständigen Wissenschaft entwickeln konnte, die sich methodisch an den Naturwissenschaften orientierte. Möglich wurde dies durch die konsequente Anwendung des Rationalmodells, das menschliche Entscheidungen als das Resultat von Optimierungsprozessen beschreibt, und durch das Pareto-Kriterium. Dieses diente ursprünglich dazu, Konstruktionsleistungen von Ingenieuren zu beurteilen. Eine Maschine ist dann noch nicht effizient konstruiert, wenn es noch möglich ist, einen Leistungsparameter zu verbessern, ohne dass dadurch ein anderer verschlechtert wird. Pareto übertrug dieses Prinzip auf Ökonomien: Ressourcen sind dann noch nicht effizient eingesetzt, wenn man noch ein Individuum besserstellen kann, ohne dass dafür ein anderes schlechter gestellt werden muss.

Vilfredo Paroto Gebäude (c) Stefan Berger

Vilfredo Pareto absolvierte ein Ingenieurstudium in Genua, promovierte in Turin und wandte sich später der Nationalökonomie und Soziologie zu. 1893 folgte er dem Ruf auf den Lehrstuhl für Wirtschaftswissenschaften in Lausanne, Schweiz, und war einer der führenden Vertreter der Lausanner Schule. Vilfredo Pareto, der Ökonom, Ingenieur, Soziologe, Unternehmer, Analytiker, Mathematiker verkörpert den Spannungsbogen, der sich auch in der Magdeburger Fakultät für Wirtschaftswissenschaft findet.

Zu ihrer Gründung vor 25 Jahren hat die Fakultät für sich ein Leitbild festgelegt, dem sie sich noch heute verpflichtet fühlt. Alle wirtschaftswissenschaft­lichen Teilgebiete sind methodisch einheitlich ausgerichtet. Jedes Teilgebiet ist getragen durch eine starke theoretische Fundierung, es werden mathematische Methoden verwendet und der traditionelle Gegensatz zwischen Betriebs- und Volkswirtschaftslehre ist weitestgehend aufgelöst.

Zum Sommersemester 1998 hatte die Fakultät für Wirtschaftswissenschaft das neuentstandene Gebäude 22 bezogen. Seine roten, gelben und blauen Giebelwände als Hommage an die Bauhausarchitektur heben sich leuchtend vom Glas und von den dunklen Ziegeln der Fassade ab. Die Glasfassade entlang der Pfälzer Straße gewährt Ein- und Ausblicke. Der Haupteingang führt in eine viergeschossige, lichte Halle, die den Blick über den Innenhof bis zum Nordpark freigibt. Sie ist die Verbindung zu allen Gebäudeteilen des Komplexes, in den zwei Jugendstilhäuser integriert wurden. Miteinander verbunden sind die Altbauten und die neuen Gebäude durch gläserne Fugen; etwas zurückgesetzt, um den Charakter des Ensembles von Einzelgebäuden zu erhalten. Im Erdgeschoss ist der große Hörsaal mit 150 Plätzen, im ersten und zweiten Obergeschoss sind Seminarräume sowie Labore u.a. zur experimentellen Verhaltensökonomik (MaXLab) sowie zu Konsumentenverhalten und ­Financial Engineering (FINTECHLAB) und das Fakultätszentrum. Verbindungstüren führen im Erdgeschoss in den Innenhof, der zum Nordpark hin offen und mit Grünflächen gestaltet ist.

 

Ines Perl

Letzte Änderung: 17.04.2019 - Ansprechpartner: Webmaster