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Schlagzeilen

Probanden für Studie zu Strategien gegen Leistungsabfall im Alter gesucht

17.10.2017 -

Laut Demenzreport 2011 sind in Deutschland etwa 1,3 Millionen Menschen an Demenz erkrankt und bis zum Jahr 2050 wird sich diese Zahl voraussichtlich mehr als verdoppeln. Im Rahmen eines gemeinsamen Forschungsprojekts der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg und des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen DZNE wollen Sport- und Neurowissenschaftler nun untersuchen, welche Übungsprogramme den größten Effekt auf die körperliche und geistige Fitness im Alter haben und wie sich wiederum fehlende körperliche Aktivität auf den Alterungsprozess auswirkt.

In einer langangelegten Studie vergleichen sie die Wirkung von Tanzprogrammen in der Gemeinschaft mit individuell gestalteten Fitnessprogrammen und untersuchen deren Einfluss auf physische und kognitive Fähigkeiten.

„Es gilt als gesichert, dass im Alter die Gefahr, an Demenz zu erkranken, exponentiell ansteigt“, so Prof. Anita Hökelmann vom Institut für Sportwissenschaft der Universität Magdeburg. „Daher sollten wesentliche kognitive Funktionen sowie Kompetenzen der Bewegungskoordination möglichst bis ins hohe Alter trainiert werden. In unserer Studie wollen wir nun geeignete Strategien dafür entwickeln.“

Dazu werden Probandinnen und Probanden ab einem Alter von 60 Jahren gesucht. Zum einen welche, die keinen regelmäßigen Sport treiben und nur sporadisch körperlich aktiv sind, zum anderen solche, die seit mindestens drei Jahren aktiv Tanzsport betreiben. Ausgeschlossen davon sind:

  • Träger von Metallimplantaten, wie Herzschrittmachern, Knie-oder Hüftendoprothesen bzw. Zahnschrauben,
  • Träger von Tätowierungen,
  • Patienten mit Tinnitus, Platzangst oder
  • Patienten, die Medikamente gegen Depressionen, Epilepsie und Demenz einnehmen.

Um den aktuellen Gesundheits- und Leistungszustand zu erfassen, werden verschiedene Messungen und Tests durchgeführt. Sie finden sowohl im Institut für Sportwissenschaft (Universität Magdeburg, Zschokkestraße 32, Gebäude 40) als auch im DZNE (Medizinercampus, Leipziger Straße 44, Haus 64) statt.

Für die Teilnahme an der Studie gibt es sowohl eine Vergütung als auch eine individuelle Auswertung der körperlichen und kognitiven Leistungsstärke.

Für mehr Informationen steht im Institut für Sportwissenschaft Mandy Knoll zur Verfügung. Sie ist telefonisch unter +49 391 67-54866 oder 0174 6185541 und per E-Mail zu erreichen.

 

Weitere Projekte

Forscherinnen und Forscher des Instituts für Sportwissenschaften und des Instituts für Fertigungstechnik und Qualitätssicherung der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg entwickeln einen speziellen Sport-, Tanz- und Therapierollator für Senioren.

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Uni Magdeburg eröffnet psychotherapeutische Hochschulambulanz

16.10.2017 -

An der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg öffnet eine Hochschulambulanz für Psychotherapie. Die am Lehrstuhl für Neuropsychologie der Fakultät für Naturwissenschaften angesiedelte Einrichtung bietet zum einen die Möglichkeit, Patientinnen und Patienten in ambulanten Kurzzeit- und Langzeittherapien zu behandeln, zum anderen werden im Rahmen von Forschungsprojekten klinisch-neurowissenschaftliche Fragestellungen erörtert. Darüber hinaus erhalten Studierende erste Einblicke in die klinisch-praktische Arbeit der Psychotherapie.

Von der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen-Anhalt zur Durchführung von Psychotherapien ermächtigt, werden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Hochschulambulanz künftig im Gebäude 28 auf dem Universitätscampus ihre Arbeit aufnehmen. „Wir versprechen uns durch die Einbindung von klinischer Forschung und Lehre in unsere Arbeit große Synergieeffekte und hoffen darüber hinaus, die angespannte Versorgungslage von Patienten in der Region zu verbessern“, so der ärztliche Leiter der Hochschulambulanz, Prof. Dr. Markus Ullsperger, vom Lehrstuhl für Neuropsychologie der Universität Magdeburg. „Derzeit wird außerdem über eine Reform der Psychotherapeutenausbildung, sprich: ein Direktstudium nach Vorbild des Medizinstudiums, das mit der Approbation enden soll, diskutiert. Dafür wären wir durch eine Stärkung der Klinischen Psychologie am Hochschulstandort Magdeburg gut aufgestellt.“

