Aktuelles & Projekte
Neue Werkstoffe f��r neue Herausforderungen
Energiewende, Rohstoffknappheit, Globalisierung ��� unsere Gesellschaft, unsere regionale Industrie und die globale Wirtschaft stehen vor ganz neuen Herausforderungen. Um diesen modernen Anspr��chen an Mobilit��t, Urbanisierung oder Digitalisierung gerecht zu werden, sind innovative Technologien gefragt. Sie m��ssen den technischen Fortschritt gew��hrleisten, gleichzeitig aber auch Gesundheit und Lebensqualit��t der Menschen erhalten und dazu einen nachhaltigen Umgang mit Ressourcen sicherstellen.
Herk��mmliche Materialien als Grundlage neuer Technologien sto��en schnell an die Grenzen ihrer Einsatzm��glichkeiten: Flugzeuge m��ssen lange Distanzen bei extremen Temperaturen ��berwinden k��nnen, neue Computer- und Regelungstechniken verlangen neue Materialien mit speziellen Eigenschaften, die Anforderungen der Autoindustrie fokussieren immer st��rker auf Sicherheit. Die Entwicklung innovativer, leistungsf��higer metallischer und intermetallischer Werkstoffe steht im Mittelpunkt der Forschergruppen ���Metallische Werkstoffe��� und ���Spezielle Metallische Werkstoffe��� des Instituts f��r Werkstoff- und F��getechnik an der Fakult��t f��r Maschinenbau. So liegt das Augenmerk der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auf metallischen Hochtemperaturwerkstoffen, wie sie beim Bau von Turbinen f��r Kraftwerke oder in Flugzeugtriebwerken eingesetzt werden, sowie St��hlen und Leichtbauwerkstoffen f��r den Karosseriebau oder Haushaltswaren.
Hohe Temperatur, hohe Wirkung
Zu Zeiten von Dampfmaschinen ��berstiegen die Arbeitstemperaturen die 500 ��C nicht wesentlich. In modernen Turbinen werden heute Temperaturen von 1.400 ��C und mehr erreicht. Hier und auch beim Hochofenbau, in der Verfahrenstechnik oder im Aggregatebau kommen Hochtemperaturwerkstoffe zum Einsatz. Diese hat Juniorprofessorin Manja Kr��ger in den Fokus ihrer Forschungsarbeit ger��ckt. Derzeit sind Nickelbasis-Superlegierungen, die Temperaturen bis zu 1.100 ��C aushalten, im Einsatz. In Turbinen ��� ob in Flugzeugen oder Gasturbinen zur Stromerzeugung ��� gilt: Je h��her die Verbrennungstemperatur, desto h��her der Wirkungsgrad. ���Die thermodynamischen Stellgr����en ��� Druck und Temperatur ��� sind verh��ltnism����ig leicht zu variieren���, schildert Manja Kr��ger. ���Schwieriger wird es da schon bei den Werkstoffen f��r die Brennkammer, in der die Verbrennungsprozesse ablaufen. Sie d��rfen nicht unter der hohen Verbrennungstemperatur leiden. Hier liegt die gro��e Herausforderung f��r die Werkstoffwissenschaft: Die neuen komplexen Hochtemperaturwerkstoffe m��ssen also so designt werden, dass sie h��here Temperaturen, und dabei sprechen wir von bis 1.200 ��C, ertragen k��nnen, ohne dass sie Schaden nehmen.���
Ohne Materialforschung ist Fortschritt nicht m��glich: vom Werkstoff zur Innovation
Das extrem hei��e Gas trifft auf die Turbinenschaufel, die durch den Gasdruck mit sehr hohen Geschwindigkeiten rotiert und durch besonders hohe Zentrifugalkr��fte belastet wird. Eine Turbinenschaufel m��sse also bei extremen Temperaturen und enormen Krafteinwirkungen immer noch eine hohe Festigkeit aufweisen, und das ��ber eine m��glichst lange Nutzungsdauer. Aber wie entsteht ein neuer Werkstoff? ���Da geht es ein bisschen zu wie in der Hexenk��che���, sagt Juniorprofessorin Dr.-Ing. Manja Kr��ger mit einem Augenzwinkern. ���Nein, im Ernst. Wir sondieren im ersten Schritt, welche Elemente des Periodensystems bei hohen Temperaturen schmelzen. Da sind beispielsweise Molybd��n, das eine Schmelztemperatur von etwa 2.600 ��C erreicht, oder Wolfram, dessen Schmelztemperatur bei etwa 3.400 ��C liegt. Diese Elemente allein sind allerdings nicht f��r den Bau von Turbinenschaufeln nutzbar, da sie viel zu weich sind und sich unter mechanischer Belastung verformen. Im n��chsten Schritt ��berlegen wir, welche Elemente hochfeste Verbindungen eingehen���, erl��utert die Ingenieurin weiter. ���Mit der Zugabe weiterer Elemente ��� Silizium, Bor, Chrom u. a. ��� ver��ndern wir die Kristallstruktur. Einfach gesagt: Je komplexer die Kristallstruktur wird, desto fester wird der Werkstoff. Wir suchen nun den optimalen Partner f��r unseren Basiswerkstoff, der m��glichst komplizierte Kristallstrukturen erzeugt. Typischerweise sind das Verbindungen aus mindestens zwei Metallen, die sogenannten intermetallischen Phasen. Sie sind extrem fest, hochschmelzend und meist auch korrosions- und oxidationsbest��ndig sowie sehr komplex in ihren Kristallstrukturen.���

Diese Kristallstrukturen besch��ftigen auch Professor Thorsten Halle. Er untersucht St��hle, Leichtbauwerkstoffe und andere Metalle: ���Durch gezielte Ver��nderung der inneren Struktur k��nnen wir Werkstoffe mit ma��geschneiderten Eigenschaften erzeugen. Betrachten wir die Mikrostruktur beispielsweise von St��hlen, so sind es Polykristalle, die zusammengesetzt sind aus vielen kleinen K��rnern. Deren Gr����e, Aufbau, Grenzfl��chen und Anordnung bestimmen die makroskopischen Eigenschaften der Werkstoffe. Je kleiner die Korngr����e, desto h��her ist die Festigkeit, dies wiederum beeinflusst die Verformbarkeit.��� Nun versuchen die Magdeburger Forscher, z. B. die Gr����e der Kristallite durch verschiedene Fertigungsverfahren wie Kaltwalzen, Schmelzen oder W��rmebehandlung zu variieren. Wie ein ver��ndertes Temperatur-Zeit-Regime bei der W��rmebehandlung die Korrosionseigenschaften von K��chenmessern verbessert, ist da ein ganz praktisches Beispiel. Jede Hausfrau w��rde nur allzu gern die ���guten��� Messer in die Sp��lmaschine tun, doch allzu schnell stellt sich dann bei den teuren K��chenhelfern Lochkorrosion ein. Ein Problem, das die Industrie sehr besch��ftigt und dem am Lehrstuhl Metallische Werkstoffe nachgegangen wird.
