Universität Magdeburg stellt Weichen bis 2030

29.07.2026 -

Die Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg reagiert auf künftige Herausforderungen durch einen verschärften Wettbewerb um Studierende, Talente und Forschungsmittel: Mit ihrem Hochschulentwicklungsplan (HEP) legt die zweitgrößte Hochschule des Landes Sachsen-Anhalt jetzt einen umfassenden strategischen Kurs für die Jahre 2026–2030 vor. Damit sucht sie belastbare Antworten auf die Frage, wie eine Universität in einem strukturschwächeren und demografisch herausgeforderten Bundesland zugleich international konkurrenzfähig, regional wirksam und finanziell handlungsfähig bleiben kann und sie setzt auf Konzentration, Vernetzung und verbindliche Prioritäten.

Bis 2030 will sich die Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg als regional verankerte, europäisch verbundene und international sichtbare Netzwerkuniversität weiterentwickeln und ihre Rolle als Innovations- und Fachkräftemotor für Sachsen-Anhalt ausbauen. Unter dem Leitmotiv „Im Sinne Guerickes verbinden, was wirkt“ sollen Forschung, Studium und Lehre, Transfer und Organisation konsequenter an gemeinsamen strategischen Zielen ausgerichtet werden.

„Ein Weiter so reicht nicht“, sagt der Rektor der Universität Magdeburg, Prof. Dr.-Ing. Jens Strackeljan. „Der Wettbewerb um kluge Köpfe, Ideen und finanzielle Mittel wird härter. Deshalb müssen wir unsere Kräfte bündeln, klare Prioritäten setzen und gezielt dort investieren, wo wir wissenschaftlich stark und für die Region besonders wirksam sind.“ Priorisierung und Bündelung dienten dabei nicht allein der Konsolidierung, so Prof. Strackeljan weiter. „Sie sollen gezielt Freiräume schaffen, um neue Ideen, Forschungsfelder und Studienangebote entwickeln zu können.“

Das begrüßt auch Wissenschaftsminister Prof. Dr. Armin Willingmann: „Unsere Hochschullandschaft ist attraktiv und leistungsstark. Um deutschlandweit und auch international zukunftsfähig zu bleiben, ist es wichtig, Angebote stetig zu hinterfragen und Profile zu schärfen. Denn auch in der Wissenschaft gilt: Stillstand bedeutet Rückschritt. Deshalb freue ich mich, dass die Universität Magdeburg eine umfassende Strategie für die kommenden Jahre erarbeitet hat, um auch durch eine stärkere Vernetzung mit der Wirtschaft und weiteren Partnern für Studierende und Forschende möglichst attraktiv zu bleiben.“

Schwerpunkte des HEP

Im Zentrum des neuen Hochschulentwicklungsplans steht die stärkere Verbindung der Ingenieur-, Natur-, Medizin-, Wirtschafts- und Humanwissenschaften über Fächer- und Fakultätsgrenzen hinweg. Zugleich will die Universität ihre Zusammenarbeit mit außeruniversitären Forschungseinrichtungen, Unternehmen, Kommunen und internationalen Partnern ausbauen. Eine zentrale europäische Plattform ist die Hochschulallianz EU GREEN.

In der Forschung setzt die Universität Magdeburg auf profilbildende, international wettbewerbsfähige Verbünde. Zu den Schwerpunkten gehören Neurowissenschaften, Dynamische Systeme, Immunologie und Entzündungsforschung, Medizintechnik, Mobilitäts- und Energieforschung sowie daten-, simulations- und KI-gestützte Methoden

Bis Ende 2027 sollen aussichtsreiche Entwicklungslinien für die nächste Runde der Exzellenzstrategie feststehen. Ein fakultätsübergreifendes KI-Zentrum soll vorhandene Kompetenzen bündeln und eine gemeinsame methodische und technische Infrastruktur schaffen. Zudem ist ein Pool von Strukturstellen vorgesehen, um herausragende Nachwuchswissenschaftler frühzeitig zu gewinnen und neue Forschungsfelder schneller entwickeln zu können. Auch das Studienangebot soll stärker profiliert und regelmäßig überprüft werden. Neue Angebote sollen dort entstehen, wo sie an wissenschaftliche Stärken anknüpfen oder auf künftige Qualifikations- und Fachkräftebedarfe reagieren. 

