MOBESTAN - Modellierung und Beeinflussung von Strömungen in Aneurysmen

Lebensrettende Medizintechnik


Zerebrale Aneurysmen sind ballonförmige Aussackungen an geschwächten oder überlasteten arteriellen Gefäßen im Gehirn. Es gibt viele Menschen, welche ihr Leben lang ohne gesundheitliche Einschränkungen derartige Aneurysmen im Kopf tragen. Mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit neigen sie jedoch zum Platzen (Ruptur). Dies führt zu einer Hirnblutung, ein so genannter blutiger oder hämorrhagischer Schlaganfall, an deren Folgen fast die Hälfte der betroffenen Patienten trotz Behandlung innerhalb eines Monats verstirbt. Ein Teil der Überlebenden bleibt zudem lebenslang behindert.

Zufällig entdeckt

Werden Aneurysmen in Gehirngefäßen als Ursache einer Blutung diagnostiziert, so müssen diese durch eine Notoperation von Neurochirurgen oder besser mittels eines minimal-invasiven Kathetereingriffs durch Neuroradiologen behandelt werden.
Häufig werden Aneurysmen aber auch zufällig bei der Diagnostik von anderen Erkrankungen entdeckt. Es muss dann entschieden werden, wie wahrscheinlich eine Ruptur ist, um in jedem Einzelfall das Risiko einer baldigen Blutung gegen die Gefahr einer möglichen Komplikation durch den schwierigen Eingriff im Gehirn abwägen zu können. Ziel einer Behandlung ist es dann, den Einstrom von Blut in das Aneurysma zu unterbinden. Gelingt dies, dann bildet sich dort ein Blutgerinnsel (Thrombus), das das Aneurysma letztlich verschließt.

Komplikationen mindern

Ein so verschlossenes Aneurysma stellt für den Patienten keine Gefahr mehr dar. Das Verständnis der Blutströmung im Aneurysma und deren gezielte Beeinflussung ist folglich eine entscheidende Voraussetzung, um die bisher schon wirkungsvolle Behandlung mit einem Katheter weiter zu verbessern und das Risiko einer Komplikation noch mehr zu verringern.
Mit dem vom Land Sachsen-Anhalt für zwei Jahre geförderten Projekt MOBESTAN (Modellierung und Beeinflussung von Strömungen in Aneurysmen) soll an der Universität diesem Ziel weiter nachgegangen werden. Entwickelt werden neuartige Implantate, die bei Schlaganfall Menschenleben retten sollen. Das Projekt ist interdisziplinär aufgestellt. Fünf Doktoranden und zwei Post-Doktoranden von fünf Lehrstühlen aus vier Fakultäten der Universität arbeiten direkt an diesem Projekt. In diesem inneruniversitären Netzwerk werden bereits seit Ende 2006 koordinierte Arbeiten zu dieser Thematik geleistet und international publiziert.
Auf der Auftakt-Veranstaltung des MOBESTAN-Projekts Anfang November 2008 wurden bisherige Ergebnisse und die zukünftigen Strategien diskutiert. Koordinator des Projekts ist Prof. Dominique Thévenin, Leiter des Instituts für Strömungstechnik und Thermodynamik. Von medizinischer Seite und als Initiator dieser Forschungsthematik vertritt Prof. Martin Skalej, Leiter des Instituts für Neuroradiologie, das Projekt. Weiterhin sind Prof. Georg Rose, Lehrstuhl für Medizinische Telematik und Medizintechnik, Prof. Bernhard Preim, Lehrstuhl für Visualisierung, sowie Prof. Klaus Tönnies, Lehrstuhl für Bildverarbeitung und Bildverstehen, in das Projekt eingebunden. Damit ergeben sich an der Universität ideale Bedingungen für die Bearbeitung dieser lebenswichtigen Thematik.
Prof. Dominique Thévenin