Dabei kann die notwendige chemische Zusammensetzung der Stahlwerkstoffe im Computer modelliert werden. Stahl ist eine Legierung, die neben dem Hauptbestandteil Eisen nicht mehr als 2,06 Prozent Kohlenstoff und weitere Legierungselemente enth��lt. Die Modifikation der Legierungselemente kann die verschiedensten Eigenschaften beeinflussen: Der Anteil von Chrom wirkt sich auf die Korrosionsbest��ndigkeit aus. Der Zusatz von Nickel ver��ndert die Z��higkeit, w��hrend das Zuf��gen von Molybd��n die W��rmefestigkeit erh��ht. ���In welchem Anteil die Legierungselemente dem Stahl zugef��gt werden und in welchem Ma��e sich dadurch die Eigenschaften des Werkstoffs ��ndern, simulieren wir am Rechner, ebenso wie die Bildung der Mikrostruktur���, erl��utert Professor Halle.
Fingerspitzengef��hl bei der Kombination
Auch das Team um Juniorprofessorin Kr��ger simuliert auf Basis der Zusammensetzung der neuen Hochtemperaturwerkstoffe bestimmte Eigenschaften abh��ngig von der sp��teren Verwendung. Die hochfesten Komponenten, also die intermetallischen Phasen, werden mit den hochschmelzenden Metallen wie Molybd��n oder Wolfram kombiniert, so dass Verst��rkungsstrukturen entstehen. Die festen Phasen k��nnen dann als Partikel oder Fasern in eine Matrix eingebaut werden. Das verlange Fingerspitzengef��hl, so Manja Kr��ger. ���Das ist nicht trivial, denn die intermetallischen Phasen stellen wir selbst her.��� F��r die Hochzeit der intermetallischen Phasen mit den hochschmelzenden Metallen gibt es zwei Verfahrensweisen, welche die Magdeburger Forscherin nutzt: den Schmelzprozess und den pulvermetallurgischen Prozess. Der Schmelzprozess erm��glicht eine gerichtete Erstarrung, die es erlaubt, die Fasern ���in situ���, also im Prozess des Schmelzens, in einer bestimmten Richtung mit der Matrix zu verbinden. Die Wissenschaftler k��nnen das Volumen und den Anteil der faserartigen Mikrostruktur sowie deren Orientierung ganz genau steuern und dar��ber die Eigenschaften des hochreinen Werkstoffs festlegen. Bei Schmelztemperaturen um die 2.000 ��C kein leichtes Unterfangen. Diese gerichtet erstarrten Werkstoffe eignen sich besonders gut f��r eine einachsige Zugbeanspruchung, wie sie z. B. bei Schaufeln in Gasturbinen auftreten, sind jedoch durch einen hohen Energieeinsatz sehr kostenintensiv in der Herstellung.
Beim pulvermetallurgischen Verfahren werden Elemente, wie z. B. Molybd��n, Silizium oder Bor, beliebig kombiniert in einer Spezialm��hle unter einem festgelegten Energieeintrag gemahlen. Das Ganze geschieht unter Schutzgas, da die Pulver sofort mit dem Luftsauerstoff reagieren w��rden. Nach dem Mahlen haben sich die Elemente auf atomarer Ebene vermischt. Die Ursprungselemente sind nicht mehr in Reinform vorhanden. Das Mahlgut wird bei bis zu 1.600 ��C gepresst und Verst��rkungsphasen bilden sich als Teilchen aus. Diese teilchenverst��rkten Werkstoffe taugen f��r den Einsatz bei sich ��berlagernden Beanspruchungen ��� Zug, Druck, Biegung, Torsion ��� und sind g��nstiger in der Herstellung. Welches der beiden Verfahren ��� Schmelze oder Pulvermetallurgie ��� sich in der Praxis f��r die Herstellung der neuen Hochtemperaturwerkstoffe eignet, ist Gegenstand aktueller Forschungen.
Oder wird es m��glicherweise eine ganz andere Fertigungstechnologie sein, welche die junge Wissenschaftlerin und ihr Team gemeinsam mit dem ortsans��ssigen Unternehmen CITIM f��r ihre Werkstoffe derzeit erprobt? OVGU-Absolventen haben die Firma mit Sitz in Barleben gegr��ndet.

Auf Herz und Nieren pr��fen
F��r die additive Fertigung von Bauteilen mittels Selective Laser Melting, einem speziellen Schmelzverfahren durch Laserstrahl, werden aus einem Pulverbett bereits Bauteile hergestellt. Das ist nicht neu. Nun aber m��ssen sich die neuen Legierungen aus dem Institut f��r Werkstoff- und F��getechnik unter dem Laserstrahl bew��hren. Erste Pr��bchen sind gefertigt, liegen bereits unter dem Rasterelektronenmikroskop und werden von dem Wissenschaftlerteam auf Herz und Nieren, sprich auf mechanische Belastbarkeit, Wiederstand gegen Rissinititierung und -ausbreitung sowie Temperaturfestigkeit, gepr��ft. Daf��r steht ihnen ein ganzer ���Ger��tepark��� im Geb��ude 50 zur Verf��gung. Dazu geh��ren spezielle Werkstoffpr��fmaschinen, z. B. sogenannte Kriechpr��fst��nde, die Langzeitzug-, -druck- und -biegeversuche bei Temperaturen bis 1.200 ��C erm��glichen. Diese zeigen, wie sich der Werkstoff bei geringster Beanspruchung ��ber einen definierten Zeitraum verformt. Mit einer Ionenstrahl-Anlage k��nnen gezielt Oberfl��chen abgetragen und eine regelrechte Topographie der Oberfl��che erzeugt werden. Damit l��sst sich die Verteilung der Partikel im unteren Mikrometerbereich auswerten. So k��nnen R��ckschl��sse gezogen werden, ob die gew��nschten Werkstoffeigenschaften auch erreicht wurden oder weiter optimiert werden muss. Auch die neugestalteten St��hle von Professor Halle werden unter die Lupe genommen und einer mechanischen Pr��fung unterzogen, H��rte und Festigkeit gemessen, Flie��kurven erstellt, um zu erfahren, ob die vorher im Computer berechneten Eigenschaftsanpassungen erreicht wurden.
