Gemeinsam zum Doktortitel

18.09.2019 -  

Die Wege zum Doktortitel sind vielfältig: im stillen Kämmerlein, als „Externe“, bei Doktorvater oder -mutter oder gemeinsam mit anderen im Graduiertenkolleg (GRK). Für Letzteres haben sich 13 junge Forscher und Forscherinnen der Naturwissenschaften entschieden und promovieren seit Januar 2019 im von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Graduiertenkolleg mit der Nummer 2413; im Herbst werden dann auch 13 Medizindoktoranden und -doktorandinnen ihre Promotionsarbeiten aufnehmen. Sie erforschen den kognitiven Leistungsabfall, der mit zunehmendem Alter auch bei gesunden Menschen zu beobachten ist; betrachten die molekularen, zellulären und verhaltensbiologischen Mechanismen, die dafür verantwortlich sind, um u.a. die Ursachen für Alzheimer und andere neurodegenerative Erkrankungen besser verstehen zu können. „Um ein solch komplexes Thema zu bearbeiten, müssen viele verschiedene Fachrichtungen zusammenarbeiten“, unterstreicht Prof. Dr. Daniela Dieterich, Direktorin des Instituts für Pharmakologie und Toxikologie und Sprecherin des GRK.

Doktorandin Natalia WaalDoktorandin Natalia Waal.

„Im Kolleg zu promovieren, ist für mich Luxus"

Genau das begeistert Promovendin Natalia Waal am Graduiertenkolleg: Die verschiedenen Ebenen, von denen aus das große Thema „Alternde Synapsen“ betrachtet wird, die Interdisziplinarität. Die studierte Biologin (Bachelor) und Neurobiologin (Master) nähert sich der Thematik von der molekular-zellulären Seite her, hat aber gleichzeitig Gelegenheit, die Arbeit der Kollegen aus der Mikrobiologie, der Immunologie oder der Psychologie kennenzulernen. „Im Kolleg zu promovieren, ist für mich Luxus“, erzählt die junge Frau. „Da ist die Koordinatorin Annika Dirks, die mir viel bürokratische Organisation abnimmt, die mich auf interessante Veranstaltungen aufmerksam macht, die mir bei der Immatrikulation half, so dass ich mich von Anfang an gleich auf meine Promotion konzentrieren konnte.“ Sie genießt die Arbeit im Kolleg auch, weil sie über den Tellerrand ihrer eigenen Forschung hinaus schauen kann, weil sie neue Labore und Techniken kennenlernen kann, weil sie mit internationalen Kollegen gemeinsam forschen kann und weil sie weiß, dass da „immer jemand ist, mit dem sie mal quatschen kann“, über Zweifel und die Zeit der Zweifel wird kommen, da ist sie sich sicher , und natürlich auch über Erfolge. Und manchmal auch gar nicht über die Arbeit, sondern einfach nur so.

Für Sprecherin Daniela Dieterich ist es das erste Mal, dass sie ein Graduiertenkolleg leitet: „Es ist schon sehr aufregend, schließlich fingen nicht nur zwei Promotionsstudenten in meinem Labor an, sondern gleich 13 über den Campus verteilt.“ Das Kolleg sei wie ein Ausbildungsprogramm, das sich einer wissenschaftlichen Fragestellung widmet. Deshalb gäbe es regelmäßig Vorlesungen, Seminare und Workshops, in denen die Promovierenden ihre Forschungsergebnisse präsentieren und so lernen, sich mit Fachkollegen, aber auch Kollegen anderer Fachrichtungen auszutauschen. Und auch der interessierten Öffentlichkeit möchten die Doktoranden ihre Forschung näherbringen. Zur Langen Nacht der Wissenschaft erläuterten sie auf spielerische Art und Weise u. a. wie Nervenzellen funktionieren.

Prof. Dr. Daniela Dieterich im Gespräch mit Doktorandin Natalia WaalProf. Dr. Daniela Dieterich im Gespräch mit Doktorandin Natalia Waal.

Die Fördermittel des GRK

Die finanziellen Mittel des GRK ermöglichen es, Experten einzuladen, um mit den Promovenden die neuesten Entwicklungen der Forschungen zu diskutieren und ihnen Impulse geben zu können. „Study-Groups sind eingerichtet und unsere Promovierenden können auch die Angebote aus dem Graduiertenprogramm des CBBS und der Graduate Academy der OVGU nutzen“, zählt die Sprecherin auf.

Diese Angebote nimmt Natalia Waal gern an, empfindet sie nicht als Zwang, wohl wissend, dass dies eine gute Möglichkeit ist, Fähigkeiten innerhalb und außerhalb des Labors zu stärken und für alle Beteiligten eine gemeinsame Sprache zu finden: „Das Kolleg schafft die Rahmenbedingungen für unsere Arbeit. Es bietet Hilfestellung und Unterstützung, ist dabei aber nicht einengend. Es ist eine gute Möglichkeit, unsere Karriere-, aber auch Persönlichkeitsentwicklung zu fördern.“

Das wäre alles nicht möglich ohne die Universität und den neurowissenschaftlichen Schwerpunkt, unterstreicht Professorin Dieterich. Gemeinsam mit Kollegen der OVGU, des Leibniz-Instituts für Neurobiologie und des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen hat sie das GRK eingeworben. Die DFG stellt dem Kolleg für die erste Förderperiode von viereinhalb Jahren 4,2 Millionen Euro zur Verfügung.

 

von Ines Perl