„University Club“ soll Forschungssynergien an der Universität stärken

01.11.2017 -  

Die Prorektorin für Forschung, Technologietransfer und Chancengleichheit der Universität Magdeburg, Prof. Dr. rer. nat. Monika Brunner-Weinzierl, im Gespräch mit der Universitätssprecherin, Katharina Vorwerk, zu neuen Formaten für einen forschungsstrategischen Dialog zwischen den Fakultäten der Universität.

Portrait Fr. Brunner-Weinzierl

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Frau Prof. Brunner-Weinzierl, über 62 Millionen Euro Drittmittel sind insgesamt von der Universität Magdeburg 2016 verausgabt worden. Wo steht die OVGU aktuell im Vergleich mittelgroßer Universitäten?

Laut Hochschulrektorenkonferenz 2015 verfügten die 121 deutschen Universitäten, inklusive der Universitätsklinika, durchschnittlich über rund 51 Millionen Euro Drittmittel. Die OVGU lag damals mit rund 58 Millionen Euro verausgabten Drittmitteln bereits über diesem Durchschnitt und hat im vergangenen Jahr noch einmal zugelegt und ist jetzt bei einer Summe von rund 63 Millionen Euro. Wichtig ist bei der Betrachtung von Drittmittelzahlen aber auch, dass sie im Kontext der Gesamtuniversität bewertet werden. Und das ausschließliche Ziel, Drittmitteleinkünfte zu erhöhen, kann zu Lasten anderer Universitätsleistungen gehen, zum Beispiel der Lehre oder der sogenannten „Third Mission“, also den Leistungen der Universität für die Gesellschaft und die Region.

Um hier die richtige Balance zu halten und dabei tatsächlich Forschungsleistung zu steigern, bedarf es einer Forschungsstrategie, die sinnvoll und zukunftsorientiert in eine ganzheitliche Universitätsstrategie eingebettet ist und die auf die verschiedenen Charakteristika der Fakultäten eingeht. Es kommt hier darauf an, OVGU-spezifische Standortvorteile zu erkennen und dort die Schwerpunkte zu legen. Hierzu wollen wir nun verstärkt den wissenschaftlichen Dialog fördern und dafür müssen wir Plattformen schaffen. Eine davon wird der sogenannte University Club sein.

 

Was sind die Ziele des University Clubs und gibt es Vorbilder?

Unser Ziel ist es, ein fakultätsübergreifendes Forum anzubieten, um einen forschungsstrategischen Diskurs zu etablieren. Wir müssen künftig gemeinsam den Standortvorteil ausnutzen, den unsere Fächerkombinationen und Schwerpunkte bieten. So schaffen wir den forschungsstrategischen Dialog zwischen den Fakultäten und unterschiedlichen Fächern und innovative Techniken oder Denkansätze aus einem Fach können in ein anderes Fach übertragen werden. Es werden neue Schnittstellen für Forschungskooperationen identifiziert und Methoden, Instrumente oder Expertise mehrfach genutzt.

Ein Vorbild in diesem Sinn gibt es nicht. Inspiriert wurde ich eher aus meiner eigenen Sicht als Forscherin, wo ich wichtigen Input aus anderen Bereichen oder neuester Technik als großen Vorteil erfahren habe. Und unsere Forscherinnen und Forscher sind doch prädestiniert für so eine Form des Austausches. Ich hatte zum Beispiel so den Zugang zu einer ausgesprochen sensitiven Färbemethode über magnetische Fettkügelchen zur Analyse von einer sehr effektiven, aber kleinen Zellpopulation. Ich konnte sehr viele Erkenntnisse damit generieren. Mit Ausnutzung solch eines Standortvorteils kann man in seinem Fach leicht ein paar Nasenlängen voraus sein. Diesen innovativen Input möchte ich mit dem Unversity Club sozusagen institutionalisieren.

 

Wie wird ein University Club ablaufen?

In unregelmäßigen Abständen übernimmt jeweils eine Fakultät die Rolle des „Gastgebers“ und präsentiert aktuelle forschungsstrategische Entwicklungen, neueste Techniken und Maßnahmen der Fakultät. Diskussionsimpulse können Kooperationsvorhaben oder auch interdisziplinäre Forschungsprojekte sein. Anschließend gibt es Diskussionsrunden im informellen Rahmen, auch ein Science Dating ist denkbar. Unterschiedliche Veranstaltungsformate können und sollen ausprobiert werden – die gastgebende Fakultät entscheidet.

 

Wer gehört zur Zielgruppe des University Clubs?

Das sind zu allererst Entscheidungsträger und kooperationsinteressierte Forscherinnen und Forscher aus den neun Fakultäten der Universität Magdeburg. Alle sollen einbezogen werden, gleichzeitig soll in überschaubarer Gruppegröße intensiv und effizient diskutiert werden. Deshalb wird jede Fakultät gebeten, bis maximal zehn Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu benennen, die sich in den Erfahrungsaustausch einbringen und im Anschluss die Ergebnisse in die Fakultäten tragen. Wir legen außerdem Wert darauf, außeruniversitäre Institute einzubeziehen.

 

Wann findet der erste University Club statt?

Die erste Veranstaltung wollen wir am 22. November 2017 durchführen. Dabei wird die Fakultät für Informatik den Anfang machen. Geplant ist zunächst ein Impulsvortrag des Dekans, in dem er darstellen wird, welche Art von fakultätsübergreifender Zusammenarbeit sich Informatiker wünschen – in Kombination mit der Präsentation eines aktuellen Beispielprojekts für eine solche Kooperation. Es folgen Kurzvorstellungen der verschiedenen Lehrstühle und der Forschungsbereiche der Fakultät. Im Anschluss ist dann Zeit für individuelle Gespräche zu den Forschungsschwerpunkten der drei Institute.

Die Informatik hat ja bereits ihr Profil geschärft, indem Sie die Schwerpunkte Bild, Wissen und Interaktion definiert hat. Von den dabei gemachten Erfahrungen können vielleicht auch die anderen Fakultäten profitieren. Wir freuen uns sehr auf die Veranstaltung und sind gespannt, wie viele Kooperationen sich anbahnen und welche Nachhaltigkeit daraus entsteht.

 

Prof. Brunner-Weinzierl, herzlichen Dank für das Gespräch!