Das Referat Hochschulmarketing vorgestellt

Mehr als nur Werbung


Rückläufige Studierendenzahlen, verschärfter Wettbewerb um staatliche Gelder oder zunehmende Orientierung an Wirtschaftlichkeit sind nur einige Schlagworte, die Hochschulen veranlassen, ihr Augenmerk stärker auf Hochschulmarketing zu lenken. Auch an der Otto-von-Guericke-Universität passiert in den einzelnen Bereichen bereits viel, Leistungen und Angebote der Universität ins Licht der Öffentlichkeit zu rücken. Dies zu unterstützen und noch besser zu koordinieren, ist das Referat für Hochschulmarketing eingerichtet worden. Mit den beiden Referenten für Hochschulmarketing, Sina Frankmölle und Christian Müller, sprach Uni-Report.


Forschungsprofil und Exzellenz im Wettbewerb zu behaupten, Bachelor- und Master-Strukturen zu etablieren und bei Studieninteressierten attraktiv zu machen - dies sind nur einige Herausforderungen, denen Hochschulen durch gezieltes Marketing begegnen können. Was heißt Hochschulmarketing?
Müller: Hochschulmarketing ist eine besondere Herausforderung. Die Werte eines immateriellen Gutes zu vermitteln, wendet es sich an eine sehr heterogene Zielgruppe: Studieninteressenten, Eltern, Politiker, Mitarbeiter, Wissenschaftler, Unternehmer. Die Schwierigkeit besteht darin, allen gerecht zu werden. Uns geht es in erster Linie darum, den Bekanntheitsgrad und die Profilschärfung der Otto-von-Guericke-Universität nachhaltig zu erhöhen und auszubauen. Denn die OVGU steht, wie die anderen ostdeutschen Hochschulen auch, vor zwei grundlegenden Problemen: zum einen die sinkenden Studierendenzahlen durch die demographische Entwicklung und zum anderen die sich verschärfende finanzielle Situation der Hochschulen.

Zahlreiche Einzelprojekte

Frankmölle: Wie im klassischen Marketing geht es darum, eine Marke bekannt zu machen, in unserem Falle die Marke Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg. Hinzu kommen die speziellen Anforderungen der Wissenschaft. Das heißt zu vermitteln, wie die OVGU ihr Profil über ihr Leitbild definiert und damit verbunden besondere Wettbewerbsvorteile herauszustellen und gezielt zu vermarkten. Also, Marketing ist weit mehr als nur Werbung, wie so oft angenommen wird.

Wo steht die Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg gegenwärtig in Sachen Hochschulmarketing?
Frankmölle: In den zurückliegenden Jahren und Monaten sind zahlreiche Einzelprojekte auf den Weg gebracht worden: beispielsweise der Neubau des Service-Centers, um den Studienalltag für die Studierenden komfortabler zu gestalten oder die personelle Aufstockung in den Fakultäten, neue Studienangebote, die Wissenschaftliche Weiterbildung und Absolventenvermittlung, das Programm der Betreuungsprofessoren in Zusammenarbeit mit den Gymnasien, die Hochbegabtenförderung, die stärkere Präsenz der Universität auf Bildungsmessen, die Möglichkeit der Online-Bewerbung über die Homepage der Universität, die Kinder-Uni, das studium schnupperale oder der Herbstkurs für naturwissenschaftlich interessierte Mädchen und natürlich unser Referat. Nicht zu vergessen, das neue Corporate Design, das für die Universität erarbeitet wurde.

Sponsoring und Fundraising

Hinzu kommen öffentlichkeitswirksame Veranstaltungen wie die Lange Nacht der Wissenschaft, der Tag der offenen Tür oder der Studieninformationstag, die weitergeführt und ausgebaut werden sollen.
Müller: Ein ganz wichtiger Punkt des Hochschulmarketings sind Sponsoring und Fundraising. In den Fakultäten bestehen bereits viele Kontakte zu Sponsoren. Diese gilt es weiter zu entwickeln, also Kooperationspartner finden, die sich für die Universität engagieren möchten. Dazu ist ein Konzept in der Entstehung, indem wir eine enge Zusammenarbeit mit den Fakultäten anstreben. Die Konzentration liegt hierbei auf einem projektbezogenem Fundraising.