Noch immer sind metallische Werkstoffe im Maschinenbau dominierend, doch die Anforderungen an Zuverl��ssigkeit und Lebensdauer erh��hen sich st��ndig. Optimale und ma��geschneiderte L��sungen f��r individuelle Aufgabenstellungen zu finden, das haben sich die Werkstoffwissenschaftler Juniorprofessorin Manja Kr��ger und Professor Thorsten Halle mit ihren Teams vorgenommen, daf��r forschen sie, modifizieren altbew��hrte Materialien und entwickeln neue metallische und intermetallische Werkstoffe.
��
Wussten Sie schon, dass ...
| ...ganze Entwicklungsepochen der Menschheit nach den jeweils zu jener Zeit zur Verf��gung stehenden Materialien benannt worden sind: Steinzeit, Bronzezeit und Eisenzeit? Der Einsatz von Werkstoffen zieht sich durch die gesamte Menschheitsgeschichte und ist wesentliche Triebfeder f��r technologischen Fortschritt. Werkstoffe sind elementare Ausgangs- und Grundstoffe f��r Produkte, Erzeugnisse, Werkst��cke, deren Qualit��t und Eigenschaften durch die Wahl geeigneter Werkstoffe entscheidend beeinflusst werden. | |
| ...bereits die Hethiter vor ca. 3500 Jahren einfachen Stahl f��r die Fertigung von Waffen herstellten? St��hle sind metallische Legierungen, deren Hauptbestandteil Eisen ist. Sie haben einen Kohlenstoffgehalt von weniger als 2,06 Prozent und sind umformbar. Heute sind im Register europ��ischer St��hle ��ber 2.500 Stahlsorten (Stand: 2013) aufgelistet. Weltweit werden j��hrlich etwa 1,6 Milliarden Tonnen Stahl hergestellt (Stand 2014). | |
| ...Gold, Silber und Kupfer seit dem 8. Jahrtausend v. Chr. technisch genutzt werden? Zun��chst als elementar vorkommende Metalle, sp��ter auch als Legierung. Die erste Legierung war Bronze. Ihre Herstellung setzte Bergbau und Verh��ttungstechniken voraus. Die immer bessere Beherrschung dieser Technologien f��hrte bald dazu, dass auch Eisen verh��ttet werden konnte. Die Metallbearbeitung erm��glichte die Herstellung komplex geformter Werkzeuge und Bauteile, die schlie��lich durch die Erfindung der Dampfmaschine die industrielle Revolution einleitete. | |
|
...Absolventen der Universit��t Magdeburg das Start-up Powder Technologies gr��ndeten? Durch Pulvermetallurgie k��nnen Bauteile mit sehr hoher Genauigkeit, geringem Materialeinsatz sowie komplexen geometrischen Formen ressourcenschonend gefertigt werden. Das Start-up entwickelt Konzepte, um individuell abgestimmte metallische Pulver von hoher Materialqualit��t als Ausgangsstoff f��r pulvermetallurgische Erzeugnisse bereitzustellen. Anwendung finden pulvermetallurgische Fertigungsverfahren in der Automobil-, Luft- und Raumfahrtindustrie, der Medizintechnik, der Elektrotechnik und der Konsumg��terindustrie. |
Neue Verbindungen von Mensch und Maschine
Zwischen einem Computer und dem menschlichen Gehirn bestehen nur wenige Gemeinsamkeiten. Das Gehirn ist so komplex und dynamisch, dass wir Menschen noch weit davon entfernt sind, es zu verstehen. In einem EU-Projekt hat ein internationales Team unter Leitung von Professor Jochen Braun vom Institut f��r Biologie der Otto-von-Guericke-Universit��t Magdeburg wesentliche Funktionsmerkmale von biologischen Nervenzell-Netzwerken und von k��nstlichen Netzwerken aus Halbleiterbauelementen erforscht. Bei der direkten elektrischen Kopplung zwischen den biologischen und mikroelektronischen Netzwerken konnte spontan Information ��bertragen werden. Damit wurde das Prinzip einer neuartigen ���sanften��� Schnittstelle zwischen Gehirn und Computer etabliert.
Hilfe f��r Parkinson- oder Schlaganfallpatienten
Die Neuroprothetik ist ein noch junger Zweig der Medizin, der erst wenige Jahrzehnte alt ist. Das Ziel ist es, durch Unf��lle oder Krankheiten ausgefallene Hirnleistungen mit Hilfe elektronischer Implantate so gut es geht zu kompensieren. Die dabei bereits erzielten Ergebnisse sind nicht nur f��r medizinische Laien erstaunlich. Mit einem einzigen Knopfdruck l��sst sich beispielsweise das unwillk��rliche Zittern der Gliedma��en von Patienten mit einer Parkinson-Erkrankung (Sch��ttell��hmung) unterdr��cken. M��glich macht es die sogenannte Tiefe Hirnstimulation (Deep Brain Stimulation). Dazu implantieren Neurochirurgen ein bis zwei d��nne Elektroden in zuvor mit MRT-Bildgebungsverfahren lokalisierte, tief unter der Sch��deldecke liegende Hirnregionen. Die Elektroden sind mit einem Impulsgeber etwa von der Gr����e einer Kreditkarte verbunden, der im Bereich der Brust oder im Oberbauch unter die Haut eingepflanzt wird. Die von diesem Ger��t abgegebenen elektrischen Impulse lassen sich so einstellen, dass sie die Nervenzellaktivit��t im Gebiet der implantierten Elektroden derart ver��ndern, dass der Tremor, also das Zittern, nahezu verschwindet. Die Folge: Der Patient kann wieder relativ normal laufen bzw. die H��nde kontrolliert bewegen.