 

WAS: Eröffnung der Hochschulambulanz für Psychotherapie am Lehrstuhl für Neuropsychologie der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg
WANN: 23. November 2017, 9:15 Uhr – 12:00 Uhr
WO: Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Universitätsplatz 2, 39106 Magdeburg, Gebäude 5, Senatssaal

 

Nach der Begrüßung durch den Rektor, Prof. Dr.-Ing. Jens Strackeljan, und dem Einführungsvortrag des ärztlichen Leiters, Prof. Dr. med. Markus Ullsperger, zur Hochschulambulanz als Schnittstelle zwischen neurowissenschaftlicher Grundlagenforschung und klinischer Anwendung, folgt ein Vortrag von Frau Prof. Dr. Tanja Endrass zum Thema „Von den neurobiologischen Grundlagen zur Psychotherapie der Zwangsstörung“. Ab ca. 11:00 Uhr gibt es die Möglichkeit für Gespräche und Erfahrungsaustausch.

Zahlen und Fakten

Laut der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) zählen psychische Erkrankungen in Deutschland nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen, bösartigen Neubildungen und muskuloskelettalen Erkrankungen zu den vier wichtigsten Ursachen für den Verlust gesunder Lebensjahre. Menschen mit psychischen Erkrankungen haben zudem im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung eine um 10 Jahre verringerte Lebenserwartung. Psychische Erkrankungen sind heute mit 43 Prozent auch der häufigste Grund für Frühverrentungen. Der Statistik weiter zufolge sind jedes Jahr etwa knapp ein Drittel der erwachsenen Bevölkerung von einer psychischen Erkrankung betroffen. Das entspricht etwa 17 Millionen betroffenen Personen. Zu den häufigsten Erkrankungen zählen Angststörungen und Störungen durch Alkohol- oder Medikamentenkonsum.

Die Kosten für die Volkswirtschaft aufgrund psychischer Erkrankungen belaufen sich in Deutschland auf rund 28.7 Milliarden Euro im Jahr. Für Rehabilitationsleistungen werden jährlich rund 2 Milliarden Euro aufgewendet.

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Uni und Wirtschaft schaffen neues Förderformat für künftige Fachkräfte

10.10.2017 -

Die Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg hat in Kooperation mit der regionalen Wirtschaft ein neues Stipendienmodell zur Förderung engagierter Studierender entwickelt und zum Wintersemester 2017/2018 erstmals das Unternehmensstipendium der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg ausgeschrieben. Stipendiatinnen und Stipendiaten werden von einem regionalen Unternehmen über den Zeitraum von mindestens einem Jahr und 300 Euro im Monat finanziell unterstützt.

Über die Vergabe der Stipendien entscheiden Universität und Unternehmen gemeinsam. Neben der finanziellen Förderung können Angebote wie Praktika, die Teilnahme an firmeninternen Veranstaltungen und Weiterbildungsmaßnahmen, die Begleitung von Haus- und Abschlussarbeiten oder die Aufnahme einer Werkstudententätigkeit Bestandteil der Förderung sein.

Die ersten beiden OVGU-Unternehmensstipendien werden am 19. Oktober 2017 im Rahmen des Netzwerktreffens der Kooperationspartner der Universität Magdeburg „netzwerken@OVGU“ übergeben.

 

WAS: Vergabe der ersten „OVGU-Unternehmensstipendien“ auf dem Netzwerktreffen der Kooperationspartner „netzwerken@ovgu“
WANN: 19. Oktober 2017, ab 16:00 Uhr, (Einlass ab 15:30 Uhr)
WO: regiocom GmbH, Marienstraße 1, 39112 Magdeburg

 

„Wir schaffen mit diesem Angebot für die regionale Wirtschaft eine weitere Möglichkeit der frühzeitigen Fachkräftegewinnung und eine schöne Win-win-Situation für alle Beteiligten“, so der Rektor der Universität Magdeburg, Prof. Dr.-Ing. Jens Strackeljan. „Die ideelle und finanzielle Förderung bietet Unternehmen eine hervorragende Gelegenheit, persönliche Kontakte aufzubauen und hochqualifizierte Absolventen schon zu einem relativ frühen Zeitpunkt für ihre Firma zu begeistern. Die Studierenden wiederum können sich schon während der Studienzeit in der Unternehmenswelt vernetzen und wertvolle Erfahrungen sammeln, die die Ausbildung an der Universität sinnvoll unterstützen und verstärken.“

Die Universität erweitert damit die Möglichkeiten zur finanziellen Unterstützung ihrer Studierenden.

