Uni Magdeburg unterstützt Grabmal-Restaurierung im Magdeburger Dom

20.02.2019 -  

Mit modernen Messtechnologien und 3D-Bildgebungsverfahren unterstützen Maschinenbauer und Informatiker der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg den Wiederaufbau einer kunstgeschichtlich wichtigen Grablege im Magdeburger Dom. Das durch Kriegseinwirkung stark beschädigte Epitaph der Familie und des Domherren Friedrich von Arnstedt im südlichen Seitenschiff soll in Zusammenarbeit mit dem Domförderverein und der Kulturstiftung des Landes Sachsen-Anhalt rekonstruiert und so die letzten Bombenschäden aus dem II. Weltkrieg im Dom behoben werden. „Die Universität Magdeburg kann sich mit diesem Projekt, das für alle im Dom sichtbar durchgeführt wird, einmal mehr als verlässlicher und innovativer Partner für die Stadt und die Region präsentieren und in die Gesellschaft hinein wirken“, so der Rektor der Universität Magdeburg, Prof. Dr.-Ing. Jens Strackeljan. „Unserem Namenspatron verpflichtet, ist solcherart Engagement und Verantwortung für die Stadt selbstverständlich für uns.“

einscannen (c) Jana DünnhauptDirk Rudolph vom Lehrstuhl Konstruktionstechnik der Universität Magdeburg beim Einscannen der Einzelteile des Arnstedtschen Epitaphs im Dom zu Magdeburg. (Foto: Jana Dünnhaupt / Universität Magdeburg)

In einem ersten Schritt des gemeinsamen Vorhabens geht es um eine präzise Bestandsaufnahme der Reste des sieben mal vier Meter großen Epitaphs aus dem 17. Jahrhundert im südlichen Seitenschiff des Doms bzw. der weit über 200 noch vorhandenen Bruchstücke durch moderne ingenieurwissenschaftliche Scanverfahren. Anschließend werden Computervisualisten der Universität Magdeburg versuchen, dieses mehrdimensionale Daten-Puzzle interaktiv zu einem vollständigen vorerst noch virtuellen - Kunstwerk zusammenzusetzen. „Hierin besteht der wissenschaftliche Reiz: die Bruchstücke zusammenzufügen und, wo möglich, virtuell zu ergänzen“, betont Professor Strackeljan. „Die Herausforderung für die Informatiker wird es sein, die Technologien so weiterzuentwickeln, dass sie auch Datenmaterial verarbeiten können, das nicht unter optimalen Laborbedingungen, sondern wie beispielsweise hier im Dom in drei Metern Höhe gewonnen wurde. In einem weiteren Schritt kann es dann auch auf größere Projekte übertragen werden.“

An der Umsetzung des gemeinsamen Projekts sind das Team um den Informatiker Prof. Dr. Bernhard Preim von der Fakultät für Informatik sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vom Lehrstuhl Konstruktionstechnik an der Fakultät für Maschinenbau der Universität Magdeburg beteiligt. „An so einem ehrwürdigen und historischen Ort unsere Kompetenzen einzubringen und gemeinsam durch Krieg zerstörte Kunst wiederaufzubauen, ist eine sehr interessante Erfahrung, die aber auch für uns einen großen Mehrwert hat“, so Dr.-Ing. Fabian Klink vom Institut für Maschinenkonstruktion der Universität. „Können wir doch hochspezialisierte Technik in ganz neuen Zusammenhängen und unter ungewöhnlichen Bedingungen ausprobieren, eine Win-Win-Situation für beide Seiten.“

Da eine größere Zahl von Einzelteilen des beschädigten Epitaphs unmittelbar nach dem Absturz gesichert worden sei, stünde einer weitgehenden Rekonstruktion des Vorkriegszustandes nichts im Wege, so der Vorsitzende des Domfördervereins, Stephen Gerhard Stehli. Eventuell fehlende Teile könnten Informatikerinnen und Informatiker der Universität Magdeburg mittels moderner Verfahren rekonstruieren.

Download_Strackeljan & Stehli (c) Jana DünnhauptRektor Prof. Dr.-Ing. Jens Strackeljan (re.) und der Vorsitzende des Fördervereins Dom zu Magdeburg e.V., Stephen Gerhard Stehli (li.), mit einem Bild des Arnstedtschen Epitaphs um 1890 aus der 2. Bildermappe Magdeburger Bau- und Kunstdenkmäler des Fotografen Georg Eduard von Flottwell. (Foto: Jana Dünnhaupt / Universität Magdeburg)

„Wir freuen uns sehr über diese nicht alltägliche Aufgabe“, so Professor Bernhard Preim vom Lehrstuhl für Visualisierung der Universität. „Die Nutzung von interaktiver 3D-Grafik zur Rekonstruktion von jahrhundertealtem Kulturerbe ist eine ungewöhnliche Herausforderung für uns, die uns aber mit Spannung und Begeisterung erfüllt.“

Restauratorinnen und Restauratoren sowie das Architekturbüros S+S unterstützen das Gemeinschaftsprojekt von Denkmalpflege und universitärer Forschung.

 

Bilder zum Download:

Bild 1 // Quelle: Jana Dünnhaupt / Universität Magdeburg // Bildunterschrift: Dirk Rudolph vom Lehrstuhl Konstruktionstechnik der Universität Magdeburg beim Einscannen der Einzelteile des Arnstedtschen Epitaphs im Dom zu Magdeburg.

Bild 2 // Quelle: Jana Dünnhaupt / Universität Magdeburg // Bildunterschrift: Detailaufnahme vom Arnstedtschen Epitaph im Dom zu Magdeburg mit Referenzpunkten für das Einscannen.

Bild 3 // Quelle: Jana Dünnhaupt / Universität Magdeburg // Bildunterschrift: Rektor Prof. Dr.-Ing. Jens Strackeljan (re.) und der Vorsitzende des Fördervereins Dom zu Magdeburg e.V., Stephen Gerhard Stehli (li.), mit einem Bild des Arnstedtschen Epitaphs um 1890 aus der 2. Bildermappe Magdeburger Bau- und Kunstdenkmäler des Fotografen Georg Eduard von Flottwell.