Weltweit forschen Wissenschaftler an Neuroprothesen, die viele andere Funktionen des erkrankten oder verletzten Gehirns ��bernehmen k��nnten. Dazu z��hlen beispielsweise intelligente Arm- und Gangprothesen f��r Patienten, die als Folge einer schweren Erkrankung (z. B. Schlaganfall bzw. Amyotrophe Lateralsklerose) oder eines Unfalls (z. B. Verlust von Gliedma��en bzw. eine Querschnittsl��hmung) ihrer motorischen F��higkeiten beraubt wurden.
Die Neuroprothesen greifen elektrische Spannungsverschiebungen in Teilen des Gehirns ab, die f��r die Planung und Koordinierung von Bewegungen wichtig sind. Die im Rechner verarbeiteten Daten werden dann auf k��nstliche Neuroprothesen ��bertragen, mit deren Hilfe Patienten lernen, ihre Behinderung zu ��berwinden.
Neuroprothetik f��r Patienten am Magdeburger Universit��tsklinikum
Die Universit��tsklinik f��r Stereotaktische Neurochirurgie in Magdeburg, unter der Leitung von Prof. Dr. J��rgen Voges, z��hlt zu den vergleichsweise wenigen Einrichtungen an deutschen Universit��ten, an denen diese Eingriffe in das menschliche Gehirn m��glich sind. Die Forscher dort untersuchen dar��ber hinaus, ob die Tiefe Hirnstimulation k��nftig auch zur Therapie neuropsychiatrischer Erkrankungen wie der Alkoholsucht und von Zwangsst��rungen geeignet ist.
Auch an der Magdeburger Universit��tsklinik f��r Hals-Nasen-Ohren-Erkrankungen, unter Leitung von Prof. Dr. Christoph Arens, setzen Mediziner bereits Neuroprothetik ein. Die HNO-��rzte sprechen von sogenannten Cochlea-Implantaten (CI). Diese k��nnen teilweise Funktionen des Innenohres ��bernehmen. Sie wandeln die am Ohr eintreffenden Schallwellen in elektrische Signale um und leiten diese weiter zum auditorischen System des Gehirns. St��rungen der H��rsinneszellen im Innenohr lassen sich so technisch korrigieren.
Bislang sind diese Ger��te noch unvollkommen. Ihre Nutzung erfordert von den Betroffenen viel Training, wobei in erster Linie die Adaptionsf��higkeit und Plastizit��t des menschlichen Nervensystems genutzt wird. Neurobiologen, Informatiker, Mathematiker und Physiker arbeiten bereits an Schnittstellen, die besser mit den Nervenzell-Netzwerken im Gehirn interagieren k��nnen. Voraussetzung f��r den Erfolg ist es, die Funktionsweise des Gehirns besser zu verstehen.
��
Sie m��chten mehr ��ber die Forschung an Neuroprothesen erfahren?
Dann lesen Sie den vollst��ndigen Beitrag in der multimedialen App Guericke mag - dem digitalen Pendant zum Forschungsmagazin der Universit��t.
��
Autor: Uwe Seidenfaden
Auf den Spuren krimineller Datenfl��sse
Der Betrug bleibt zun��chst meist unbemerkt: Der Bankkunde schiebt die EC-Karte in den Schlitz des Geldautomaten, tippt seine PIN ein, nimmt das Geld und die Karte und geht wieder. Was er nicht wei��: Er ist gerade Opfer eines Datendiebstahls geworden. Der Kartenschlitz des Geldautomaten ist manipuliert. ���Skimming��� nennt sich die Methode, bei der durch technische Manipulation von Geldautomaten Kartendaten ausgelesen und auf leere Kartenrohlinge ��� sogenanntes ���White-Plastic��� ��� kopiert werden. Die T��ter erbeuten mit einer am Automaten angebrachten Kamera auch die PIN des Karteninhabers. Mit der gef��lschten Karte und der Geheimnummer k��nnen die Betr��ger das Konto ihres Opfers leerr��umen.
Das Skimming ist nur eine von zahlreichen neueren Methoden, mit denen Einzelt��ter oder auch organisierte Banden Geld erbeuten. Die digitalisierte und automatisierte Welt ��ffnet abseits des guten alten Bank��berfalls neue T��ren f��r Finanzkriminalit��t. Mit gef��lschten Ausweisdokumenten gelangen Kriminelle etwa an Online-Kredite, die sie nie zur��ckzahlen. Gestohlene Kreditkartendaten werden online zu Geld gemacht. Beim ���RAM Scraping��� erbeutet eine Schadsoftware gar Kreditkarten- und andere Zahlungskartendaten, die beim bargeldlosen Bezahlen an der Supermarktkasse oder im Kaufhaus ausgelesen werden. Auch gesprengte Geldautomaten sorgen derzeit vermehrt f��r Schlagzeilen.
Auf ein wissenschaftliches Gespr��ch mit Straft��tern
���Geld zu entwenden war nat��rlich schon immer ein Thema���, erkl��rt der Informatiker Ronny Merkel. ���Und mit dem Aufkommen digitaler Systeme tauchen dann mit zeitlicher Verz��gerung die entsprechenden Straftaten auf, die diese Systeme angreifen. Meistens, wenn die Technik neu ist und noch nicht ausreichend getestet wurde.��� Der Forscher untersucht in einem interdisziplin��ren Verbundprojekt gemeinsam mit Wissenschaftlern aus Darmstadt und Bochum und mit Bundeskriminalbeamten, welche Wege das Geld, die Daten und das Know-how bei diesen meist organisierten Finanzdelikten nehmen. Das Ziel des vom Geldautomatenhersteller Wincor Nixdorf koordinierten Projekts ist es, die polizeiliche Aufkl��rung zu unterst��tzen und Pr��ventionsvorschl��ge zu erarbeiten. Wissenschaft, Ermittlungsbeh��rden und Industrie arbeiten eng zusammen, um die jeweiligen Expertisen einflie��en zu lassen und die Forschung so praxisorientiert wie m��glich zu gestalten. Das Magdeburger Teilprojekt, das von Professorin Jana Dittmann geleitet wird, befasst sich mit der Modellierung der Geld-, Daten- und Wissensfl��sse und bezieht psychologische Aspekte ein. Um den Herausforderungen des Projekts gerecht zu werden, lie��en die Magdeburger Informatiker ihre Welt aus Codes, Programmiersprachen und Modellen zun��chst weit hinter sich. In einem ersten Schritt sammelten und b��ndelten sie das Wissen ��ber Finanzdelikte und gingen daf��r zu jenen, die Experten auf diesem Gebiet sind: zu den Ermittlern ��� und den T��tern.
