Ein Faible für Metall

Ausbildung Industriemechanik – da denkt doch jeder gleich an SKET, FAM oder Enercon als Lehrbetrieb. Oliver Gericke jedoch bewarb sich an der Universität Magdeburg um einen Ausbildungsplatz als Industriemechaniker. Er ist einer von 40 Lehrlingen an der OVGU und mag Metall, es sei sein Lieblingsmaterial, viel robuster als beispielsweise Holz. „Die Ausbildung ist sehr abwechslungsreich – drehen, bohren, fräsen, alles was zum mechanischen Bearbeiten von Metall gehört“, erzählt der Azubi im 2. Lehrjahr. Mal manuell von Hand, mal maschinell mit einer Werkzeugmaschine geht es den metallischen Bauteilen an den Kragen. Vor allem Fingerspitzengefühl und Augenmaß ist gefordert, wenn hier und da auch die ein oder andere vielleicht etwas antiquiert anmutende Werkzeugmaschine in der Werkstatt zum Einsatz kommt. Denn auch das gehört zur Metallbearbeitung, das Gefühl für den Rohstoff, das Material, die Form, aber auch die Wahl der richtigen Bearbeitungsmethode und ein gewisses Maß an Verstehen der Maschinen und Werkzeuge.

Gericke, Oliver (c) Harald Krieg

Dreieinhalb Jahre dauert die Ausbildung, deren praktischer Teil in der Werkstatt der Institute für Logistik und Materialfluss­technik, Maschinenkonstruktion, Mobile Systeme und Mechanik stattfindet. „Für die Versuchsstände der Wissenschaftler werden hier Teile gefertigt“, erläutert Lehrausbilder Sven Förster. „Das können Verkleidungen, Wellen und Lagerböcke oder Probekörper beispielsweise für die Verschleißprüfungen sein; von Einzelteilen bis hin zu ganzen Apparaturen. Was immer gebraucht wird. Aber immer sind es Unikate.“ Die Wissenschaftler bringen ihre Pläne und Zeichnungen zum Werkstatt-Team. Sven Förster spricht sie mit seinem Lehrling durch, weiß, was er ihm schon zutrauen kann, und ebenso was von den Vorstellungen der Wissenschaftler umsetzbar ist, sucht gegebenenfalls mit ihm nach Alternativen. Dann weist er ihn ein und los geht‘s. „Natürlich muss ich immer ein Auge auf den Lehrling haben. Da ist Arbeitsschutz, da ist Umweltschutz worauf zu achten ist und in erster Linie auch darauf, dass am Ende das Bauteil so entsteht, wie es von den Wissenschaftlern in Auftrag gegeben wurde“, erzählt der Lehrausbilder. „Im ersten Lehrjahr ist das verständlicher Weise noch sehr zeitaufwendig, aber die Lehrlinge werden ja immer selbstständiger, lernen immer mehr dazu, werden immer geschickter und vor allem auch schneller, denn oft drückt die Zeit bei den Auftraggebern.“

Sven Förster ist Industriemeister, der Ausbilderschein der Industrie- und Handelskammer ist Bestandteil der Meisterschule. Seit 2005 ist er an der Uni Lehrausbilder. Die IHK hat einen Ausbildungsrahmenplan erarbeitet, nach dessen Vorgaben sich Sven Förster richtet. Nicht alle Ausbildungsinhalte kann er in der eigenen Werkstatt anbieten, beim Partner SBH werden dann von der Uni Lehrgänge zu Pneumatik oder Hydraulik gebucht. Und damit seine Lehrlinge auch wissen, wie das mit weiteren Grundarten der Metallbearbeitung, beispielsweise dem Schweißen, so geht, hat er mit der Werkstatt des Instituts für Werkstoff- und Fügetechnik eine Art Praktikum vereinbart.

Oliver Gericke fühlt sich nicht nur gut ausgebildet an der Fakultät für Maschinenbau, sondern auch gut aufgehoben. Alle aus dem Werkstatt-Team haben einen Blick auf die Azubis, achten darauf, dass die Schutzbrille richtig sitzt, richtiges Schuhwerk getragen wird oder die Schutzvorrichtungen an den Maschinen auch wirklich eingesetzt werden. Und er ist stolz darauf, an den Versuchsständen der Wissenschaftler mitgebaut zu haben.

Letzte Änderung: 20.11.2017 - Ansprechpartner: Webmaster