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Unternehmen werben um Uni-Absolventen

09.10.2017 -

Die gestiegene Nachfrage nach qualifizierten Fachkräften im Land sorgt auch auf der inzwischen 15. Firmenkontaktmesse der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg für eine Rekordbeteiligung regionaler und internationaler Unternehmen. Mehr als 100 namhafte Aussteller wie Amazon, AVACON, BOSCH, Continental, Dow Olefine, Enercon, Deutsche Bahn und HERMES, aber auch kleinere regionale Firmen wie regiocom, SKW Stickstoffwerke Piesteritz GmbH, SelectLine, Sensotech oder die FuelCon AG werben am 18. und 19. Oktober 2017 um hoch qualifizierte Absolventinnen und Absolventen der OVGU.

Auf dem zweitägigen Recruting-Event werden bis zu 4.000 Besucher erwartet. Gut eine Woche vor Beginn der Firmenkontaktmesse liegen rund 400 Job- und Praktikumsangebote von Unternehmen vor.

Der Besuch der Firmenkontaktmesse ist kostenfrei.

 

WAS: 15. Firmenkontaktmesse der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg
WANN: 18. und 19. Oktober 2017, jeweils von 9:30 Uhr bis 16:00 Uhr
WO: Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Universitätsplatz 2, Gebäude 22

 

Auf der Firmenkontaktmesse haben Studierende und Absolventen an der Schnittstelle von Universität und Wirtschaft die Möglichkeit, mit namhaften national und international tätigen Unternehmen aus verschiedensten Branchen wie dem Automobilbau, der Luft- und Raumfahrt, der Energieversorgung, Verkehrslogistik oder dem Maschinenbau ins Gespräch zu kommen, das Unternehmen kennenzulernen, Berufseinstiege zu planen und Karrierechancen auszuloten. Flankiert wird die 15. Firmenkontaktmesse wieder von einem umfangreichen Vortragsprogramm. Auf der Website der Firmenkontaktmesse können sich Interessenten bereits im Vorfeld für die rund 40 Vorträge anmelden.

Zum umfangreichen Rahmenprogramm der Firmenkontaktmesse gehören zudem ein JOB-SPEED-DATING und ein Karriere-Café, betreut durch den Career Service der Uni Magdeburg. Neben Beratungen und Gesprächen werden überdies kostenfreie professionelle Persönlichkeitsanalysen durchgeführt und High-Quality-Bewerberfotos angefertigt.

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Welche Prinzipien organisieren das lebenslange Wachstum von Neuronen?

06.10.2017 -

Magdeburger Neurowissenschaftlerinnen und -wissenschaftler sind an einem Forschungsprojekt, REBIRTHT4S, beteiligt, das soeben für die Endrunde der „Exzellenzstrategie des Bundes und der Länder“ nominiert wurde. Der interdisziplinäre Forschungsverbund REBIRTH wird bereits seit 2006 im Rahmen der Exzellenzinitiative gefördert. Für einen Neuantrag wurde jetzt ein Konzept für den Forschungsverbund für regenerative Wissenschaften, Medizin und Technologie REBIRTHT4S eingereicht. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Medizinischen Hochschule Hannover und der Leibniz-Universität Hannover wollen gemeinsam mit Magdeburger Hirnforschern ein breites Spektrum an therapeutischen Konzepten und Technologien entwickeln, um die Entstehung und Ausbreitung von Volkskrankheiten zu verstehen. Dabei geht es vor allem um Therapiemethoden und Erkenntnisse zu Krankheitsmechanismen für Blut, Leber, Lunge und Herz und Stammzellbiologie.

shutterstock (c) Tiko Aramyan 2

Neurowissenschaftler der Uni Magdeburg an einem Projekt der Exzellenzinitiative beteiligt (Foto: shutterstock (c) Tiko Aramyan)

Die an dem Neuantrag beteiligten Magdeburger Neurowissenschaftler untersuchen gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen aus Niedersachsen den Zusammenhang von Plastizität im Gehirn und der Gesundheit anderer Organsysteme wie Herzkreislauf, Lunge, Leber und Blut. Plastizität meint die Eigenart von Synapsen, Nervenzellen oder auch ganzen Hirnarealen, sich zwecks einer Optimierung laufender Prozesse in ihrer Anatomie und Funktion zu verändern. Ziel ist es, herauszufinden, welche organübergreifenden Prinzipien das lebenslange Wachstum von Neuronen und Gefäßen regulieren.