In Experteninterviews befragten sie zun��chst etwa Beamte aus Sonderkommissionen f��r Geldautomatensprengung sowie Kriminaltechniker und Ermittler des Bundeskriminalamtes BKA. Welche Herausforderungen sehen die Experten? Wie sind ihre Arbeitsabl��ufe? Wo sehen sie ihre Bed��rfnisse noch nicht erf��llt? Mit einem Fragenkatalog verschafften sich die Informatiker einen ��berblick ��ber den kriminalistischen Umgang mit Finanzdelikten. Auch Wincor Nixdorf lieferte aus der Sicht der Endanwender wertvolle Informationen f��r die Forscher.
Um das Bild zu komplettieren, betrachteten die Wissenschaftler auch die andere Seite. Deutschlandweit befragten sie T��ter, die in den Justizvollzugsanstalten wegen verschiedenster Delikte Strafen verb����en m��ssen. Die zahlreichen b��rokratischen H��rden, die f��r eine solche Befragung ��berwunden werden m��ssen, schreckten die Wissenschaftler nicht ab. Gemeinsam mit dem Kriminologischen Dienst und den Justizvollzugsanstalten ermittelten sie anhand der Paragrafen des Strafgesetzbuches, gegen welche die T��ter versto��en hatten, geeignete Interviewpartner. Stimmten diese einer Befragung zu, machten sich die Wissenschaftler auf den Weg in die Gef��ngnisse. ���Die meisten T��ter waren bereit f��r ein Interview���, erkl��rt Merkel. Allerdings nehme diese Bereitschaft ab, je organisierter die Strukturen sind, in denen sich der T��ter bewegt, schr��nkt der Forscher ein. ���Der Fluss von Geld, Daten und Wissen spielt nat��rlich in ganz verschiedenen Straftaten eine Rolle���, betont Ronny Merkel. Die kontaktierten T��ter hatten dementsprechend vielf��ltige kriminelle Biografien. Auch T��ter, die in Drogendelikte verwickelt waren und damit etwa ��ber Kenntnisse zur Geldw��sche verf��gten, waren f��r die Wissenschaftler interessant. Woher erhalten die T��ter ihr Wissen? Wie wurden sie angeworben? Was geschieht mit den gestohlenen Daten und dem erbeuteten Geld? ��ber welche Kan��le gelangen sie an die technischen Mittel f��r ihre Taten? Mit diesen und ��hnlichen Fragen versuchte das Team in ��ber 30 Interviews an m��glichst viele Informationen zu gelangen. Auch f��r das soziale Umfeld und die pers��nlichen Umst��nde sowie m��gliche Tatmotive interessierten sich die Forscher. ���Eigentlich gab es in jedem Interview eine kleine ��berraschung���, sagt Merkel r��ckblickend. ���Es sind immer andere Geschichten und andere Schicksale.���
���Unsere Expertise ist, dass wir die Technik und die Psychologie in diesem Projekt miteinander verbinden k��nnen���, sagt Ronny Merkel. Denn sein Magdeburger Mitarbeiter ist promovierter Psychologe. Besonders w��hrend der T��terinterviews sei dieses psychologische Wissen sehr n��tzlich gewesen ��� auch um die erhaltenen Informationen besser einsch��tzen und einen Blick auf m��gliche Beweggr��nde werfen zu k��nnen. Diese sind so unterschiedlich wie die T��ter. W��hrend der eine schlicht seinen hohen Lebensstandard finanzieren wolle, habe ein anderer keinen anderen Ausweg aus einer Notlage gesehen. Auch Neugier sei mitunter ein Motiv, erkl��rt Merkel.
Mit der Intelligenz der Informatik gegen das organisierte Verbrechen
Neben dem Expertenwissen, das T��ter und Ermittler zur Verf��gung stellten, nutzte das Forscherteam auch all jene frei verf��gbaren Quellen ��� die ���Open Source Intelligence��� ���, die Wissen ��ber Kriminalit��t im Finanzbereich, ��ber Methoden der T��ter, m��gliche Angriffsziele oder Schwachstellen im System liefern. Auch im Darknet ��� dem anonymisierten Teil des Internets ��� recherchierten sie, auf welchen Wegen T��ter an illegale Werkzeuge wie Skimmer oder Kartenrohlinge gelangen oder auf welchen Plattformen Kreditkartendaten verkauft werden.
![]() |
Als Darknet wird der versteckte Teil des Internets bezeichnet, in dem die Nutzer anonym surfen. Die genaue Zuordnung zu einer IP-Adresse ist dabei erschwert. Wichtige Daten werden verschl��sselt ��bertragen. ��ber herk��mmliche Browser und Suchmaschinen ist das Darknet nicht zu erreichen. Urspr��nglich wurde das ���dunkle Netz��� erfunden, um anonyme Kommunikation zu erm��glichen und damit etwa Whistleblower und Menschenrechtsaktivisten aus autorit��ren Staaten zu sch��tzen. Das Darknet ist jedoch auch Plattform f��r Kriminelle, die in B��rsen Waffen, Drogen oder gestohlene Kreditkartendaten anbieten und verkaufen. |
Im n��chsten Schritt kehrten die Wissenschaftler zur Informatik zur��ck und lie��en die gewonnenen Erkenntnisse in ein Modell einflie��en. ���Unser Modell soll zum einen die Ermittlungen erleichtern und auch zuk��nftige Trends absch��tzen���, erkl��rt der Forscher. Daraus lie��en sich dann entsprechende Pr��ventionsma��nahmen ableiten. Mit dem neuen Instrument, das kurz vor dem Abschluss steht, k��nnen Kriminalbeamte k��nftig leichter erkennen, wie die einzelnen Komponenten eines Finanzverbrechens miteinander verbunden sind.
Dazu benutzten die Informatiker eine Methode, die sie ���Semantische Modellierung��� nennen. ���Die Semantik in der Modellierung wurde erstmalig vom Erfinder des World Wide Web, Tim Berners-Lee, aufgegriffen���, sagt Ronny Merkel. Das Besondere an der Methode ist, dass sie Informationen miteinander verkn��pfen kann. Damit ist es m��glich, nicht nur eine Vielzahl von verschiedenen Informationen in einer Datenbank zu sammeln, sondern auch das Wissen dar��ber zu speichern, welche Beziehung es zwischen ihnen gibt.
