Sparen um jeden Preis?

26.04.2013 -  

Die aktuelle Debatte über die Pläne der Landesregierung zur Kürzung der finanziellen Ausstattung der Universitäten und Hochschulen Sachsen-Anhalts findet heute - nach der Studierendendemonstration auf dem Magdeburger Unicampus - mit dem Aufruf des Hochschul-Bündnisses zum breiten Protest gegen die Sparpläne des Kabinetts in Halle ihre Fortsetzung.

„Wir sind uns einig, dass wir uns im Moment nicht einig sind!“, so die nüchterne Bilanz des Wissenschafts- und Wirtschaftsministers des Landes, Hartmut Möllring, nach einem ersten Gespräch mit den Rektoren.

 

Worum geht es im Kern?

Die Rektoren haben der Landesregierung zugesagt, sich aktiv an der Weiterentwicklung des Hochschulsystems zu beteiligen und auf der Basis der Empfehlungen des Wissenschaftsrates auch notwendige Profilierungs- und Strukturmaßnahmen zu entwickeln und umzusetzen.

Die Landesregierung möchte im Land schon im Jahr 2015 fünf Millionen Euro und in 2016 zehn Millionen Euro sparen. Für die Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg würde dies ein Einsparvolumen von knapp drei Millionen Euro bedeuten.

Unabhängig davon, dass linear steigende Kürzungen nicht mit langfristigen Strukturanpassungen in Einklang zu bringen sind, ist es für die Universität Magdeburg schlicht finanztechnisch nicht umsetzbar.

Die Uni erhält ihr Budget auf der Basis einer im Jahr 2004 festgelegten Zahl von nominellen Studienplätzen. Diese wurden in den vergangenen Jahren durch die tatsächliche Zahl der Studierenden immer weit übertroffen. Aus diesen nominellen Studienplätzen leitet sich ein Stellenplan ab, der die notwendige Anzahl von Mitarbeitern festlegt, die man braucht, um diesen Studierenden eine qualitativ gute Ausbildung zu ermöglichen.

Bei konstantem Gesamtbudget trägt die Universität Magdeburg seit Jahren zehn Prozent der Tariferhöhungen und muss mit erheblichen Steigerungen bei den Energiekosten leben. Allein diese beiden Faktoren haben in den vergangenen fünf Jahren zu einer Mehrbelastung von drei Millionen Euro geführt. Durch die Verwendung von Rücklagen war es möglich, den immer schon unterfinanzierten Haushalt auszugleichen. Für das Jahr 2014 gibt es nahezu keine Rücklagen mehr, und es wird ein extremer Kraftakt, die Lücke von ca. 3,5 Millionen Euro zu schließen. Darüber hinaus ist der o.g. Stellenplan seit Jahren nur zu 90 Prozent durch verfügbare Haushaltsmittel gedeckt. Insgesamt bedeutet das allein für 2014 ein reales Defizit von acht Millionen Euro im Haushalt der Universität Magdeburg.

In dieser Situation können wir eine weitere zusätzliche Sparauflage in der angegebenen Höhe nicht schultern. Dies geht selbst dann nicht, wenn wir strikt alle auslaufenden Verträge nicht mehr wiederbesetzen. Die Konsequenzen für Ausbildung und Forschung wären verheerend, weil über mehrere Jahre keine Doktoranden eingestellt werden könnten und zwar völlig unabhängig von der Leistungsfähigkeit der betroffenen Fachbereiche und Forschungsschwerpunkte.

Den ersten Zusammenbruch von Strukturen wird die Universität Magdeburg dann schon im Jahr 2014 erleben, wenn die Forschungsförderung des Landes um 50 Prozent gekürzt wird. Auch dort steht die Universität durch bestehende Arbeitsverträge in der Pflicht.

Kurzfristige Kürzungen ohne jede Strukturkomponente und ohne Gewährung der notwendigen Umbauzeit sind deshalb hochschulpolitisch höchst unsinnig und im Fall der Universität Magdeburg schlichtweg unmöglich. Das Rektorat der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg fordert daher die Landesregierung auf, die Einsparpläne in der angedachten Form umgehend zu revidieren.

 

 

Letzte Änderung: 30.03.2016 - Ansprechpartner: Katharina Vorwerk