Millionenförderung für globale Krisenforschung an der Uni Magdeburg

17.06.2026 -

Die Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg übernimmt eine zentrale Rolle beim Aufbau eines neuen bundesweiten Wissenschaftsnetzwerks zu humanitären Krisen. Mit einer Förderung von einer Million Euro durch die Gerda Henkel Stiftung entsteht ein Forschungsverbund für Humanitarian Studies, der Wissen über Kriege, Katastrophen, Flucht, Hunger und globale Hilfe bündeln soll

Getragen wird das Netzwerk von Forscherinnen und Forschern der Universitäten Magdeburg, Bayreuth und Bochum. Weitere Partner sind das Centre for Humanitarian Action in Berlin und das Humanitarian and Conflict Response Institute (HCRI) der Universität Manchester. Die Koordination ist am Lehrstuhl für Internationale Beziehungen der Universität Magdeburg angesiedelt.

Damit werde die Universität Magdeburg zu einem wichtigen Standort für ein Forschungsfeld, das weltweit an Bedeutung gewinne, so PD Dr. Kristina Roepstorff, Friedens- und Konfliktforscherin der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg und eine der drei federführendenWissenschaftlerinnen. Dabei gehe es um bewaffnete Konflikte, Naturkatastrophen, Flucht, Hunger, Folgen der Klimakrise, aber auch um die Frage, warum manche Krisen Schlagzeilen machen und andere kaum wahrgenommen werden. „Wir erleben eine Zeit, in der Krisen zunehmen und Hilfe politischer wird“, so Roepstorff. „Gerade deshalb braucht es unabhängige Forschung. Sie zeigt blinde Flecken, ordnet Zusammenhänge ein und schafft Wissen, das Politik und Gesellschaft dringend brauchen.“

Nach Angaben des UN-Nothilfebüros OCHA werden 2026 weltweit 239 Millionen Menschen humanitäre Hilfe und Schutz benötigen, für 87 Millionen Menschen gilt die Hilfe als besonders dringend. Zugleich stehe das internationale Hilfssystem unter Druck, weil Mittel knapper werden und Krisen länger dauern, erklärt Kristina Roepstorff. „Aktuelle Krisen in Sudan, Gaza, der Ukraine, Syrien, Afghanistan, Myanmar, Haiti oder der Demokratischen Republik Kongo zeigen, wie unterschiedlich humanitäre Notlagen entstehen und wahrgenommen werden. Sie reichen von Krieg und Vertreibung über Hunger und zerstörte Infrastruktur bis zu Auswirkungen des Klimawandels und blockiertem humanitären Zugang.“

Deutschland zähle nach Daten des OCHA Financial Tracking Service zu den wichtigen Geldgebern humanitärer Hilfe, so Roepstorff. Gleichzeitig sei die Forschung zu humanitären Krisen hierzulande weniger fest verankert als in Ländern wie Großbritannien, den USA oder der Schweiz. „Das neue Netzwerk soll diese Lücke schließen. Es will Fachleute zusammenbringen, Nachwuchs ausbilden, internationale Partner einbinden und den Austausch mit Politik und Hilfsorganisationen stärken.“

Das Netzwerk arbeitet mit drei Schwerpunkten: Nichtregierungsorganisationen aus dem Globalen Süden, (Universität Magdeburg), Gleichgültigkeit gegenüber humanitären Krisen (Universität Bayreuth) und die besondere Verletzlichkeit von LGBTQI+-Personen in Krisensituationen (Ruhr-Universität Bochum). Gemeinsam sollen diese Perspektiven zeigen, wo humanitäre Hilfe selektiv, ungerecht oder blind für bestimmte Gruppen ist.

Die Uni Magdeburg bringt dafür eine starke Friedens- und Konfliktforschung, internationale Perspektiven und die Ausbildung junger Fachleute zusammen“, erläutert Konfliktforscherin Roepstorff. „Wir wollen aus einzelnen Forschungsprojekten ein tragfähiges Umfeld machen und humanitäre Krisen so erklären, dass daraus bessere Entscheidungen entstehen können.“

An der Universität Magdeburg ist das Vorhaben eng mit dem Masterstudiengang Peace and Conflict Studies verbunden. Dr. Kristina Roepstorff forscht dort mit ihrem Team zu „Humanitarian Imaginaries“, also zu Bildern, Erzählungen und Praktiken, die bestimmen, wie humanitäre Krisen gesehen und gedeutet werden. Im Mittelpunkt steht der Globale Süden. Viele Gesellschaften dort haben jahrzehntelange Erfahrung im Umgang mit Gewalt, Vertreibung und Not. Diese Perspektiven sollen stärker in die internationale Forschung einfließen.

„Wir müssen genauer hinschauen, wer über Krisen spricht, wer gezeigt wird und wer fehlt“, erläutert die Forscherin. „Humanitäres Wissen darf nicht nur aus den Zentren des Nordens kommen. Es muss die Erfahrungen der Menschen einbeziehen, die Krisen täglich bewältigen.“

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Bild 1 // Sonja Hövelmann/CHA // Portrait PD Dr. Kristina Roepstorff


Autor:in Katharina Vorwerk

Letzte Änderung: 17.06.2026 -
Ansprechpartner: Katharina Vorwerk