Ausgebildet und dann weg?

28.04.2026 -

Die Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg will mehr internationale Absolventinnen und Absolventen für Sachsen-Anhalt gewinnen und unterstützt mit neuen Förderangeboten gezielt ihren Übergang in den regionalen Arbeitsmarkt. Anlass dafür ist auch die wachsende Bedeutung internationaler Studierender für den Studienerfolg an der Universität: Im Studienjahr 2024/25 entfielen 561 von insgesamt 1880 Studienabschlüssen auf internationale Studierende. Besonders hoch ist ihr Anteil in den Ingenieurstudiengängen, der Informatik und der Wirtschaftswissenschaft.

Mit dem Karrierezertifikat begleitet die Universität internationale Studierende bereits während des Studiums auf dem Weg in den regionalen Arbeitsmarkt. Das Programm wurde 2025 im Rahmen des DAAD-Programms „FIT – Förderung internationaler Talente zur Integration in Studium und Arbeitsmarkt“ eingeführt. In Kooperation mit Unternehmen aus der Region werden innerhalb von zwei Semestern sprachliche, interkulturelle und berufsbezogene Kompetenzen gezielt ausgebaut. Der DAAD fördert das Programm mit 1,19 Millionen Euro.

Teilnehmen können internationale Bachelor- und Masterstudierende, die sich eine berufliche Zukunft in Sachsen-Anhalt vorstellen können. Voraussetzung sind Deutschkenntnisse auf mindestens Niveau A2. Sprache ist ein Schlüssel für Integration und für den erfolgreichen Einstieg in Studium und Beruf. Damit mehr Studierende diese Voraussetzung erfüllen, baut die Universität ihre studienbegleitenden Deutschkurse deutlich aus, auch über die DAAD-Förderung hinaus. Seit 2024 nutzen pro Semester rund 450 bis 500 Studierende zusätzliche Kurse in Deutsch als Fremdsprache auf den Niveaustufen A1 bis B2.

Zum Karrierezertifikat gehören außerdem Workshops zu Soft Skills, Bewerbungsstrategien und Vorstellungsgesprächen, Besuche in Unternehmen sowie ein Alumni-Botschafterprogramm mit der Investitions- und Marketinggesellschaft Sachsen-Anhalt. Ergänzt wird das Angebot durch eine Summer School mit Unternehmen und praxisnahen Formaten. Das Karrierezertifikat ist kein akademischer Abschluss. Es bescheinigt zusätzliche Kompetenzen neben dem Fachstudium. Pro Durchgang werden 25 bis 40 Studierende ausgewählt, nach Motivationsschreiben, Fragebogen und persönlichem Gespräch. 

In der ersten Kohorte haben 24 Teilnehmende das Karrierezertifikat bereits erworben. Die zweite Gruppe mit ebenfalls 24 Teilnehmenden wird das Programm planmäßig im September abschließen. Die dritte Kohorte ist im April mit 39 Studierenden gestartet. So kann das Programm mehr internationale Studierende erreichen, ohne die intensive Betreuung in den einzelnen Workshops aufzugeben: Die Formate sind weiterhin auf jeweils 25 Plätze ausgelegt und bleiben dadurch auch bei einzelnen Ausfällen gut ausgelastet.

Auch in der Lehre schafft die Universität bessere Voraussetzungen für den Berufseinstieg. Seit 2024 gibt es einen bilingualen Informatikstudiengang. Studierende können auf Deutsch oder Englisch starten und erwerben im Verlauf des Studiums systematisch Kompetenzen in der jeweils anderen Sprache. So bereitet die Universität gezielt auf die Arbeit in multinationalen Teams vor.

Die Universität verstehe sich nicht nur als Ausbildungsort, sondern auch als Partner der regionalen Wirtschaft, so Universitätsrektor Prof. Dr.-Ing. Jens Strackeljan. „Ein gutes Abschlusszeugnis allein reicht nicht mehr“, so der Ingenieur. „Wir müssen die Anschlussfähigkeit der Studierenden an den regionalen Arbeitsmarkt sicherstellen, um sie nach dem Studium in der Region zu halten. Dieses Vorhaben ist eine Gemeinschaftsaufgabe. Damit es gelingt, haben wir unseren Austausch mit der regionalen Wirtschaft im Rahmen von Förderprogrammen wie dem Karrierezertifikat intensiviert.“

Auch in anderen Bereichen trägt die Universität zur Fachkräftesicherung im Land Sachsen-Anhalt bei. So verzeichnete die Uni im Studienjahr 2024/25 insgesamt 148 Absolventinnen und Absolventen der berufsbildenden und allgemeinbildenden Lehramtsstudiengänge. Im laufenden Wintersemester 2025/26 haben weitere 150 Lehramtsstudierende ihr Bachelorstudium aufgenommen, darunter auch Teilnehmende des praxisintegrierenden Lehramtsstudiums für Sekundarschulen. Mit der entstehenden Kooperation mit der IGS Willy Brandt als Universitätsschule soll die Lehrkräftebildung in Magdeburg insgesamt praxisnäher werden.

Darüber hinaus schließen jährlich fast 200 Studierende der Humanmedizin ihr Studium mit Approbation ab. 2025 beendeten zudem erstmals drei Studierende aus dem Programm „Klasse Hausärzte“ ihr Studium. Rund 40 Prozent der 2025 befragten Medizinstudierenden gaben an, ihre berufliche Laufbahn in Sachsen-Anhalt beginnen zu wollen.


Autor:in Katharina Vorwerk

Letzte Änderung: 28.04.2026 -
Ansprechpartner: Katharina Vorwerk