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Homo Oeconomicus: akademischer Verwalter oder Lösungsfinder 4.0?

14.05.2018 -  

Digitalisierungsprozesse werden bisher gültige Konzepte unternehmerischer Führung massiv beeinflussen und sowohl das Berufsbild als auch die akademische Ausbildung von Betriebswirtschaftlern maßgeblich verändern. Diese Herausforderungen an die akademische Lehre und Forschung bzw. deren Management stehen im Mittelpunkt einer großen wirtschaftswissenschaftlichen Konferenz an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg: der 80. Jahrestagung des Verbandes der Hochschullehrer für Betriebswirtschaft (VHB).

Über 400 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler betriebswirtschaftlicher Lehrstühle sowie Betriebswirte aus dem gesamten deutschsprachigen Raum werden vom 23. bis 25. Mai 2018 zu diesem Treffen an der Fakultät für Wirtschaftswissenschaft erwartet.

Die Digitalisierung verändere massiv unsere Arbeitswelt und damit auch die unternehmerischen Wertschöpfungsprozesse, so der Tagungsleiter und Wirtschaftswissenschaftler der Universität Magdeburg, Prof. Dr. Marko Sarstedt. Vor dem Hintergrund der Automatisierungstendenzen sei es berechtigt zu fragen, ob und in wie weit betriebswirtschaftliche Modelle, die einen rationalen Entscheider voraussetzten, veraltet sind. „Wir können nicht ausschließen, dass zukünftig kaufmännisches Arbeiten durch Algorithmen ersetzt wird“, so der Marketingexperte. „Das menschliche Entscheiden könnte sich dann nur auf das strategische Entscheiden reduzieren; kurzfristige bzw. operative Entscheidungen werden automatisiert.“ Darauf müssten Universitätsabsolventen zeitnah vorbereitet werden. „Neben Fachwissen in Marketing, Investition und Finanzierung oder Personalmanagement muss künftig die Fähigkeit vermittelt werden, algorithmische Verfahren zu entwickeln, um Entscheidungssequenzen abbilden und steuern sowie große Datenmengen aufbereiten und analysieren zu können.“ Auch seien vermehrt verhaltenspsychologische Ansätze und Methoden in die Lehre einzubeziehen.

Zur Konferenz werden auf dem Campus der Universität Magdeburg international renommierte Wirtschaftswissenschaftler erwartet. Darunter Prof. Michael Norton (Harvard Business School), Prof. Elena Katok (University of Texas at Dallas), Prof. John Christensen (Syddansk Universitet, Dänemark), Prof. Erich Kirchler (Universität Wien) und Prof. Martin Weber (Universität Mannheim). Auch der ehemalige hessische Ministerpräsident Prof. Roland Koch (Frankfurt School of Finance & Management) hat sein Erscheinen zugesagt.

Ein besonderes Highlight ist der Fachvortrag des IT-Sicherheitsexperten Leon Klein über die Trends und Folgen wachsender Cyberkriminalität für Unternehmen.

 

WAS: 80. Jahrestagung des Verbandes der Hochschullehrer für Betriebswirtschaft an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg
WANN: 23. bis 25. Mai 2018, Eröffnung 16:15 Uhr
WO: Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, 39106 Magdeburg, Universitätsplatz 2, Fakultät für Wirtschaftswissenschaft, Gebäude 26, Hörsaal 1 (Eröffnungsveranstaltung), sowie Gebäude 22

 

Nach der Eröffnung durch die Vorsitzende des VHB und ehemalige Professorin an der Magdeburger Fakultät für Wirtschaftswissenschaft, Prof. Dr. Birgitta Wolff, sowie Vertreter der Fakultät wird der renommierte Wirtschaftswissenschaftler Prof. Dr. Michael Norton von der Harvard Business School den Eröffnungsvortrag mit dem Titel „Happy Money: The Science of Happier Spending“ halten.

Geschichte der Betriebswirtschaftslehre

Die Betriebswirtschaftslehre beschäftigt sich mit der effizienten Verteilung knapper Güter und Ressourcen. Der Begriff entstand mit der Gründung der Handelshochschulen zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Die ersten Schriften zur Betriebsführung stammen bereits aus der Antike, aber erst in der Renaissance wurden in Büchern Handelsrouten, Handelsplätze und lokale Handelsbräuche sowie Methoden der Marktbeobachtung beschrieben. Als Begründer der Handlungswissenschaft gilt der Franzose Jacques Savary, der im Jahre 1675 das erste systematisch gegliederte Lehrbuch zur Betriebswirtschaft veröffentlichte. Ihren Höhepunkt erreichte die Handlungswissenschaft als Johann Michael Leuchs im Jahre 1804 begann, durch Anwendung der Wahrscheinlichkeitsrechnung das Fach zu mathematisieren. Erst an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert kam es zu einer wissenschaftlichen Neubelebung der Disziplin. Das Fach wurde als kaufmännische Betriebslehre, Handelswissenschaft, Privatwirtschaftslehre, Einzelwirtschaftslehre und Handelsbetriebslehre geführt, bevor sich die Bezeichnung Betriebswirtschaftslehre seit den 1920er Jahren durchsetzte.

Heute gehört der Studiengang Betriebswirtschaftslehre zu den beliebtesten in Deutschland. Im Wintersemester 2016/2017 waren laut Statistischem Bundesamt in Deutschland insgesamt 238.105 Studierende im Fach BWL eingeschrieben, davon waren 115.019 Frauen.

Letzte Änderung: 14.05.2018 - Ansprechpartner:

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