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Mit nichts als einem Ziel im Gepäck

In Homs, der drittgrößten Stadt Syriens, hat Zain Edeen Akash Geologie studiert. Seine Leistungen waren exzellent, bis der Krieg anfing und seine Heimatstadt bombardiert wurde. Lautes Knallen, zerstörte Häuser und Stromausfälle haben ihm zwei Semester vor seinem Abschluss das Lernen erschwert und den Besuch der Universität unmöglich gemacht. Als sein Bruder dann 2015 verhaftet wurde und Zain das Gleiche drohte, entschied sich der 23-Jährige, aus Syrien zu fliehen. Sein Studium in Syrien konnte er nicht mehr abschließen und verfolgt jetzt seinen Traum, in Deutschland zu studieren.

Auf seinem Weg nach Deutschland hat Zain den Libanon, die Türkei, Griechenland sowie den Balkan durchquert. Manchmal nur mit einem Schlauchboot zwischen ihm und dem Meer. Im Oktober 2015 kam er nach seiner beschwerlichen und langen Reise in Biederitz an. Dort hat er seinen ersten Deutschkurs mit Erfolg absolviert und sich bereits über seine Studienmöglichkeiten in Deutschland informiert. Der Flüchtlingskoordinator der Universität, Hanna Astafan, war dem zielstrebigen jungen Mann dabei behilflich. Für den studienvorbereitenden Kurs im Mai 2016 ist Zain extra nach Magdeburg gezogen. Mit dem Ziel, die Deutschsprachprüfung für den Hochschulzugang (DSH) zu bestehen, um in Deutschland studieren zu können, hat sich der Bruder von vier Geschwistern im Unterricht immer konzentriert. „Da alle in meiner Gruppe aus Syrien kamen, war es manchmal schwer, deutsch zu sprechen. Aber die Stimmung in dem Kurs war gut, sodass sich alle gegenseitig geholfen und zum Deutschsprechen aufgefordert haben. Durch den Kurs haben sich viele Freundschaften entwickelt“, schwärmt Zain.

Zain Akash (c) privat

15 weitere Flüchtlinge aus seiner Gruppe haben die DSH-Prüfung bestanden. Trotz der knappen Vorbereitungszeit von nur zehn Monaten, um die Sprache zu erlernen, hat der Sohn aus einer Akademikerfamilie als einer der vier Besten im März 2017 die Prüfung absolviert und sich somit einen Schritt auf sein Ziel zubewegt. „In baldigen Gesprächen werden wir mit den anderen Kursteilnehmerinnen und -teilnehmern, die erfolgreich ihre Prüfung abgelegt haben, über ihre Wünsche und Pläne sprechen, um Möglichkeiten eines Studiums oder überbrückender Bildungsmaßnahmen oder Praktika zu prüfen“, ergänzt Flüchtlingskoordinator Astafan.

Da aber nicht nur die Sprache, sondern auch die Kultur wichtig ist, um ein Land kennenzulernen, hat Zain an Workshops an der Universität teilgenommen. Von IKUS und dem Uni-Projekt MitSpracheRecht hat der Syrer viel Unterstützung bekommen und mit den Organisatoren und Organisatorinnen Freundschaften geschlossen. So blieb es nicht nur beim Unterricht. Gemeinsam mit den Teilnehmenden und Organisatoren wurden viele Ausflüge unternommen, gegrillt oder gefeiert.

Um ständig dazuzulernen und sich in die Gesellschaft zu integrieren, hat der angehende Student einen Nebenjob im Roncalli-Haus, wo er auch Vorträge hält. Auch seine Wohnung möchte der 23-Jährige gegen eine Wohngemeinschaft tauschen. „Es ist einfach schöner, wenn man nicht alleine wohnt und noch jemand da ist. Dann kann man zum Beispiel auch gemeinsam kochen und voneinander lernen“, erzählt Zain.

Weil er Magdeburg schön findet und sich hier wohlfühlt, möchte er bleiben. Im Mai hat sich der gut organisierte Syrer für den Studiengang Wasserwirtschaft an der Fachhochschule beworben. „Es ist das, was ich machen möchte. Ich interessiere mich für alles, was mit der Natur zusammenhängt und kann somit an mein früheres Geologiestudium in Syrien anknüpfen“, betont er. Nach seiner bestandenen DSH-Prüfung hat Zain alle nötigen Unterlagen, um ein Studium in Deutschland aufzunehmen und seinen Abschluss zu machen.

Letzte Änderung: 04.10.2017 - Ansprechpartner:

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