Die grundlegende Datenstruktur ist f��r die Forscher dabei ein sogenanntes ���Triplett���. Zwei Sachverhalte, sogenannte Entit��ten, das k��nnen etwa ein T��ter und ein bestimmter Geldautomat sein, sind ��ber eine Relation miteinander verbunden. In diesem Fall zum Beispiel: T��ter A. raubt Geldautomat Nr. 13 aus. Aus zahlreichen Tripletts entstehen komplizierte, netzartige Grafen, in denen kleine K��stchen, die f��r die verschiedenen Entit��ten stehen, am Bildschirm mit farbigen Linien miteinander verbunden sind.
Die dokumentierten F��lle, die die Forscher in ihren Interviews erfragt hatten, konnten sie so nach und nach grafisch abbilden. Zugleich liefert das Modell zus��tzliche Informationen, die ��ber die einzelnen F��lle hinausgehen. Klickt ein Ermittler etwa auf das K��stchen mit der Aufschrift ���T��ter A.��� ��ffnet sich ein weiteres Fenster auf seinem Bildschirm, in dem s��mtliche Informationen ��ber diesen grafisch sichtbar werden. Hat T��ter A. bereits andere Geldautomaten ausgeraubt? Mit wem arbeitet er zusammen? Ist er in weitere Delikte verwickelt? Welche Werkzeuge benutzt er f��r seine Taten? Und noch weiter: Wurden diese Werkzeuge ��� etwa Skimmer, mit denen die Kartenschlitze von Geldautomaten manipuliert werden ��� bereits von anderen T��tern benutzt? Gibt es Kontakte zwischen den T��tern, etwa weil sie zurselben Zeit im selben Gef��ngnis sa��en?
Digitale Ermittlungsarbeit
���Im Prinzip macht unser Modell das Gleiche wie ein klassisch arbeitender Ermittler���, sagt Ronny Merkel. Auch dieser sammelt Informationen und versucht, Zusammenh��nge herzustellen.
Mit dem erforschten Instrument soll der Ermittler diese Zusammenh��nge schneller und pr��ziser finden. Gerade im Bereich der organisierten Kriminalit��t ist die Suche nach den bestehenden Verbindungen eines kriminellen Netzwerks m��hsam und zeitaufwendig. Zus��tzlich wollen die Informatiker ihr Modell so trainieren, dass es auch logische Schl��sse ziehen und diese dem Ermittler vorschlagen kann. Wenn etwa T��ter A. und T��ter B. denselben Geldautomaten zu unterschiedlichen Zeitpunkten angegriffen haben, gibt es m��glicherweise eine Verbindung zwischen beiden. Der Demonstrator wird nun an Beispielf��llen getestet und steht anschlie��end f��r eine weiterf��hrende Erforschung zur Verf��gung. ���Wir machen nat��rlich Grundlagenforschung���, betont Ronny Merkel. Bevor das Werkzeug bei den Ermittlungsbeh��rden zur Anwendung kommt, muss es auf seine Praxistauglichkeit getestet und erweitert werden. ���Wenn es praktikabel ist, wird es akzeptiert���, ist Merkel ��berzeugt. Der Forscher ist optimistisch, dass sich der Ansatz bew��hren wird. Der Vorteil liegt schlie��lich auf der Hand: Anstatt umfangreiche Akten ��ber vergangene F��lle zu w��lzen, gen��gt k��nftig eine digitale Suche.
��
Autorin: Heike Kampe
��
"Teile dieser Ver��ffentlichung entstanden aus dem Forschungsvorhaben ���Organisierte Finanzdelikte - methodische Analysen von Geld-, Daten- und Know-How-Fl��ssen (INSPECT)��� mit dem F��rderkennzeichen 13N13473, welches vom Bundesministerium f��r Bildung und Forschung (BMBF) gef��rdert wird."��
Frauen-Power in der Wissenschaft
Urte K��gebein strahlt Begeisterung aus. Ihre Augen leuchten allein bei den drei Buchstaben MRT. ���In der Magnetresonanztomografie stecken immer wieder ��berraschungen���, sagt sie und meint die Bilder aus dem K��rperinneren des Menschen. Brilliante Schnittbilder liefern mittels der MR-Methode dreidimensionale Informationen ��ber Form, Struktur und Zustand der untersuchten K��rperregionen und Organe. ���Man kann auch die Flie��geschwindigkeit der K��rperfl��ssigkeit und die Elastizit��t des Gewebes messen���, ist Urte K��gebein fasziniert von den technischen M��glichkeiten.
Die junge Frau aus dem altm��rkischen Kl��tze sieht nichts Besonderes darin, dass sie als Frau ein MINT-Fach studiert hat: Elektrotechnik und Informationstechnik an der Otto-von-Guericke-Universit��t Magdeburg. Urte K��gebein gibt zu: Die Neigung zu Mathe und Physik sei ihr vermutlich in die Wiege gelegt worden. Beide Eltern sind Mathe- und Physiklehrer. MINT steht f��r Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik.
M��dchen haben mitunter bessere Zensuren in diesen F��chern als Jungen. Trotzdem r��mpfen sie die Nase bei dem Gedanken, beruflich darauf aufzubauen. Sie erkenne ein unterschiedliches Verhalten beider Geschlechter, sagt die 28-J��hrige: ���Frauen sch��tzen die Anforderungen einer Aufgabe kritischer ein, untersch��tzen aber oft ihre eigenen F��higkeiten und nehmen sich dann eher zur��ck.��� Sie jedenfalls ist auch nach Abschluss ihres Masterstudiums ���Medical Systems Engineering��� der Wissenschaft treu geblieben. F��r unser Gespr��ch hatten wir ein Treffen in ihrem Wohlf��hl-Arbeitsumfeld in der Experimentellen Fabrik vereinbart. Schon als Studentin und wissenschaftliche Hilfskraft war der Forschungsplatz von Urte K��gebein hier am MRT-Siemens MAGNETOM Skyra 3T. Er hat eine Feldst��rke von drei Tesla ��� und eine gro��e R��hre mit Platz f��r Untersuchungen, gar f��r Intervention. Jetzt als Doktorandin kann sie hier noch tiefer in ihr Spezialgebiet eintauchen: MR-gef��hrte minimal-invasive Intervention. Urte K��gebein erforscht ein optisches Tracking-System, das eine intuitive Instrumentenf��hrung und Bildsteuerung im Inneren des MRT durch den menschlichen K��rper erm��glichen soll.
