Duale Berufsausbildung in Sachsen-Anhalt in Schieflage

23.11.2016 -  

Die Zahl der Ausbildungsverträge in den neuen Bundesländern sinkt in einigen Berufen dramatisch, es gibt einen Höchststand an unbesetzten Berufsausbildungsstellen, immer mehr Ausbildungsabbrecher sowie einen enormen Rückgang der unternehmerischen Ausbildungsbeteiligung. Zu dieser Einschätzung kommt das von der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg gegründete „Forschungsnetzwerk Demografie und Fachkräftesicherung in den neuen Bundesländern.“

Im Netzwerk kooperierende Berufsbildungsexperten der Universitäten Magdeburg, Rostock und Dresden sowie Experten des Bundesinstituts für Berufsbildung stellen nun mögliche Lösungen, Forschungs- und Handlungsansätze auf der Fachtagung „Demografie und Fachkräftesicherung in den neuen Bundesländern“ am 24. und 25. November 2016 vor.

 

WAS: Fachtagung der Otto-von-Guericke-Universität „Demografie und Fachkräftesicherung
in den neuen Bundesländern“
WANN: 24./25. November 2016, 10.00 bis 18.00 Uhr
WO: Virtual Development and Training Centre VDTC des Fraunhofer Instituts IFF
Joseph-von-Fraunhofer-Straße 1, 39106 Magdeburg

 

Gemeinsam gegen den Nachwuchs- und Fachkräftemangel

„Der demografische Wandel führt zu beträchtlichen Verwerfungen insbesondere für die kleinen und mittleren Unternehmen“, so der Berufs- und Betriebspädagoge Prof. Klaus Jenewein von der Universität Magdeburg. „Dem Nachwuchs- und Fachkräftemangel in Mitteldeutschland können die Betriebe aber nur mit großer gemeinsamer Anstrengung und abgestimmt mit ihren Ausbildungspartnern entgegenwirken“, so Jenewein. Dafür könnten seiner Ansicht nach Ergebnisse eines bundesweiten Modellversuchsprogramms des Bundesinstituts für Berufsbildung herangezogen werden. Dieses wurde unter Mitarbeit der Magdeburger Berufsbildungsforscher durchgeführt und zeigte neue Ansätze für den Umgang mit demografischen Veränderungen. „Die gemeinsame Aufgabe ist nur in enger Zusammenarbeit mit den Sekundarschulen und ihrer Bildungsarbeit in den berufsorientierenden Fächern Technik und Wirtschaft zu bewältigen“, so der Stiftungsprofessor für Wirtschaftsdidaktik der Universität Magdeburg, Prof. Dr. Robert Jahn. Auch die Pädagogen der Berufsbildenden Schulen stünden durch eine wachsende Heterogenität aufgestellte Berufsschulklassen vor großen Herausforderungen, das Gleiche gelte für die betrieblichen Ausbilder in den Unternehmen des Landes.

 

Die demografische Entwicklung in den neuen Bundesländern

In den mitteldeutschen Bundesländern hat der demografische Wandel zu einem rapiden Rückgang der nicht studienberechtigten Schulabsolventen geführt. Waren es in den neuen Bundesländern im Jahr 2001 noch über 170.000 Schulabsolventen, lag der Tiefpunkt im Jahr 2011 bei nur noch 75.000. Diese Entwicklung hat gravierende Konsequenzen: Kamen für Elektriker im Wirtschaftsbereich Handwerk im Jahr 1995 noch 2.793 neue Ausbildungsverträge in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen zustande, lag die Zahl 2013 bei gerade mal 750 – zwei Drittel weniger und Tendenz weiter fallend.

Abbildung_Entwicklung nicht studienberechtigter Schulabgänger 2000 bis 2020_Quelle BMBF-Berufsbildungsgericht 2009

Abbildung 1: Entwicklung nicht studienberechtigter Schulabgänger in den Jahren 2000 bis 2020
Quelle: BMBF-Berufsbildungsgericht 2009

 

Konsequentes Handeln erforderlich

Verschärft werde dieser Trend durch eine weitere Entwicklung, so der Berufsbildungsforscher Jenewein: Die Zahl der sogenannten Vertragslösungen steigt seit Jahren gravierend an. In manchen Berufen betrifft die Vertragslösungsquote bereits die Hälfte der betroffenen Ausbildungsverhältnisse, was zu einem weiteren Rückgang der neu ausgebildeten Fachkräfte führt. Jenewein stellt fest, „dass diese Entwicklungen weder in der Bildungs- und Wirtschaftspolitik noch bei den Berufsbildungsakteuren in Betrieben, Berufsbildenden Schulen und überbetrieblichen Bildungseinrichtungen sehr präsent sind. Wir sind längst an einem Punkt, der gerade in unserer Region konsequentes Handeln erfordert.“

Abbildung_Vorzeitge Vetragslösungen 2014
Abbildung 2: Vorzeitge Vetragslösungen 2014 
Quelle: Bundesinstitut für Berufsbildung

 

Letzte Änderung: 23.02.2017 - Ansprechpartner: M.A. Katharina Vorwerk