Der Forschungsstandort Magdeburg ist in der bildgebenden Vermessung derartiger Wachstumsvorgänge beim Menschen international führend. Die Forscher erhoffen sich durch die gemeinsame Forschung in REBIRTHT4S insbesondere neue Erkenntnisse für die Prävention und Behandlung neurodegenerativer Erkrankungen. „Wir sind sehr stolz, dass unser neurowissenschaftlicher Standort Magdeburg bei diesem seit Jahren erfolgreich agierenden Projekt der Exzellenzinitiative vertreten ist“, betont der Rektor der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Prof. Dr.-Ing. Jens Strackeljan.

60 Millionen Euro für REBIRTH

Der Forschungsverbund REBIRTH erhielt in der ersten Förderperiode 2006 bis 2011 32 Millionen Euro, in der zweiten rund 28 Millionen Euro. In dieser Zeit konnten die Forscher 88 Patente anmelden, 15 Erfindungen lizensieren und sieben Start-up-Unternehmen gründen. In dem angegliederten Doktorandenprogramm „Regenerative Sciences“ wurden über 100 Nachwuchsforscher ausgebildet und zahlreiche, weltweit beachtete Studien publiziert.

In der „Exzellenzstrategie des Bundes und der Länder“ zur weiteren Stärkung der Spitzenforschung an den Hochschulen in Deutschland sind vor wenigen Tagen die ersten Entscheidungen gefallen. Das auf Vorschlag der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und des Wissenschaftsrates (WR) von der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz (GWK) berufene internationale Expertengremium hat auf seiner Sitzung am 27. und 28. September 2017 in Bonn in der Förderlinie Exzellenzcluster insgesamt 88 Projekte für die Endrunde bestimmt. Sie wurden aus insgesamt 195 Antragsskizzen ausgewählt, die bis Anfang April dieses Jahres von 63 Hochschulen bei der DFG – die gemäß der Verwaltungsvereinbarung von Bund und Ländern den Wettbewerb in der Förderlinie Exzellenzcluster durchführt – eingereicht und in den vergangenen Monaten in 21 international besetzten Panels nach wissenschaftlichen Qualitätskriterien begutachtet worden waren.

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Wie uns bewusst wird, was wir tun

30.08.2017 -

Der Verhaltensneurologe Dr. Max-Philipp Stenner vom Leibniz-Institut für Neurobiologie (LIN) und der Universitätsklinik für Neurologie der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg erhält für seine Untersuchungen zum menschlichen Bewusstsein ein Freigeist-Stipendium der VolkswagenStiftung. Gefördert wird damit seine Arbeit zu Fragen, wie der Mensch Bewegungen zielgerichtet steuert und wie er sich dabei seiner Handlungen bewusst wird. Mit jeweils einer Million Euro unterstützt die VolkswagenStiftung junge Forscher aller Fachgebiete und deren Projekte, die durch ihre außergewöhnlichen Lösungsansätze hervorstechen.

Wir erleben es beim Tennisspielen, beim Musizieren oder bei alltäglichen Handlungen wie Schreiben oder Sprechen: Während sich unsere Muskeln in exakt aufeinander abgestimmter Abfolge zusammenziehen und wieder entspannen und unseren Körper dadurch zielgerichtet bewegen, haben wir nichts anderes als eben dieses Ziel vor Augen: den gegnerischen Spieler in die linke Ecke zu treiben, eine Melodie zu spielen oder in Wörtern auszudrücken, was wir sagen wollen. Aber wie kommt es zu den rasanten, exakt koordinierten und höchst anpassungsfähigen Abfolgen von Muskelkontraktionen, die nötig sind, um diese Ziele zu erreichen? Und wie entsteht dabei unser bewusstes Erleben der eigenen Handlung? Um diesen Fragen auf den Grund zu gehen, wurde Max-Philipp Stenner jetzt für sein Projekt „Sensorimotor Rhythms for Internal Forward Modelling in the Human Brain“ mit einem Freigeist-Stipendium der VolkswagenStiftung ausgezeichnet.