Weibliche Vorbildrolle f��r kommende Generationen��
Ihre Kollegin Mandy Grundmann hat sich mit ihrer Forschung im MRT- Labor schon erste wissenschaftliche Sporen verdient. Sie stellte in ihrer Doktorarbeit dar, inwieweit minimal-invasive Instrumente wie Katheter und Nadeln f��r den bildgef��hrten Eingriff in ihrer Hardware verbessert werden k��nnen, damit sie f��r den Arzt leicht handhabbar sind und von ihm punktgenau platziert werden.
Urte K��gebein war zu der Zeit wissenschaftliche Hilfskraft und leistete Zuarbeiten f��r diese Arbeit. Mit Auszeichnung verteidigte Mandy Grundmann ihre Dissertation ���Semi-aktive Instrumentenvisualisierung in der interventionellen Magnetresonanztomographie���. Daf��r erhielt sie vom Magdeburger Bezirksverein der Deutschen Ingenieure den VDI-F��rderpreis 2016. Dass sie in einem ingenieurtechnischen Beruf Karriere machen w��rde, h��tte Mandy Grundmann nicht gedacht, als sie in Leipzig ihr Abitur absolvierte und zun��chst mit einem Jura-Studium lieb��ugelte. ���Zum Gl��ck hatte ich bei einer Freundin vorab den Einblick, was da auf mich zu kommt ...���, meint Mandy Grundmann heute noch sichtlich froh, dass sie sich f��r die Elektrotechnik an der Otto-von Guericke-Universit��t in Magdeburg entschied. ���Man kann sich doch einfach mal in Vorlesungen reinsetzen und m��glicherweise feststellen, dass Mathe gar nicht so schlimm ist, wie sich das manche vorstellen���, r��t sie allen (M��dchen). Was man nicht kennt, k��nne man auch nicht realistisch einsch��tzen, wei�� sie aus eigenen Erfahrungen. Die sammelte sie im Vorfeld ihrer Berufswahl bei allem, was die Uni an Kursen und Schnupperangeboten anbot. Inzwischen ist sie es, die vor Sch��lern und Studierenden ein gutes Beispiel f��r Frauen-Power in der Ingenieurtechnik abgibt ��� und vielleicht sogar eine Entscheidungshilfe ist f��r manch eine Unentschlossene. Auch Urte K��gebein ist eine Botschafterin in dieser Sache. In diesem Sommer betreute sie Sch��lerinnen und Sch��ler, die ein MINT-Praktikum an der Uni absolvierten. Zudem leiten die beiden Wissenschaftlerinnen jeweils die Forschungsgruppen ���MR-Instrumente��� und ���Interventionelle MR-Bildgebung���.
��

Prof. Dr.-Ing. Georg Rose (Foto: Stefan Berger)
Prof. Georg Rose ist stolz auf die beiden Fachfrauen und ist ��berzeugt, dass sie an ihren Aufgaben in der Wissenschaft wachsen werden. Guten N��hrboden finden sie an der Otto-von-Guericke-Universit��t Magdeburg allemal. Besagtes Hightech-Labor ist das ���Herz��� von STIMULATE ��� Solution Centre for Image Guided Local Therapies. Der Forschungscampus ist einer von neun in Deutschland. Lediglich zwei forschen auf dem Gebiet der Medizintechnik, einer davon in Magdeburg. Auch Mandy Grundmann und Urte K��gebein profitieren mit ihren Stellen als wissenschaftliche Mitarbeiterin und als Doktorandin von der bis zu 15-j��hrigen F��rderung durch Bund und Land.
��
![]() |
Warum fehlen Frauen in der Wissenschaft?��Weil ihnen die Vorbilder fehlen, wird oft als ein Grund angef��hrt. Professor Georg Rose, Direktor des Instituts f��r Medizintechnik an der Otto-von- Guericke-Universit��t Magdeburg, beobachtet jetzt mit Freude einen Wandel. Er sch��tzt die Zusammenarbeit mit den engagierten und fachlich exzellen- ten Frauen in seinem Fachgebiet. ���Sie treiben die Forschung proaktiv voran und entwickeln die St��rke, eine Vorbildrolle f��r kommende Generationen zu ��bernehmen.��� |
Forschen f��r eine patientenfreundliche Medizin der Zukunft
Die Otto-von-Guericke-Universit��t Magdeburg mit ihrem Uniklinikum, der STIMULATE-Verein mit seinen 20 Mitgliedern aus Wirtschaft und au��eruniversit��rer Forschung und nicht zuletzt die Siemens Healthcare GmbH als dritter Partner im Bunde von STIMULATE stehen im st��ndigen interdisziplin��ren Austausch. ���Intelligente Katheter ��� Kathetertechnologien���, kurz INKA, ist ein wichtiges Partnerprojekt f��r den Forschungscampus. Von INKA werden Operationswerkzeuge und -systeme f��r minimal-invasive Operationstechniken entwickelt. Georg Rose ist der Sprecher von STIMULATE. Er und seine Mitstreiter haben eine Vision: In Magdeburg soll das ���Deutsche Zentrum f��r bildgest��tzte Medizin��� aufgebaut werden.
Urte K��gebein zeigt die vom MRT gescannten Bilder einer Leber mit Tumor. Minimalinvasive Instrumente w��rden hier eine lokale Hitzetherapie m��glich machen, sagt die Medizintechnikerin ��� und freut sich ganz nebenbei, dass in ihrer Berufsbezeichnung die ���Medizin��� das Bestimmungswort vor der Technikerin ist. Ein Medizinstudium w��re ihr zweitplatzierter Wunsch gewesen, verr��t sie. Somit interessiere sie sich auch f��r die neuen Therapiemethoden, f��r die sie die technischen Voraussetzungen schafft. Sie zeigt eine Aufnahme mit der Einstechsonde, die unter MRT-Kontrolle in den Tumor eingef��hrt wurde. ���Eine im Tumor platzierte Antenne schickt Mikrowellen durch das Gewebe. Die Wassermolek��le fangen an zu schwingen, wodurch Hitze entsteht. Wie in einer Mikrowelle verkochen die Tumorzellen von innen���, erkl��rt die Wissenschaftlerin. Selbstredend m��sse die Technik so pr��zise arbeiten, dass kein gesundes Gewebe zerst��rt wird. In ihrer Doktorarbeit verfolgt sie eine im wahren Wortsinne richtungsweisende Idee: ein Trackingsystem mit optischen Moir��-Phase-Markern. Die Moir��-Muster ver��ndern ihr Aussehen bei kleinster Drehung und erinnern dabei an die Bilder aus einem Zauberrohr. ���Positionen in sechs Freiheitsgraden k��nnen von einer Kamera im Inneren der MRT-R��hre erfasst und zur Steuerung der MRT-Bilder genutzt werden. Wenn die Nadel bewegt wird, beispielsweise durch die Atmung des Patienten, geht die Bildebene mit���, sagt Urte K��gebein. F��r die junge Wissenschaftlerin ist es wichtig zu wissen, dass ihre Arbeit in der Praxis gebraucht wird. Darum k��nne sie sich auch vorstellen, sp��ter in einer Klinik eng mit Medizinern zusammenzuarbeiten.