„Wir wollen kein beliebig breites, sondern ein überzeugendes und zukunftsfähiges Studienangebot“, sagt Prof. Strackeljan. Fachliche Qualität solle mit Forschungsnähe, Praxisbezug, digitalen Kompetenzen, kritischem Denken und gesellschaftlicher Verantwortung verbunden werden. Ein Zentrum für Lehren und Lernen soll künftig Qualitätsentwicklung, Hochschuldidaktik und Unterstützungsangebote bündeln.

Auch die Lehrkräftebildung wird fortgeführt. Innovative Formate wie das duale Lehramtsstudium sollen Theorie und Schulpraxis enger verbinden und dazu beitragen, angehende Lehrkräfte frühzeitig für Sachsen-Anhalt zu gewinnen. Zugleich werden digitale Kompetenzen, der Umgang mit Künstlicher Intelligenz und die Zusammenarbeit mit Schulen und dem Land ausgebaut.

Mit mehr als 13.000 Studierenden, davon über 5.300 aus dem Ausland, ist die Universität ein wichtiger Faktor für Zuwanderung und Fachkräftesicherung. Internationalisierung soll deshalb stärker mit Studienerfolg, Integration und dem Übergang internationaler Absolventinnen und Absolventen in Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft verbunden werden.

Transfer wird im Hochschulentwicklungsplan als gleichrangige Kernaufgabe neben Forschung und Lehre gestärkt. Wissenschaftliche Erkenntnisse sollen schneller in wirtschaftliche Innovationen, medizinische Anwendungen und gesellschaftliche Entwicklungen einfließen. Der Wissenschaftshafen, der Medizintechnik-Forschungscampus STIMULATE, regionale Reallabore sowie Kooperationen mit Stadt, Land und Wirtschaft bilden dafür zentrale Entwicklungsräume.

Auch intern will die Universität ihre Handlungsfähigkeit erhöhen. Budgetentscheidungen, Berufungen, Investitionen und Fakultätsentwicklungspläne sollen enger mit den strategischen Zielen verknüpft werden. Digitalisierung, Datenmanagement, Informationssicherheit und Künstliche Intelligenz werden hochschulweit koordiniert. Dafür ist unter anderem eine zentrale CIO-Funktion vorgesehen. 

Grundlage aller Entscheidungen bleiben die Freiheit von Wissenschaft, Forschung und Lehre, wissenschaftliche Integrität, universitäre Autonomie sowie demokratische und rechtsstaatliche Prinzipien“, so Prof. Jens Strackeljan.

Der Hochschulentwicklungsplan 2026 bis 2030 wurde in einem breit angelegten Beteiligungsprozess erarbeitet und vom Senat im Juli 2026 einstimmig verabschiedet. Er löst den Plan für die Jahre 2015 bis 2025 ab. Seine Umsetzung erfolgt über Maßnahmenpläne, Zielvereinbarungen und ein datenbasiertes Monitoring.

Hintergrund

Die Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg ist mit mehr als 13.000 Studierenden die zweitgrößte Hochschule Sachsen-Anhalts. Sie beschäftigt mehr als 2.100 haushaltsfinanzierte sowie rund 920 drittmittelfinanzierte Vollzeitäquivalente. Universität und Universitätsmedizin verausgabten 2024 Drittmittel in Höhe von zusammen rund 74 Millionen Euro, zuzüglich europäischer Fördermittel.


Autor:in Katharina Vorwerk

Letzte Änderung: 29.07.2026 -
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