Stenner

Dr. Max-Philipp Stenner Foto: privat

 

„Zielgerichtetes Handeln setzt voraus, dass Handlungskonsequenzen im Gehirn vorhergesagt werden können“, erklärt Stenner. In seinem Projekt untersucht er, wie diese Vorhersagen zustande kommen, wie sie in unsere Bewegungsplanung integriert werden und wie wir auf ihrer Grundlage unser Handeln subjektiv erleben. Er ergänzt: „Um Handlungskonsequenzen vorhersagen zu können, müssen wir sehr unterschiedliche Informationen kombinieren, beispielsweise aus welcher Richtung sich beim Tennisspielen der Ball nähert, in welcher Position sich der eigene Arm zu diesem Zeitpunkt befindet oder wie ermüdet der eigene Bewegungsapparat schon ist.“ Eine der neuartigen Ideen in Stenners Projekt ist, dass diese Kombination auf einem Mechanismus namens neuronaler Synchronizität beruht, und dass dieser Mechanismus gleichzeitig reguliert, wie Vorhersagen zu einem bewussten Erleben der eigenen Handlung führen.

Messungen im Gehirn und Rückenmark

Um diesen Ideen nachzugehen, kombiniert Stenner verschiedene Methoden zur Messung rhythmischer elektrischer Felder im menschlichen Gehirn und Rückenmark, die Grundlage dieser Synchronizität sind. Zum Einsatz kommen nicht-invasive Messmethoden wie die Magnetenzephalographie in gesunden Probanden, aber auch invasive Messungen über Elektroden, die an den Kliniken für Neurologie und stereotaktische Neurochirurgie zur Behandlung unterschiedlicher neurologischer Erkrankung direkt in das menschliche Nervensystem implantiert werden. Hierzu gehören Messungen über Elektroden, die zur Tiefen Hirnstimulation beim Morbus Parkinson oder zur Rückenmarksstimulation bei Schmerzpatienten genutzt wurden. Durch diese invasiven Messungen können zusätzliche Einblicke in Regionen des Nervensystems gewonnen werden. „Mit dieser Herangehensweise können somit erstmals elektrische Felder im menschlichen Rückenmark systematisch untersucht werden“, so Stenner.

Diese elektrophysiologischen Messungen kombiniert Stenner mit gezielten Verhaltensbeobachtungen: „Wir lassen in einem typischen Experiment gesunde Probanden und Patienten Zielbewegungen mit einer Hand ausführen, ohne dass die Teilnehmer ihre eigene Hand sehen. Stattdessen sehen sie einen Punkt auf einem Bildschirm, der entweder genau ihrer Handbewegung folgt oder relativ zu dieser verdreht ist. Im letzteren Fall lernen Teilnehmer also, eine veränderte visuelle Konsequenz ihrer Handbewegung – die Bewegung des Punktes – vorherzusagen. Typischerweise berücksichtigen sie diese veränderte Vorhersage sowohl bei ihrer Bewegungsplanung, etwa um ein Ziel zu treffen, als auch in ihrer Wahrnehmung der eigenen Armbewegung, die sich an die Bewegung des Punktes schrittweise anpasst.“

 

Motorisches Lernen verstehen

Stenner ist Forscher und Arzt. Ein langfristiges Ziel seiner Studien ist es deshalb, motorisches Lernen so weit zu verstehen, dass es gezielt verbessert werden kann. Das ermöglichen zum Beispiel Hirnstimulationsmethoden, die zu einer verbesserten Rehabilitation von Lähmungen beitragen könnten, etwa nach einem Schlaganfall. Zudem bietet das Projekt einen neuen Erklärungsansatz für die Entstehung psychiatrischer Erkrankungen, die mit einer veränderten Kontrolle und Wahrnehmung eigener Handlungen einhergehen, und zwar mit einem besonderen Augenmerk auf Zwangserkrankungen.

Jedes Jahr bewerben sich 120 bis 180 junge Forscher bei der VolkswagenStiftung um die prestigeträchtige Förderung, von denen nur zwischen sechs und zwölf dieses Ziel erreichen. Mit der Fördersumme von einer Million Euro über eine Laufzeit von fünf Jahren wird Stenner am LIN und an der Uniklinik Magdeburg eine eigene Forschergruppe einrichten, in der neben Stenner ein zusätzlicher Wissenschaftler sowie zwei Doktoranden in dem anspruchsvollen Projekt mitarbeiten werden.

