Mathematik funktioniert überall auf der Welt gleich

Auf den ersten Blick ist Basel Mousselli ein Student wie jeder andere: Er trägt einen dunkelgrünen Hoody mit einer Lederjacke darüber und einen Bart, wie ihn heute viele junge Männer tragen. Dennoch unterscheidet ihn etwas von seinen Kommilitonen: 2015 musste er mit seinem drei Jahre älteren Bruder Hussein aus dem syrischen Aleppo fliehen und kam nach Magdeburg.

Basel Mousselli vor der Universitätsbibliothek (c) Harald KriegBasel Mousselli vor der Universitätsbibliothek. Foto: Harald Krieg

Seit Oktober 2017 studiert der 24-Jährige im Master Volkswirtschaftliche Politikanalyse an der OVGU. Alle Vorlesungen fanden bisher auf Englisch statt. „Deswegen ist mein Deutsch wieder schlechter geworden“, sagt Basel entschuldigend. Manchmal fällt ihm der richtige deutsche Begriff nicht sofort ein wirkliche Verständigungsprobleme hat er jedoch nicht.

In Aleppo hat Basel einen Bachelor in Finanz- und Bankwesen abgeschlossen. In Deutschland angekommen, war klar, dass er weiterstudieren möchte. Um sich immatrikulieren zu können, hat Basel zehn Monate einen Sprachkurs besucht. Sein deutsches Lieblingswort ist „achso“, erzählt er lachend. Warum, kann er nicht sagen, aber er hört das Wort gern und mag den Klang. Seine Sprachkenntnisse gibt Basel seit 2016 an andere weiter. Er begleitet in seiner Freizeit andere Syrer zu Ämtern, um dort zu übersetzen.

Probleme, Freunde zu finden, hatte Basel nicht. „Ich denke, die Kommilitonen haben keine Vorurteile. Vielleicht, weil viele Leute aus anderen Ländern hier studieren. Es ist nichts Besonderes, nicht aus Deutschland zu kommen“, erzählt Basel. Der Studienbeginn war für ihn dennoch kompliziert: „Für mich war alles ein großes Durcheinander E-Learning, wie viele Fächer habe ich, wie melde ich mich für Kurse an und so weiter.“ Das herauszufinden, fand Basel sehr umständlich. Ein Kennenlern-Angebot der Universität für alle neuen Masterstudierenden fände er eine gute Idee.

Als Kind wollte Basel immer Biologie­ingenieur werden. Letztendlich kam er zur Ökonomie. „Mathematik funktioniert überall auf der Welt gleich“, sagt er, „das mag ich.“ Die Fachbegriffe lernte er in Syrien auf Englisch und Latein so hatte er auch in Magdeburg keine Probleme.

„Alle Deutschen mögen Bier“, erzählt Basel verwundert bei der Frage, was er an der deutschen Kultur mag. „Überall wird Bier getrunken wirklich!“ Basel selbst trinkt nicht. Er mag die europäische Musik: Die neunte Sinfonie von Beethoven, Mozart oder auch André Rieu hat er für sich entdeckt. Arabisches Essen muss Basel nicht vermissen, Produkte seiner Heimat bekommt er auch hier. Was er vermisst, ist die Luft in Syrien und vor allem seine Eltern und seinen kleinen Bruder.

Basel möchte nach dem Masterstudium promovieren und in Magdeburg bleiben. Sein größter Wunsch ist ein Visum für seinen Vater, damit dieser zu Besuch nach Magdeburg kommen kann

 

Friederike Steemann