Bundesweit einzigartiges Interface Labor an der Universität Magdeburg

12.11.2008 -  

An der Fakultät für Informatik der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg ist ein hochmodernes, so genanntes User Interface Labor eingeweiht worden. Das Hightech-Forschungslabor am Institut für Simulation und Graphik ist u.a. mit zwei großen, interaktiven Tischen und einem so genannten Multitouch-Tabletop ausgestattet und in seiner Ausstattung nicht nur ein Novum in Sachsen-Anhalt, sondern auch deutschlandweit einzigartig.

Neuartig an diesem Forschungslabor ist, dass an den interaktiven Tischen mehrere Nutzer parallel mit Hilfe von Handgesten bzw. digitalen Stiften interagieren können. Neben der kamerabasierten Multitouch-Technik wird dafür die so genannte Anoto-Technologie eingesetzt, die ursprünglich zum Erfassen von Handschrift entwickelt wurde. Ein nahezu unsichtbares Muster ist auf die Tischoberfläche, die zugleich Projektionsfläche ist, gedruckt. Im Stift, der nur unwesentlich größer als ein normaler Kugelschreiber ist, befindet sich eine Infrarot-Kamera, die das kleine Punktmuster erkennt und darüber ermitteln kann, an welcher Stelle Nutzer interagieren. Bisher wird diese Technik vor allem für das Ausfüllen von Formularen und für Notizhefte verwendet. Hier findet sie jedoch erstmals in Deutschland Einsatz für die Bedienung eines interaktiven Tisches.

"Diese nahtlose Kombination von Papier und digitalem Tisch hat es bisher in Deutschland noch nicht gegeben", so Juniorprofessor Dr. Raimund Dachselt, der das Labor auch mit Mitteln des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft aufgebaut hat. "Und nicht zuletzt durch die ergänzende Ausstattung des Labors mit Projektoren, Kameras, mobilen Endgeräten und alternativen Interaktionsgeräten steht in Sachsen-Anhalt wohl erstmals ein Labor zur Verfügung, was die Erforschung sehr vielfältiger neuartiger Interaktions- und Kommunikationsformen zwischen Mensch und Maschine unter einem Dach gestattet." Die Wissenschaftler der Magdeburger Computervisualistik kommen damit ihrem langfristigen Ziel ein Stück näher, den Computer tatsächlich als ein benutzerfreundliches Werkzeug zu verwenden, mit dem man genau so souverän wie mit anderen Alltagsgegenständen interagieren kann.

Nutzungsmöglichkeiten für die Entwicklung neuer Interaktionsstrukturen zwischen Mensch und Technik bieten sich überall dort, wo große Informationsmengen sortiert, annotiert, ediert und navigierbar gemacht werden sollen. Das kann die Bearbeitung großer Diagramme und Modellvisualisierungen sein, wie in der Logistik, Energietechnik oder dem Software Engineering. Alltagsnutzern hilft die Technologie bei der Verwaltung persönlicher Medien und Dokumenten. So kann ein Handy mit Hilfe von Gesten dazu gebracht werden, quasi als Fernbedienung mit einem entfernten Display zu kommunizieren. Oder es wird auf einen Tabletop gelegt, und alle enthaltenen Fotos werden visuell auf den heimischen Medienserver übertragen. Künftige Nutzer können ihre Urlaubsfotos auf dem Wohnzimmertisch sortieren, in dem sie sie mit den Händen verschieben, vergrößern und sich gegenseitig zeigen. Stifte erlauben es, die virtuellen Fotos zu beschriften und auf der Rückseite etwas zu notieren. Dabei wird über jeden Stift auch eindeutig erkannt, welcher Nutzer gerade agiert.

Mehr Informationen unter: http://isgwww.cs.uni-magdeburg.de/cvse/Kontakt/Presse/


Ansprechpartner: Jun.-Prof. Dr. Raimund Dachselt, Institut für Simulation und Graphik der Fakultät für Informatik, Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Tel.: 0391 67 18772, E-Mail: dachselt@isg.cs.uni-magdeburg.de

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