Neurowissenschaftliche Förderinitiative der VW-Stiftung für Magdeburger Wissenschaftler

Mit 549.600 Euro werden zwei neurowissenschaftlichen Projekte an der Otto-von-Guericke-Universität von der Volkswagen-Stiftung gefördert. Die Vorhaben werden in Kooperation mit Medizinern, Neurologen und Psychologen Deutschlands, Spaniens, Großbritanniens und den USA bearbeitet.

Die VW-Stiftung fördert im Rahmen des Schwerpunktes "Dynamik kognitiver Prozesse" ein von Thomas F. Münte, Professor für Neuropsychologie der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, geleitetes Projekt mit 285.700 Euro. Psychologen, Neurologen und Genetiker untersuchen die dynamische Anpassung des menschlichen Verhaltens an sich stetig ändernden Umwelteinflüssen. Diese Anpassung wird durch die sogenannten exekutiven Funktionen erzielt, die einer erheblichen interindividuellen Variabilität unterliegen, die sich wahrscheinlich auf die unterschiedliche genetische Ausstattung der Individuen zurückführen lässt. Insbesondere soll in dem Projekt überprüft werden, so Thomas Münte, inwieweit individuelle genetische Differenzen für einen Botenstoff im Nervensystem, das Dopamin, für Verhaltensunterschiede verantwortlich sind. Eine Gruppe (mehr als 500 Personen) wird daher genetisch untersucht, nach genetischem Muster gruppiert und nachfolgend schließen sich psychologische und neurowissenschaftliche Verfahren (Hirnpotentialanalyse, Kernspintomographie) an.

An dem Projekt arbeiten weiterhin Prof. Dr. Ludger Schöls, Hertie Institut für Klinische Neurowissenschaften der Universität Tübingen, sowie Prof. Antoni Rodriguez-Fornells, Fakultät für Psychologie der Universität Barcelona.

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Für die Fortsetzung des Vorhabens "Medikamentenresistente Schläfenlappenepilepsie" von Prof. Dr. Emrah Düzel und Prof. Dr. Hans-Jochen Heinze, beide Klinik für Neurologie II der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, sprach die VW-Stiftung eine Bewilligung von 263.900 Euro aus. Das Projekt wird gemeinsam mit Dr. Torsten Baldeweg, Dr. Michelle de Haan, Dr. Helen Cross und Professor Dr. Faraneh Vargha-Khadem vom Institute of Child Health, University College London/Großbritannien, sowie von Professor Dr. Mortimer Mishkin, Laboratory of Neuropsychology, National Institute of Mental Health, Bethesda/USA, gemeinsam bearbeitet.

In dem Forschungsvorhaben wird unter Einsatz moderner bildgebender Verfahren die Hypothese überprüft, ob postoperative Gedächtnisverluste durch eine funktionelle Trennung hervorgerufen werden können. Die Mediziner vermuten, dass es durch Operation zu einer Trennung von Spracharealen und Gedächtnisarealen kommt, so dass diese nicht mehr miteinander zusammen arbeiten können. D.h., nach einer linksseitigen Schläfenlappenentfernung, sind Sprachareale im linken Frontallappen und Gedächtnisareale im rechten Schläfenlappen von einander funktionell getrennt.
In dem Verbundprojekt werden in Magdeburg erwachsene Patienten und in London Patienten im Kindesalter untersucht. Die Wissenschaftler erhoffen sich durch die neuen Verfahren, Operationsrisiken besser abschätzen zu können, Methoden zum Hirnleistungstraining für betroffene Patienten zu entwickeln, Plastizität und Reorganisationsfähigkeit von Gedächtnismechanismen zu erfassen und auch die funktionelle Architektur von Gedächtnis besser zu verstehen.

 

Letzte Änderung: 30.03.2016 - Ansprechpartner: Webmaster