Institut für Sportwissenschaft berät Sportgymnastinnen bei Vorbereitung auf Weltmeisterschaft und Olympia

Elegante Grazien im Fokus der Leistungsanalyse


Durch den Deutschen Turnerbund (DTB) wurde im September 2008 eine neue Trainingsgruppe in der Rhythmischen Sportgymnastik zur Vorbereitung auf die Olympischen Spiele 2012 in London formiert. Die wissenschaftliche Begleitung der Vorbereitung wurde finanziell vom Bundesinstitut für Sportwissenschaft übernommen und wird durch eine Arbeitsgruppe des Instituts für Sportwissenschaft kontinuierlich realisiert. Die Gruppe trainiert im Bundestrainingszentrum in Fellbach-Schmiden bei Stuttgart. Zur langfristigen Leistungsvorbereitung startete die Mannschaft bei der 29. Weltmeisterschaft im September 2009 in Mie, in Japan.

Im Trainingslager

Das Team von Trainerin Katja Kotelnikova mit Maike Deutschle, Johanna Gabor, Camilla Pfeffer, Sara Radmann und Karolina Raskina sowie Reservefrau Marie Protschka hat sich Anfang September 2009 im letzten Trainingslager in Kienbaum bei Berlin intensivst auf die WM vorbereitet. Mit dabei waren auch die Wissenschaftler des Instituts für Sportwissenschaft. Sie vermittelten der Gruppe letztmalig in Vorbereitung auf die WM Leistungskennziffern, die das aktuelle Weltniveau im Gruppenklassement reflektierten, und Leistungsparameter, die insbesondere die Synchronität als ein wesentliches leistungsbestimmendes Kriterium der Darbietungsqualität kennzeichneten.

Aufgabe des Forscherteams um Prof. Anita Hökelmann, Prof. Peter Blaser, Gaia Liviotti, Karl Matyschiok und Börge Tesch war es, ein Computerprogramm weiterzuentwickeln, das eine umfassende videobasierte Analyse der Leistungen im Gruppenklassement ermöglicht und ein neues Bewegungsanalysesystem zu erproben. So konnte zunächst eine Analyse der Weltspitzenleistungen vorgenommen werden, um dem Trainerteam mit Katja Kotelnikova, Natalia Stsiapanava und Vladimir Komkov Daten in die Hand zugeben, die über das Schwierigkeitsniveau hinsichtlich der körper- und gerättechnischen Schwierigkeiten, die Anzahl der Formationen, über Laufwege der Gymnastinnen, Flugbahnen der Geräte und die Darbietungsqualität von Spitzengruppen, wie Russland, Italien, Japan, Israel usw., informieren.

Durch zahlreiche Wettkampfanalysen konnten Leistungsindikatoren bestimmt werden, die Weltbestleistungen charakterisieren und das aktuelle Anforderungsprofil bestimmen. Aufbauend auf den erhobenen Leistungskennziffern, war es den Trainern und Choreografen möglich, zwei Wettkampfübungen zu erstellen, die den weltbesten Leistungen entsprechen.

Individuelle Daten

Des Weiteren wurden individuelle Leistungsdaten der Gymnastinnen mit einem Bewegungsanalysesystem aufgezeichnet, das sowohl körpergeometrische Werte, Raum-Zeitverläufe, Geschwindigkeits- und Beschleunigungsverläufe des Körpers bzw. von Körperteilen berechnet oder Kraftangriffspunkte erfasst, um somit vergleichende Analysen zwischen den Einzelleistungen der Gymnastinnen zu ermöglichen. Identische Übungsausführungen sind die Voraussetzung für eine hohe Synchronität während des Übungsvortrags.
Das Wissenschaftlerteam konnte anhand biomechanischer Analysen Leistungsunterschiede zwischen den Gymnastinnen dokumentieren und damit auf neuralgische Punkte in den Choreografien hinweisen, die es galt noch unmittelbar vor der WM zu verbessern. Ein identisches Leistungsniveau bei allen fünf Gruppenmitgliedern ist neben der Einhaltung der Schwierigkeitskriterien eine Grundvoraussetzung für ein erfolgreiches Abschneiden in den Wettkämpfen.
Prof. Dr. Anita Hökelmann

 

Letzte Änderung: 30.03.2016 - Ansprechpartner: Webmaster