Kirchenhistoriker Prof. Dr. Christoph Markschies hielt 26. Otto-von-Guericke-Vorlesung

Allgemeinbildung in Studienprogramme einbringen


Geht die Allgemeinbildung an den Universitäten unter? Wo bleibt das Studium generale heute? Diesen Fragen ging der Präsident der Humboldt-Universität zu Berlin und renommierte Kirchenhistoriker, Prof. Dr. Christoph Markschies, Ende Oktober 2009 in der 26. Otto-von-Guericke-Vorlesung, die gemeinsam mit dem Evangelischen Hochschulbeirat Magdeburg veranstaltet wurde, nach.

Professor Markschies kategorisierte drei Antwort-Typen auf die im Titel der Vorlesung gestellte Frage nach dem Untergang der Allgemeinbildung an den Universitäten - die notorischen Weltuntergangspessimisten, die den Untergang bejahen, die institutionellen Zweckoptimisten, wie die Universitätsleitungen, die ihn bestreiten und die entschlossenen "Zwar-aber-Sager", die zwar nicht gleich den Untergang prognostizierten, aber meinten, dass es nicht gut bestellt sei um die Allgemeinbildung an Universitäten.

In einer kurzen Begriffsgeschichte versuchte Christoph Markschies, der evangelische Theologie, klassische Philologie und Philosophie in Marburg, Jerusalem, München und Tübingen studierte, Allgemeinbildung zu definieren. Im Deutschen Wörterbuch der Brüder Grimm von 1854 war das Wort noch nicht zu finden. Ein erster Beleg stammt aus dem Jahre 1902. Er bezeichnet mit Allgemeiner Bildung die Bildung, die an Volksschulen vermittelt wird - schreiben, lesen, rechnen, zeichnen. Erst nach dem II. Weltkrieg wird aus Allgemeinbildung ein basales Bildungsgut. In der 68er Studentenrevolte wird sie zu einem ideologischen Kampfbegriff. Der von Humboldt geprägte Begriff der Allgemeinbildung verstehe sich als Korrektiv, das in der Lage sei, einzelne spezialisierte Fächer zu entgrenzen und so den Blick auf das Ganze zu ermöglichen.

Lesen, schreiben, rechnen werde zwar genügend vermittelt, dennoch hätten viele Studierende ein Problem damit, Texte in ihrer Gesamtheit zu erfassen. In einem Kanon von Grundwissen werde die Allgemeinbildung als Set basaler Bildungsgüter und -werte noch ausreichend vermittelt. Allgemeinbildung müsse aber in die berufsorientierten Studiengänge eingebracht werden. Mit Blick auf die Bologna-Reform empfahl Professor Markschies Zeit in die Studienpläne zu bringen, die Studienprogramme zu entrümpeln sowie das Obligatorische für die Studierenden herabzusetzen und die Wahlmöglichkeiten auszubauen.

Zum Studium generale meinte der Redner, es müsse ein Studium fundamentale werden, mit einem Kanon von verbindlichen Bildungsgütern und -werten. Eine zusammenkopierte Broschüre von irgendwelchen Lehrveranstlungen aus den Fakultäten reiche da nicht.
Ines Perl

 

Letzte Änderung: 30.03.2016 - Ansprechpartner: Webmaster