"Wir wollen leben!" – Aus jungen Patienten werden Künstler

10.05.2012 -  

Mediziner der Universitätskinderklinik Magdeburg starten am 12. Mai 2012 gemeinsam mit Musikern ein ungewöhnliches Projekt für krebskranke Kinder. Rund 15 akut erkrankte oder sich in Nachsorge befindliche Kinder und Jugendliche werden während eines Workshops gemeinsam mit Künstlern und Musikern einen Tag lang zu Textern, Songwritern und Musikproduzenten.

Unter Anleitung des deutschlandweit agierenden Projektes „lifenotes“ erleben sie die komplette Entstehung eines Songs, von der Idee bis zur fertigen CD und sind dabei selbst die kreativen „Macher“. Am Ende des Workshops steht die Präsentation des gemeinsam geschaffenen Werkes, bei der jeder Teilnehmer eine CD erhält.

Ziel der ungewöhnlichen Aktion ist es, den krebskranken Kindern und Jugendlichen durch die Beschäftigung mit der Musik eine Möglichkeit zu schaffen, sich gemeinsam mit ihrer Krankheit und den Auswirkungen auf sie und ihre gesamte Umgebung auseinanderzusetzen und durch Kreativität und Musik ihre Lebenssituation zu beschreiben und so ihre Heilung und Therapie aktiv zu begleiten.

 

WAS: „Kultur hilft Heilen“, Projekt der Kinderonkologie der Universitätskinderklinik Magdeburg
WANN: 12. Mai 2012, 09.30 bis 19.30 Uhr, Präsentation des Songs wird gegen 19.00 Uhr sein
WO: Elternhaus für krebskranke Kinder, Campus des Universitätsklinikums der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Leipziger Straße 44, 39120 Magdeburg

Vertreter der Medien sind herzlich zur Berichterstattung eingeladen.

Das Projekt wird von Mitarbeitern der Universitätsbibliothek unterstützt, die für die Versorgung der Patienten und ihrer Angehörigen an diesem Tag zur Verfügung stehen werden.

Bei einer Spendensammlung in der Universitätsbibliothek kamen dafür 210,- Euro zusammen. Der Magdeburger Förderkreis krebskranker Kinder e.V. stellt an diesem Tag das Elternhaus für krebskranke Kinder zur Verfügung.

„Wir möchten mit diesem ungewöhnlichen Projekt den Kindern in ihrer besonderen Lebenssituation Motivation und Kraft geben. Kraft, die sie dringend brauchen, um aus der Isolation herauszukommen, die eine langwierige Tumorbehandlung und Krankenhausaufenthalte mit sich bringt. Die Kinder körperlich wieder gesund zu machen ist eine große Anstrengung sowohl für die Kinder, die Eltern, aber auch für die Ärzte und Schwestern. Die jungen Patienten reagieren unterschiedlich, je nach Alter oder Charakter, aber viele fallen in ein Loch, verschanzen sich hinter Fernseher oder Computer, isolieren sich von Freunden und Schulkameraden und sind selbst für ihre Eltern oft schwer zu erreichen. Die Musik soll ihnen helfen, ins Leben zurückzufinden“, so PD Dr. Peter Vorwerk, Kinderonkologe und Initiator des Projektes.

Das Projekt „Kultur hilft Heilen“ ist eine Initiative der Kinderonkologie der Magdeburger Universitätskinderklinik, die mit 30.000 Euro durch die Cora-Lobscheid-Stiftung des Deutschen Stiftungszentrums gefördert wird. Neben der musiktherapeutischen Betreuung krebskranker Kinder werden auch Familienseminare und der Einsatz von Klinik-Clowns für schwerkranke Kinder unterstützt.

Hintergrund

In Deutschland erkranken jährlich ca. 2.000 Kinder und Jugendliche an einer Krebserkrankung. Mit der Diagnose Krebs geraten der junge Patient und seine Familie in eine schwere Lebenskrise. Auf den Schock der Diagnose folgt die Angst vor einer langen leidvollen Behandlung und deren Nebenwirkungen. Die ganze Familie wird plötzlich mit der Bedrohung durch den möglichen Tod des Kindes und einer schwer zu ertragenden Unsicherheit in Bezug auf den Verlauf und den Erfolg der Behandlung konfrontiert. Dies führt natürlicherweise oft zu einer erheblichen Einschränkung der Lebensfreude und Stimmungslabilität, Depression und Aggression sind die Folgen. Diese große psychische Belastung können die kindlichen oder jugendlichen Patienten auch bei bester familiärer und sozialer Voraussetzung oft nicht allein verarbeiten.

Auch für die Familien bringt die Erkrankung des Kindes erhebliche Veränderungen mit sich. Der Alltag wird von immer wiederkehrenden Klinikaufenthalten und Arztvorstellungen bestimmt. Durch die Schwächung des Immunsystems der betroffenen Kinder kann auch nach Phasen der intensiven Therapie ein Schul- oder Kindergartenbesuch nur begrenzt stattfinden, und ein Kontakt zu Freunden und Gleichaltrigen findet nur selten statt. So kann bis ins Erwachsenenalter ein Gefühl von Andersartigkeit und Ausgrenzung aus dem normalen Leben anhalten und im schlimmsten Falle später vermehrt zu Selbstmordgedanken führen. Andererseits gibt es viele Patienten und Familien, die mit der Bewältigung dieser außergewöhnlichen Situation einen deutlichen Reifungsprozess und eine Stärkung erfahren. Damit die Patienten nicht nur medizinisch geheilt werden, sondern später auch wieder glücklich und selbstbewusst im Leben stehen können, sollte schon während der initialen Therapie und der anschließenden Nachsorge großer Wert auf entsprechende Präventionsangebote gelegt werden.

Ansprechpartner: PD Dr. med. Peter Vorwerk, Leiter Arbeitsbereich Kinderonkologie, Universitätskinderklinik Magdeburg, Tel.: 0391 67 24240, E-Mail:

 

Letzte Änderung: 30.03.2016 - Ansprechpartner: Katharina Vorwerk