 

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Mit der Straßenbahn zu IKEA und der Cargo-Rikscha nach Hause

21.08.2017 -

Logistiker der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg unterstützen das schwedische Möbelhaus IKEA dabei, ein nachhaltiges Verkehrskonzept umzusetzen. Am Lehrstuhl für Logistik entwickelte Prof. Dr.-Ing. Hartmut Zadek gemeinsam mit dem Umweltamt der Landeshauptstadt Magdeburg und Studierenden ein Konzept für umweltfreundliche Mobilität. Das sieht vor, ein E-Lastenrad-Verleihsystem in Magdeburg aufzubauen, in das die Neuansiedlung im Norden der Stadt eingebunden ist.

Neben den 1.100 PKW-Parkplätzen, vier kostenlosen Ladestationen für E-Autos und 90 Fahrradstellplätzen werden dort – je nach Größe des Einkaufs – nicht nur zwei Elektro-Kleintransporter, sondern auch Lastenfahrräder mit Elektroantrieb den Besucherinnen und Besuchern zur Verfügung stehen.

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Die Rikscha-Cargoversion eines Elektro-Lastenfahrrades kann in dem ein Kubikmeter großen Frachtraum gut 70 bis 80 Kilogramm transportieren. (Foto: Alexander Hannebohm/Universität Magdeburg) 

Mit 16 km/h den IKEA-Einkauf nach Hause bringen

Am Institut für Logistik und Materialflusstechnik der Universität ist bereits ein passender Fuhrpark zusammengestellt worden: So hat eine Rikscha-Cargoversion bis zu einem Kubikmeter Frachtraum und kann gut 70 bis 80 Kilogramm transportieren. Sind in Großstädten wie Magdeburg Autos im Schnitt mit einer Geschwindigkeit von 27 Kilometern pro Stunde unterwegs, erreicht das E-Lastenrad bereits eine Durchschnittsgeschwindigkeit von rund 16 Kilometer pro Stunde. „Vor dem Hintergrund, dass viele Städte darüber nachdenken, im Innenstadtbereich die Geschwindigkeit auf 30 Kilometer pro Stunde zu beschränken, relativiert sich der Unterschied zwischen Auto und E-Fahrrad noch weiter“, gibt Professor Zadek zu bedenken. Neben der positiven CO₂-Bilanz seien die E-Lastenfahrräder als Pedelec auch noch kostengünstig, benötigten keine Zulassung und Steuern würden auch nicht erhoben.

„Derzeit erarbeiten wir mit dem Umweltamt der Landeshauptstadt Magdeburg sowie dem ADFC ein konkretes Bewirtschaftungskonzept für die E-Lastenrad-Nutzung, aber grundsätzlich sollen die Ausleihstationen ähnlich dem Prinzip von Carsharing-Anbietern funktionieren“, erläutert der Logistiker Hartmut Zadek. IKEA-Kunden könnten mit der Straßenbahn zum Einkauf fahren und anschließend ein E-Lastenfahrrad ausleihen, um die Neuerwerbungen sicher in die eigenen vier Wände zu transportieren. Für die Rückgabe könnten dann Fahrradgaragen genutzt werden, die im Stadtgebiet verteilt eingerichtet werden müssten.

Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit fördert den Aufbau eines E-Lastenrad-Verleihsystems in der Landeshauptstadt mit rund 200.000 Euro, so dass drei Garagenanlagen bis Ende 2018 in Magdeburg aufgebaut werden können. Eine Pilot-Garage für E-Lastenfahrräder entsteht derzeit auf dem Campus der Universität. „Dieses Konzept wird auf Dauer nur im Zusammenwirken mit der Stadt funktionieren, denn neben den Ausleihstationen gehört dazu eine nachhaltige Infrastruktur, beispielsweise für Lastenfahrräder ausgebaute Radwege und ein Netz von Ladestationen für E-Bikes oder auch die Einbindung anderer Einkaufsmöglichkeiten, wie den Flora-Park oder Baumärkte, in das Radwegenetz“, unterstreicht Professor Zadek. „Viele Städte mit einem Lastenfahrradnetz gibt es in Deutschland bislang nicht. Die Landeshauptstadt Sachsen-Anhalts könnte da Vorreiterin werden.“

 

Bilder zum Download:

Bild 1 // Quelle: Alexander Hannebohm/Universität Magdeburg // Bildunterschrift: Die Rikscha-Cargoversion eines Elektro-Lastenfahrrades kann in dem ein Kubikmeter großen Frachtraum gut 70 bis 80 Kilogramm transportieren.

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Letzte Änderung: 16.06.2017 - Ansprechpartner:

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