Gemeinsame Visionen und Meilensteine auf dem Forschungscampus
��
![]() |
Die Zusammenarbeit zwischen STIMULATE und den ��rzten am Magdeburger Uniklinikum ist intensiv. So stehen in der Neuroradiologie Ger��te, die vergleichbar sind mit denen in der Experimentellen Fabrik. Das erlaubt eine gemeinsame und vergleichende Auswertung der medizinischen Daten. |
���Auch die Medizinische Hochschule Hannover ist unser Partner und Mitglied im STIMULATE-Verein. Wir arbeiten mit Ger��ten vom selben Hersteller, so dass unsere Entwicklungen f��r die MRT-gef��hrte minimalinvasive Tumorbehandlung schnell in die klinische Routine ��bertragen werden k��nnen���, sagt Georg Rose. Die Internationalisierung der wissenschaftlichen Kooperation benennt Professor Rose als ein Ziel auf dem Weg zum internationalen Referenzzentrum f��r minimalinvasive Therapien. Jetzt, nach drei Jahren Laufzeit der Forschungsf��rderung, sind schon einige Meilensteine aufgestellt. Eine erfolgreiche Zusammenarbeit g��be es beispielsweise mit der University of Wisconsin in Madison bzw. mit der Stanford University in Kalifornien. Das amerikanische Unternehmen MedWaves, Inc. aus San Diego ��� es stellt Systeme f��r die mikrowellenbasierte Zerst��rung von Tumoren her ��� plane sogar, mit einer Au��enstelle nach Magdeburg zu ziehen, freut sich Georg Rose und nennt in diesem Zusammenhang ��berzeugende Standortvorteile: ���Unser Forschungscampus kann nicht nur bei der Weiterentwicklung der Ger��te helfen. Wir haben an der Otto-von-Guericke-Uni exzellente Fachkr��fte. Und: Hier wird den Firmen der Nachwuchs geradezu gebacken. 2008 haben wir den internationalen Master-Studiengang Medical Systems Engineering aufgebaut und 2014 wurde der Bachelorstudiengang Medizintechnik eingef��hrt. Er ist bez��glich der Bewerberzahlen der zweitst��rkste Bachelorstudiengang der Ingenieurwissenschaften.���
Vom Transfergedanken geradezu beseelt, arbeitet der Forschungscampus STIMULATE eng mit dem Cluster Medizintechnik in Sachsen-Anhalt zusammen. Das Land entwickelt sich zu einem bedeutenden Standort innerhalb dieser Branche. ���Bund und Land stellen F��rdermittel bereit, die uns attraktive Forschungsprojekte mit Firmen aus der Region und dar��ber hinaus erm��glichen���, sagt STIMULATE-Sprecher Rose und malt das Bild von der Forschungskeimzelle, um die herum sich Firmen ansiedeln.
In Bezug auf die Verwirklichung dieser Campusidee hat Mandy Grundmann eine neue berufliche Herausforderung angenommen. Gerade baut sie eine ���Servicegruppe Transfer��� auf. Deren haupts��chliche Aufgabe ist es, die Forschungsergebnisse von STIMULATE in die Praxis zu transferieren. ���Schlie��lich wollen wir positive wirtschaftliche Effekte generieren���, sagt die Wissenschaftlerin und, dass sie Aus- und Neugr��ndungen wie auch ansiedlungswillige Firmen begleitet und ber��t. Auch darin hat die junge Frau ihre Kompetenzen. Ein wacher Gr��ndergeist zieht sich durch ihren famili��ren Background.
Und sie kann von einem ersten Ansiedlungserfolg bei STIMULATE berichten. ACES aus Filderstadt bei Stuttgart, ein ingenieur-technisches Beratungs- und Dienstleistungsunternehmen mit dem Schwerpunkt Medizintechnik, ist nach Magdeburg gezogen. ACES, so die Transfer-Beauftragte, stelle sich gerade neu auf ��� hin zur medizinischen Bilddatenverarbeitung. Das Unternehmen verspreche sich durch die N��he zur Uni sowie durch die Kooperation mit STIMULATE einen Zugang zu gut ausgebildeten Fachkr��ften und einen Innovationsschub, der seine Wettbewerbsf��higkeit st��rkt.
���Genau darum geht es. Wir k��nnen nur dann erfolgreich sein, wenn wir durch Innovation ��berzeugen���, sagt STIMULATE-Sprecher Rose. Mit diesem Anspruch agierend, hat der Forschungscampus inzwischen Dimensionen erreicht, die den r��umlichen wie auch den inhaltlichen Rahmen der Experimentellen Fabrik sprengen. Mit zw��lf Millionen Euro f��rdert das Land ein neues Domizil, in dem STIMULATE mit seinem Partnerprojekt INKA und mit den Firmen, die sich in diesem inspirierenden Umfeld ansiedeln, weitere R��ume finden, in denen sie ihre Visionen verwirklichen k��nnen.
��
![]() |
Apropos Visionen: Georg Rose bringt da den Wissenschaftshafen ins Spiel. In der Tat hat es eine gewisse Symbolkraft, wenn der Schriftzug STIMULATE aus dem historischen Speicherbau einen Leuchtturm macht, der weit hineinstrahlt in die Wirtschaft und Industrie. Die Verbindung zur Praxis ist auch den jungen Wissenschaftlerinnen wichtig. Forschen um des Forschens Willen ist nicht ihr Ding. Anwendungsorientiert m��sse all das Streben schon sein, meinen Mandy Grundmann und Urte K��gebein. |
��
Autorin: Kathrein Graubaum