Was gehört zu Ihren Aufgaben als Referenten für Hochschulmarketing?
Müller: Nun, einige sind ja bereits genannt worden. Als übergeordnete Aufgabe aber steht die Entwicklung und Einrichtung eines spezifischen Marketingkonzeptes für die OVGU, geprägt von Nachhaltigkeit und Professionalisierung. Dabei geht es um die Unterstützung der Arbeit der einzelnen Bereiche und die Bündelung der Informationen sowohl extern als auch intern. Ein wichtiger Bestandteil ist beispielsweise die Alumni-Arbeit, um ehemalige Studierende an die Universität zu binden. Daraus können sich gewinnbringende Kontakte in die Wirtschaft ergeben. Angedacht ist deshalb auch, eine jährlich stattfindende zentrale Exmatrikulationsfeier zu etablieren. Und auch die Überarbeitung des Internet-Auftritts der OVGU werden wir konzeptionell begleiten.
Frankmölle: In den Fakultäten und Einrichtungen passiert ja schon viel, was nach außen wirkt und die OVGU bekannt macht. Es muss also nicht alles neu erfunden werden. Aber die einzelnen Aktivitäten sollten aufeinander abgestimmt und in den großen Zusammenhang "Universität" gebracht werden. Dabei bieten wir unsere Hilfe und unseren Service an. Und auch über neue Ideen freuen wir uns natürlich.

Studienwerbung

Wird es mehr um Studierendenwerbung gehen oder werden Forschung und Weiterbildung auch eine Rolle spielen in Ihrer Arbeit?
Frankmölle: Das Hauptaugenmerk wird erst einmal auf der Studienwerbung liegen. Zum einen also die eigenen Landeskinder für ein Studium an der OVGU zu gewinnen, zum anderen aber auch Studieninteressenten und Studierende aus den westlichen Bundesländern zu motivieren, in den Osten zu kommen. Das ist ja das Ziel des Hochschulpaktes 2020.
Müller: Da Hochschulmarketing ganzheitlich zu betrachten ist, werden Forschung und auch Weiterbildung in Zukunft sicher wichtige Aspekte des Hochschulmarketings sein. Vor allem vor dem Hintergrund des Bachelor-/Master-Systems und der Anforderung des lebenslangen Lernens. Die erste Generation von Bachelor-Absolventen wächst gerade an der Universität heran. Sie bleiben für die Universität interessant als potenzielle Master-Studenten, auch wenn sie erst einmal für ein paar Jahre in die Wirtschaft wechseln. Und da sind wir dann ja auch wieder bei der Studienwerbung.

Hochschulmarketing ist immer auch Beziehungsmarketing. Beziehungen nur nach außen oder auch nach innen, wie beispielsweise Identitätsbildung?
Müller: Das hängt eng zusammen. In erster Linie geht es uns darum, die Außenwirkung der OVGU zu verstärken. Das geht aber nur, wenn der Marketing-Gedanke in der Universität etabliert ist, die Professoren, Mitarbeiter und Studierenden für Marketing sensibilisiert sind, sich mit "ihrer" Universität identifizieren und sich für sie engagieren. Dazu brauchen wir den Austausch mit den Fakultäten und Studierenden. Die Rückkopplung, wie einzelne Marketing-Aktionen angekommen sind, was gut, was schlecht war, was verändert werden sollte, was bleiben kann. Wir freuen uns immer über Input.

Ein Servicepartner

Frankmölle: Wir wünschen uns natürlich, dass wir ein bisschen dazu beitragen können, dass die Corporate Identity der Universitätsangehörigen wächst, sie stolz auf ihre Universität sind und stärker spüren, dass es sich lohnt, gemeinsam an einem Strang zu ziehen. Ein wichtiges Mittel dafür ist die Kommunikation, für die wir eine Schnittstelle sein können. Wir hoffen, dass die Fakultäten und Studenten uns als Servicepartner vorbehaltlos und offen annehmen, mit dem Ziel, Beziehungen nach außen über Alumni, Sponsoren und auch die vielen öffentlichkeitswirksamen Veranstaltungen, die sie engagiert begleiten, aufbauen zu helfen.

Vielen Dank für das Gespräch.

 

Letzte Änderung: 30.03.2016 - Ansprechpartner: Webmaster