Zwischen gestern und morgen

Wer das Gebäude 12 betritt, begibt sich ein klein wenig auf eine Zeitreise. Noch, denn nun wird es in einem zweiten Bauabschnitt saniert. Es ist eins der ersten Gebäude, das für die neugegründete Hochschule für Schwermaschinenbau Ende der 1950er Jahre im Herzen der Stadt Magdeburg errichtet wurde. Liebevoll sollen Details und Charakteristika des Hauses, in dem die Fertigungstechnik ihr Domizil fand, erhalten bleiben. Redakteurin Ines Perl hat sich noch einmal umgesehen.

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Seit mich meine Recherchen vor 25 Jahren zum ersten Mal in das „Versuchsfeld“ am IFQ, dem Institut für Fertigungstechnik und Qualitätssicherung, führten, begleitet mich dieser charakteristische Geruch – der Geruch nach Werkhalle, nach Ölen, Fetten, Schmierstoffen, eben nach Maschinenbau. Und ich war oft im Gebäude 12 im IFQ, um für den uni:report zu berichten. Ich war dabei als eine hydraulische Presse, für die ein 4,70 Meter tiefes Betonfundament in der Halle angelegt werden musste, mit einem Schwerlastkran millimetergenau durch das offene Hallendach auf das Fundament gesetzt wurde. Über den ersten ego.-Inkubator iGE Innovative Guss­teil-Entwicklung habe ich geschrieben, über spannende Forschungsvorhaben wie einen energieeffizienten Ofen zur Wärmebehandlung in der Metallverarbeitung, über internationale Aktivitäten wie die Sommerschule mit der japanischen Universität Niigata oder den Besuch des einstigen kenianischen Ministerpräsidenten, Raila Odinga, der Ende der 1960er am Institut studierte. Natürlich vermeldete ich auch den Abschluss des ersten Bauabschnitts am Gebäude 12 und im Frühsommer die Übergabe der Fördermittel für den 2. Bauabschnitt. Insgesamt 8,4 Millionen Euro fließen in den kommenden zwei Jahren in die energetische Sanierung und in den Ausbau der anwendungsorientierten Forschungs- und Entwicklungsinfrastruktur, soll heißen in den Umbau der großen Versuchshalle, der Lehrwerkstätten, Labore, Büros und Seminarräume.

das Gebäude 12 der Uni Magdeburg vor der Sanierung (c) Harald KriegFotos: Uni Magdeburg / Harald Krieg

„Die Sanierung wird eine Herausforderung“, bekräftigt Prof. Dr. Rüdiger Bähr vom Institut, „denn alles wird bei laufendem Lehr- und Forschungsbetrieb passieren. Die Maschinen werden für aktuelle Forschungsprojekte und für die Übungen und Praktika gebraucht. Einige werden in die Experimentelle Fabrik umgelagert. Wo das nicht möglich ist, werden die Bauarbeiten in der vorlesungsfreien Zeit stattfinden. Das ist auch logistisch eine ‚Kampfansage‘.“

Die wandhohe Glasfassade, das lichtdurchflutete Dach, die Empore, von der aus das Tun in der großen Versuchshalle zu beobachten ist. Es soll alles so bleiben und den heutigen Sicherheitsstandards und Bedürfnissen angepasst werden. Wie das Treppenhaus im bereits sanierten Ostflügel, in dem das ursprünglich in den 1950er Jahren eingebaute Treppengeländer erhalten geblieben ist und mit einer Sicherheitsglasscheibe ergänzt wurde. Scherzhaft meint Professor Bähr, dieses Gebäude sei das letzte auf dem Campus, in dem noch DDR-Fenster zu finden sind. Und es waren auch mit die ersten, die auf dem Campus eingebaut wurden.

das Gebäude 12 der Uni Magdeburg vor der Sanierung (c) Harald Krieg

Vor 60 Jahren entstand entlang der Denhardtstraße eine riesige Baustelle. Auf den Trümmern der im II. Weltkrieg zerstörten Häuser am heutigen Universitätsplatz sollte das Gebäude für den Bereich Fertigungstechnik an der wenige Jahre zuvor gegründeten Hochschule für Schwermaschinenbau erbaut werden, um den Bedarf der in Magdeburg neu entstehenden Großindustrie an Fachkräften sowie Forschung und Entwicklung decken zu können. Studenten und Mitarbeiter griffen in zahlreichen Aufbaueinsätzen zu Spitzhacke und Schaufel und halfen bei der Beseitigung von Schutt und Trümmern. 1958 war der Rohbau fertig. Kontinuierlich wuchsen die Studierendenzahlen, wurden innovative Forschungsprojekte vor allem auch mit Industriepartnern bearbeitet, immer wieder änderte sich das Antlitz der Versuchshalle, denn modernste Maschinen wurden angeschafft. Aber auch ein Überbleibsel aus den frühen Tagen steht noch, die Reibradspindelpresse aus dem Jahr 1962, bei der noch alles per Hand zu bedienen ist, die aber noch super funktioniert und in Lehrveranstaltungen zur Fertigungslehre oder Umformtechnik beweisen kann, was sie noch alles drauf hat. Gut 1 070 Studierende besuchen gegenwärtig pro Jahr die Lehrveranstaltungen am IFQ beispielsweise zu Fertigungslehre, Messtechnik, zu Ur- und Umformtechnik, Mikroproduktionstechnik und, und, und. 2012 erhielt das Gebäude einen Anbau für das Institut für Kompetenz in AutoMobilität (IKAM).

das Gebäude 12 der Uni Magdeburg vor der Sanierung (c) Harald Krieg

Nun wird es im Gebäude 12 bald wieder nach frischer Farbe und Tapetenkleister riechen, denn die 2014 begonnene Sanierung für das rund 4 800 m² große Gebäude geht mit dem zweiten Bauabschnitt weiter. Bereits in der ersten Sanierungsstufe wurden drei Lüftungsanlagen, eine Kältemaschine und eine Wasserenthärtungsanlage eingebaut. Auf dem Dach wurde ein Blockheizkraftwerk für die zentrale Energieversorgung im Gebäude installiert. Und der Energiebedarf ist hoch, brauchen doch Werkzeugmaschinen viel Strom ebenso wie beispielsweise alles rund ums Schmelzen in der Fertigungstechnik, denn Aluminium beispielsweise wird erst bei 660 °C flüssig.

Wenn die Bauarbeiten 2020 abgeschlossen sein werden, dann wird auch das in den 1990er Jahren zur Umbenennung des Instituts gegossene Bronzeschild wieder seinen Platz am Eingang zum Gebäude finden und auch an die über 800-jährige Tradition der Gießereitechnik in Magdeburg erinnern. „Bereits in diesem Semester soll das Gebäude 12 im Andenken an den großen Magdeburger Fertigungstechniker Rudolf Wolf nach ihm benannt werden“, gibt Prof. Dr. Rüdiger Bähr einen Ausblick. „Er hat in seinen Werken bereits in den 1890ern über 20 000 Dampfmaschinen hergestellt. Eine davon ist die Lokomobile auf unserem Campus.“

 

Ines Perl