Gutachten für die Bundesregierung

27.04.2016 -  

Als Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen WBGU übergab die Umweltpsychologin Prof. Dr. Ellen Matthies von der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg gemeinsam mit weiteren Mitgliedern des Beirates der Bundesregierung das Gutachten Der Umzug der Menschheit: Die transformative Kraft der Städte.

Das Gutachten beschäftigt sich mit der globalen Situation von Städten und ihrer Bedeutung für Klimaschutz und Nachhaltige Entwicklung. Das interdisziplinäre Team der Gutachterinnen stellte fest, dass das Wachstum der Städte unverhältnismäßig stark zum Ausstoß von Treibhausgasen beitrüge, gleichzeitig würden Städte von den Folgen der globalen Erwärmung besonders hart getroffen. Das Gutachten befasst sich insbesondere mit der Lebensqualität in Städten und dem Potenzial von Stadtgesellschaften je eigene Transformationspfade in eine nachhaltige Zukunft zu finden. Statt allein auf immer mehr Verdichtung solle deshalb auch auf Entwicklung in der Region gesetzt werden: Statt wuchernder Megastädte viele Mittelzentren, das steigere die Widerstandsfähigkeit gegen Krisen und senke den Druck auf örtliche Ressourcen wie Wasser oder Land.

Mehr als 2 bis 3 Milliarden Menschen würden innerhalb weniger Jahrzehnte weltweit vom Land in die Städte drängen, dabei werde sich die Einwohnerzahl der globalen Slums verdoppeln, heißt es im Bericht. Es sei die größte Migrationsbewegung unserer Zeit. Die Wucht dieses Urbanisierungsschubs sei der zentrale Treiber globalen Wandels im 21. Jahrhundert.

„Das Wachstum der Städte ist so ungeheuer, dass es dringend in neue Bahnen geleitet werden muss“, sagt der WBGU Ko-Vorsitzende Dirk Messner, Direktor des Deutschen Instituts für Entwicklungspolitik. Würden in den Städten der Entwicklungs- und Schwellenländer immer neue Siedlungen mit Zement und Stahl gebaut, könnte allein die energieaufwändige Herstellung dieses Baumaterials bis 2050 soviel Treibhausgase freisetzen, dass damit das weltweite Emissionsbudget unter dem 1,5-°C-Ziel bereits beinahe aufgebraucht wäre. Dabei gebe es Alternativen, etwa den Bau mit Holz und anderen natürlichen Baumaterialien. „Ohne entschlossenes politisches Handeln und internationale Zusammenarbeit werden durch den Ressourcenbedarf und den CO2-Ausstoß des Städtebaus die natürlichen Lebensgrundlagen der Menschheit gefährdet“, so Messner.

 

Zum Hintergrund

Der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) wurde 1992 im Vorfeld der Konferenz der Vereinten Nationen über Umwelt und Entwicklung („Erdgipfel von Rio“) von der Bundesregierung als unabhängiges wissenschaftliches Beratergremium eingerichtet. Seine Hauptaufgaben liegen darin, globale Umwelt- und Entwicklungsprobleme zu analysieren und darüber in Gutachten zu berichten, nationale und internationale Forschung auf dem Gebiet des Globalen Wandels auszuwerten, im Sinne von Frühwarnung auf neue Problemfelder hinzuweisen, Forschungsdefizite aufzuzeigen und Impulse für die Wissenschaft zu geben. Die neun Mitglieder des WBGU werden vom Bundeskabinett auf Vorschlag der Ministerien für Bildung und Forschung (BMBF) und Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) für eine Dauer von vier Jahren berufen.

„Von der Berufung in den Beirat fühle ich mich geehrt und freue mich nicht nur für mein Fach, die Umweltpsychologie, sondern auch für meine Universität, die das so wichtige Thema Umwelt und Nachhaltige Entwicklung von Beginn ihrer Gründung vor zwanzig Jahren beständig in Forschung und Lehre ausgebaut hat“, sagt Prof. Dr. Ellen Matthies. „Der WBGU hat seit der Riokonferenz 1992 mit Weitblick und Nachdrücklichkeit drängende Themen der globalen Umweltkrise aufgegriffen und in die öffentliche wissenschaftliche Debatte gebracht, nun wendet er sich mit dem neuen Gutachten der wichtigen Rolle der Urbanisierung zu.“

 

Zur Person

Ellen Matthies ist seit Dezember 2011 Professorin für Umweltpsychologie an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg. Ihr Forschungsinteresse gilt vorrangig dem Bereich der Mensch-Umwelt-Interaktion mit Schwerpunkt auf umweltrelevanten Verhaltensweisen und Entscheidungen (Energienutzung, Autonutzung) sowie theoriegeleiteter Entwicklung und Evaluation von Interventionsmaßnahmen zur Förderung eines nachhaltigen Konsums.

Von August 2009 bis November 2011 war Ellen Matthies Professorin für Umweltpsychologie an der Norwegischen Universität für Naturwissenschaften und Technik in Trondheim, Norwegen. In den Jahren 2001 bis 2010 war sie als Hochschuldozentin für Angewandte Psychologie an der Ruhr-Universität Bochum tätig. Dort vollendete Ellen Matthies 2001 ihre Habilitation zum Thema „Coping with environmental threats and global environmental change“ am Institut für Psychologie. 1993 promovierte sie zum Dr. phil.

Ellen Matthies hat zahlreiche Forschungsprojekte geleitet, die den Bereichen der angewandten Sozialpsychologie und der Umweltpsychologie zugehörig sind. Die Finanzierung erfolgte zumeist durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), aber auch durch den Norwegischen Forschungsrat und das Deutsche Bundesministerium für Bildung und Forschung. In den Projekten wurde unter anderem die Rolle von persönlichen und sozialen Normen bei der Ressourcennutzung, die Bedeutung von Gewohnheiten bei Verhaltensänderungen und die Entwicklung und Evaluation von Interventionen zur Förderung umweltverträglichen Verhaltens untersucht.

 

Mehr Informationen zur Abteilung Umweltpsychologie der Universität Magdeburg www.ipsy.ovgu.de/Umweltpsychologie.html

Mehr Information zum Bericht www.wbgu.de/presse-termine/presseerklaerungen/2016-04-25-presseerklaerung/

Foto und BU unter: www.wbgu.de/presse-termine/presseerklaerungen/2016-04-25-presseerklaerung/

 

Kontakt für die Medien:
Prof. Dr. Ellen Matthies, Institut für Psychologie der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Tel: 0391 67-18471, E-Mail: ellen.matthies@ovgu.de

 

 

Letzte Änderung: 18.04.2017 - Ansprechpartner: M.A. Katharina Vorwerk