Studentischer Film zum Jubiläum des Wagner-Verbandes

Annäherung an einen Mythos


"Zum Raum wird hier die Zeit". Der wissende Gralsritter Gurnemanz beschwört die suggestive Kraft des Heiligen Grals als Symbol der Erlösung, Hoffnung, Heilsbringung, des Lebens und der Liebe in Richard Wagners Bühnenweihfestspiel Parsifal und führt den "reinen Toren" Parsifal.

Cineastischer Rahmen

Das Credo dieser Sinnsuche, eben dieses "Zum Raum wird hier die Zeit" war für die beiden Bachelorstudierenden Massimo Tortora und Tobias Weihmann des Studiengangs Medienbildung Ausgangspunkt einer filmischen Erkundung zum Mythos des Grals und dessen Bedeutungswandlung im Kontext gesellschaftlicher Umbrüche und der Entwicklung der Medien. Den cineastischen Rahmen dieses mehr als hundertminütigen Films bilden Interviews mit Stipendiaten des Richard-Wagner-Verbandes Magdeburg, mit Medienexperten, wie Prof. Dr. Johannes Fromme von der Fakultät für Geistes-, Sozial- und Erziehungswissenschaften, Musikwissenschaftlern (Prof. Dr. Werner Wolf) und dem Leiter des Richard-Wagner-Museums in der "Villa Wahnfried" Bayreuth, Dr. Sven Friedrich. So wie sie artikulierten zum Beispiel die Magdeburger Stipendiaten Kerstin Behnke (Dirigentin), Warnfried Altmann (Saxophonist) und Ulrike Helzel (Sängerin) ihre Beziehungen zu Richard Wagner, seiner Musik, seinen ethischen, philosophischen und musikwissenschaftlichen Auffassungen und dessen Bedeutung für die Entwicklung der Musik.

Beeindruckende Montagen

Kaleidoskopartig entstand - auch durch eine atemberaubende, immer wieder überraschende, die Spezifik des Mediums Film und Video nutzende beeindruckende Montage von Bildsequenzen - als ein "mediales Feuerwerk" eine faszinierende cineastische Erkundung der vielen Facetten des Mythos Gral und wie man ihn in unserer Medien- und Kommunikationsgesellschaft erlebt. Und gleichzeitig schufen sie eine Hommage an den 100-jährigen Richard-Wagner-Verband, der 1909 in Magdeburg gegründet und 1990 durch Astrid Eberlein neu gegründet und seither initiativreich geführt wird. Sie hatte den Auftrag in Absprache mit Prof. Dr. Winfried Marotzki von der Fakultät für Geistes-, Sozial- und Erziehungswissenschaften vergeben. Das Ergebnis dieser ganz besonderen Abschlussarbeit des Bachelor-Studiums kann als außerordentlich gelungen bezeichnet werden, regt zur Diskussion an und animiert vor allem junge Leute, sich mit Musik und Werk des Komponisten auseinanderzusetzen.

Opern und Film

Sensationell die Bezüge zwischen den Opern Lohengrin und Parsifal in Inszenierungen der Festspiele Baden-Baden, die hergestellt werden zu den Hollywood-Filmen Matrix, Sakrileg und 2046 bis hin zu Monty Python und U 90 von Atze Schröder sowie den Asterix-Animationsfilmen und Videospielen. Dazu die inhaltlichen Bezüge zu Strömungen in der Popmusik, Erinnerungen an die "Flower-Power-Generation" 1968 und Ausschnitte aus Musikvideos von Bushido und Karel Gott (For ever young).
Der Film selbst, entstanden auf der Basis eines umfangreichen, mit Akribie gesichteten und filmisch bearbeiteten Materials, ist ein Beispiel für Richard Wagners zeitlebens vertretenes Ziel der Schaffung eines Gesamtkunstwerks und ganz in seinem Sinne zukunftsorientiert. Er postulierte (nicht nur) für Bayreuth: "Schafft Neues, Kinder!" und dies ist den beiden jungen, zu großer Hoffnung Anlass gebenden Medienwissenschaftlern und Filmemachern ganz besonders gelungen. Die Wirkung bei den Gästen der festlichen Uraufführung im Opernhaus war nachhaltig, die Zustimmung und Wertschätzung einhellig.
Prof. Dr. Herbert Henning

 

Letzte Änderung: 30.03.2016 - Ansprechpartner: Webmaster