Soziologen forschen zur psychischen Gesundheit von Studierenden

18.03.2026 -

Soziologen der Otto-von-Guericke-Universitt Magdeburg entwickeln eine Messmethode, mit der sich der Zusammenhang zwischen Studien- und Hochschulbedingungen und psychischer Belastung von Studierenden in Deutschland wissenschaftlich erfassen lsst.

Im Verbundprojekt Hochschulstrukturen und psychische Gesundheit: Die Bedeutung individueller und institutioneller Faktoren fr die psychische Gesundheit Studierender HoPsy untersucht das Forschungsteam um den Verbundleiter Prof. Dr. Philipp Pohlenz von der Professur fr Hochschulforschung und Professionalisierung der akademischen Lehre der Uni Magdeburg, welche strukturellen Bedingungen im Studium psychisch belasten, welche entlasten und wie Universitten und Hochschulen daraus gezielt Manahmen fr ein gesundes Studium ableiten knnen. Dabei kooperieren sie mit Medizinsoziologinnen der Martin-Luther-Universitt Halle-Wittenberg. Die Ergebnisse sollen knftig den Einrichtungen helfen, wirksamer gegenzusteuern.

Psychische Belastungen im Studium sind fr viele Studierende Realitt. Dennoch richtet sich der Blick in der Forschung bislang vor allem auf individuelle oder soziale Ursachen", so Prof. Dr. Heike Ohlbrecht vom Lehrstuhl fr Allgemeine Soziologie/Mikrosoziologie, die ein Teilprojekt leitet. Wir setzen deshalb frher an und wollen analysieren, wie Studienorganisation, Prfungsdichte, Vorgaben, Hochschulstrukturen und die Regeln des Studienalltags und das Hochschulumfeld mit psychischen Belastungen zusammenhngen."

Besonders der Start ins Studium bringe groe Vernderungen im Alltag mit sich und knne deshalb belastend sein, gerade auch fr internationale Studierende, erklrt die Wissenschaftlerin.

Der Handlungsdruck sei hoch, so Ohlbrecht. In Deutschland studieren derzeit rund 2,88 Millionen junge Menschen. Nach Angaben des Deutschen Studierendenwerks leben 16 Prozent der Studierenden mit einer studienerschwerenden Beeintrchtigung. Bei 65 Prozent dieser Gruppe handelt es sich um psychische Erkrankungen."

Auch Krankenkassendaten zeigten diese Entwicklung, so die Soziologin weiter. Laut TK-Gesundheitsreport 2023 fhlen sich 37 Prozent der Studierenden stark emotional erschpft. 2017 waren es noch 25 Prozent. Zudem stieg der Anteil der Studierenden, die mit Antidepressiva behandelt werden, von 2019 bis 2022 um 30 Prozent." Das Thema betreffe deshalb nicht nur einzelne Betroffene, so Prof. Ohlbrecht. Es berhrt Studienerfolg, Chancengerechtigkeit und die Frage, wie Hochschulen junge Menschen durch eine prgende Lebensphase tragen."

Wenig untersucht sei bislang aber, welche Rolle die Studienstrukturen dabei spielen. Wenn wir besser verstehen, welche Studienbedingungen Belastungen verstrken oder verringern, knnen Hochschulen gezielt Manahmen entwickeln, um Studierende zu untersttzen und gesundes Studieren zu ermglichen.
Dafr kombinieren die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler qualitative und quantitative Methoden. In einem ersten Schritt fhren sie Interviews und Analysen durch, um die wichtigsten Kontextbedingungen psychischer Gesundheit von Studierenden zu ermitteln. Befragt werden Studierende an verschiedenen Hochschultypen in Deutschland, darunter Universitten, Hochschulen fr angewandte Wissenschaften, Fernhochschulen sowie Kunst- und Musikhochschulen. Hinzu kommen Gesprche mit Expertinnen und Experten sowie Gruppendiskussionen mit Hochschulangehrigen, die sich mit psychischer Gesundheit im Studium befassen.

Auf dieser Grundlage entwickelt das Forschungsteam einen standardisierten Fragenkatalog, der die Lebens- und Studienbedingungen sowie die Bedrfnisse von Studierenden wissenschaftlich verlsslich und differenziert erfasst. So erhalten wir einen przisen und aussagekrftigen Datensatz, wie stark Studienbedingungen die psychische Gesundheit beeinflussen und an welchen Stellen Hochschulen handeln mssen, so Prof. Philipp Pohlenz abschlieend.

Das Verbundprojekt Hochschulstrukturen und psychische Gesundheit: Die Bedeutung individueller und institutioneller Faktoren fr die psychische Gesundheit Studierender HoPsy luft von Januar 2026 bis Dezember 2028. Es wird vom Bundesministerium fr Forschung, Technologie und Raumfahrt im Frderschwerpunkt Wissenschafts- und Hochschulforschung gefrdert.


Autor:in Lisa Baaske

Letzte nderung: 24.03.2026 -
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