Landesausstellung im Kulturhistorischen Museum

Aufbruch in die Gotik


Mit der Landesausstellung Aufbruch in die Gotik. Der Magdeburger Dom und die späte Stauferzeit schlägt das Kulturhistorische Museum Magdeburg im Jahr der 800-jährigen Grundsteinlegung für den Dom der Elbestadt ein faszinierendes Kapitel abendländischer Geschichte auf. Kostbare Leihgaben von Museen, Bibliotheken und Archiven aus ganz Europa sowie den USA verwandeln das Museum in eine Schatzkammer des 13. Jahrhunderts und laden zu einer fesselnden Zeitreise ein. In acht Abteilungen auf 1000 Quadratmetern Ausstellungsfläche zeigen insgesamt 400 Originalobjekte von 126 Leihgebern die Geschichte und Kunst der späten Stauferzeit. Mit wertvollen Goldschmiedearbeiten, kostbaren Handschriften, anmutigen Skulpturen oder dem bisher noch nicht öffentlich ausgestellten Sarg der Editha wird eine imposante Epoche des Mittelalters lebendig, in der nicht nur die Architektur einen Umbruch erfuhr, sondern auch die Kultur und die Lebenswelt der Menschen sich grundlegend veränderten. "Das 13. Jahrhundert - eine Zeit des Umbruchs von einer agrarisch geprägten Gesellschaft hin zu einer urbanisierten Bürgergesellschaft, eine Epoche des europaweiten Wissens- und Kulturtransfers. Die Zeit der Gotik. Dieser Epochebegriff lässt sich in Magdeburg exemplarisch für Deutschland nachvollziehen", unterstrich Dr. Matthias Puhle, Museumsdirektor und Honorarprofessor am Institut für Geschichte.

Die Abteilungen der Ausstellung

Ein Brand zerstörte 1207 den Vorgängerbau des heutigen Doms, den Otto der Große im 10. Jahrhundert gegründet hatte. Von dessen Bedeutung berichtet die erste Abteilung der Ausstellung. Erzbischof AlbrechtII. legte 1209 den Grundstein für die erste Kathedrale auf deutschem Boden, die in der neuen, aus Frankreich stammenden, Bauform, der Gotik, errichtet wurde. Die Funktion des ältesten gotischen Kathedralbaus Deutschlands und seine möglichen Vorbilder thematisiert die zweite Abteilung. Im dritten Kapitel der Ausstellung machen aus dem 13. Jahrhundert überlieferte architektonische Planzeichnungen, frühgotische Glasmalerei, Bauskulpturen und Bauornamentik sowie kunstvolle Miniaturen die technischen Innovationen der Gotik nachvollzeihbar. Die vierte Abteilung zeigt die Schätze der gotischen Gotteshäuser wie Reliquiare, liturgische Gewänder der Geistlichen sowie Gemälde. Auch Kunst und Kultur unterlagen im 13. Jahrhundert wie die Architektur einem Wandel. Der fünfte Bereich zeigt diesen Kultur- und Wissenstransfer und widmet sich besonders dem Phänomen der "Verschriftlichung des Rechts" am Beispiel des Sachsenspiegels Eike von Repgows. Unter der Herrschaft Kaiser Friedrichs II. verlagerte sich das politische Gewicht im Heiligen Römischen Reich auf die weltlichen und geistlichen Fürsten. Damit befasst sich das sechste Kapitel. Die weitgereisten Kaufleute und Pilger und nicht zuletzt die Kreuzfahrer brachten die Vorstellungen der Menschen von der Welt in Bewegung. Farbenprächtige Karten und mittelalterliche Weltchroniken zeigen im siebten Kapitel, wie die Menschen ihren Lebensraum damals wahrnahmen. Die mittelalterlichen Städte erlebten einen nicht gekannten Aufschwung, wohlhabende Händler und Kaufleute siedelten sich an. Eindrucksvolle Funde der Stadtarchäologie bezeugen dieses neue, bürgerliche Selbstbewußtsein im letzten Kapitel der Ausstellung.

Ein zweibändiger gleichnamiger Katalog aus dem Verlag Philipp von Zabern begleitet die Landesausstellung Aufbruch in die Gotik. Auf über 1000 Seiten wird der Leser in die Vergangenheit mitgenommen.

Zwei Begleitausstellung des Museums für Naturkunde ergänzen die Landesausstellung, die noch bis zum 6. Dezember 2009 zu sehen ist.
Ines Perl

 

Letzte Änderung: 30.03.2016 - Ansprechpartner: Webmaster