Podcasts halten Einzug in die Lehre

Die Vorlesung zum Mitnehmen


Bundeskanzlerin Angela Merkel tut es, der MDR tut es, die Parteien tun es und große Autohersteller tun es auch - sie "podcasten". Videoclips, Radiobeiträge, Reportagen oder Fernsehsendungen bieten sie im Internet als Audio- und Videodateien zum Herunterladen an. "Podcasting" ist eine Wortschöpfung, für die der tragbare MP3-Player "iPod" von Apple und das englische Wort "broadcast" (Rundfunk) Pate gestanden haben.

Neuland beschritten

Laptop, Handy oder MP3-Player sind heute für die meisten Studenten unentbehrliche Begleiter. Warum also sollten nicht auch Professoren "podcasten", dachte sich Prof. Dr. Rüdiger Bähr vom Institut für Fertigungstechnik und Qualitätssicherung und betrat mit seinen Mitstreitern Dr. Detlef Schleußner und Dr. Ingolf Behm akademisches Neuland. Aus dem Fonds der Gebühren von Langzeitstudenten wurde zudem eine studentische Hilfskraft finanziert. Ein iPod und ein Laptop mit der entsprechenden Software wurden auch noch angeschafft. Und los ging's.

Als Ergänzung zu den Lehrveranstaltungen zum Thema Urformtechnik entwickelte das Team ein Podcast-Angebot. "Damit kann keine Vorlesung, kein Seminar und auch keine Übung ersetzt werden", unterstreicht Professor Bähr. "Den sogenannten Frontalunterricht, also den Professor, der den Studenten gegenüber steht, und auch die Lehrbücher und praktischen Übungen wird es für die Studenten noch lange geben."

Das Logo zum PODCAST-ING haben sich Professor Bähr und sein Team mit einem Augenzwinkern in Richtung angehende Ingenieure - Ing. - ausgedacht. Inzwischen stehen drei "Podcast-Episoden" auf der Homepage des Bereichs Ur- und Umformtechnik zur Verfügung. Sie sind weit mehr als bloße Vorlesungsmitschnitte zum Nachhören. Die etwa zehnminütigen Podcasts erläutern u.a. die Gliederung der Fertigungsverfahren, geben einen Überblick über die Inhalte der Lehrveranstaltungen und Praktika zur Urformtechnik und zu Fertigungsverfahren, Urformtechnik und Gießen, vermitteln einen kurzen historischen Rückblick und informieren über Vor- und Nachteile des Gießens. Dazu sind Definitionen, Bilder von Laboren und Vidosequenzen von Praktika oder die Meinungen von Praxisvertretern und Ausschnitte von Vorträgen auf wissenschaftlichen Tagungen zusammengetragen und aufgezeichnet worden. Sie verfestigen das Gelernte und veranschaulichen bestimmte Verfahrensweisen und Abläufe wie beispielsweise die Herstellung einer verlorenen Form zur Erzeugung eines Aluminiumgussteils.

Viele Anwendungsgebiete

"Die Studierenden können die Podcast-Angebote abonnieren und erhalten jeweils die aktuelle Datei auf die Festplatte, oder sie laden sie sich von der Homepage herunter. So können sie sich stets mit dem neuesten Podcast auf Seminare, Übungen oder Prüfungen vorbereiten", erläutert Professor Bähr. Und das quasi immer und überall. Die im MP3-Format angebotenen Dateien können auf jedem Rechner, jedem MP3-fähigen Handy oder eben einem iPod abgespielt werden - in der Bahn, im Wartezimmer beim Zahnarzt, in der Bibliothek, beim Joggen oder am Badestrand des Neustädter Sees.

Für die Zukunft kann sich Professor Bähr noch weitere Anwendungsbereiche für das Podcasting vorstellen: Wörterbücher, in denen vor allem die Aussprache von Fachbegriffen aus der Gießereikunde in verschiedenen Sprachen angeboten wird oder quasi als elektronisches Anschauungsmaterial Zusammenfassungen zu den Grundlagen der Gießereitechnik, wie die manuelle Formherstellung, den Druckguss oder Kokillenguss, oder zu den Gusswerkstoffen. Der Möglichkeiten gibt es noch sehr viele.
Ines Perl

 

Letzte Änderung: 30.03.2016 - Ansprechpartner: Webmaster