Magdeburger Wissenschaftler setzen auf Konsens bei der Reform des Arbeitsmarktes - Die Holländer machen es vor

Die niederländische Regierung hat mit Arbeitgebern und Gewerkschaften für die nächsten zwei Jahre Nullrunden bei den Löhnen vereinbart und damit gezeigt, dass erfolgversprechende Arbeitsmarktpolitik auch im gesellschaftlichen Konsens möglich ist. Deutschland setzt mit seinen Arbeitsmarktreformen jedoch auf Konfrontation. Wenn die Reformvorschläge der Bundesregierung oder der CDU/CSU neue Arbeitsplätze schaffen sollen, müssen, so die Magdeburger Wirtschaftsprofessoren Ronnie Schöb und Joachim Weimann, die Löhne der gering qualifizierten Arbeitnehmer um mindestens 30 Prozent fallen. Das ist auch durch Steuerentlastungen nicht aufzufangen und deshalb wird es für die Arbeitnehmer zu massiven Einkommenseinbußen kommen. Durchsetzen lässt sich diese Politik nur, wenn man die Tarifautonomie in Deutschland beseitigt. Verfehlen die Reformen ihr Ziel, so zahlen die Arbeitslosen die Rechnung. In beiden Fällen wird es zu sozialen Spannungen in Deutschland kommen, die den sozialen Frieden dauerhaft gefährden.

Arbeitsplätze lassen sich jedoch auch ohne große Einschnitte bei den Geringverdienern und Konfrontation mit den Gewerkschaften schaffen. Das zeigen die beiden Wissenschaftler in ihrem Reformvorschlag "Die Magdeburger Alternative". Das darin entwickelte Beschäftigungskonzept sieht vor, die Unternehmen von der Abgabe der Sozialversicherungsbeiträge für neu eingestellte Arbeitslose im Niedriglohnbereich zu befreien. Dies erlaubt den Unternehmen, die Bruttolöhne um mehr als ein Drittel zu senken, ohne dadurch zugleich die Nettoeinkommen der Arbeitnehmer zu senken. Die Folge, so die Wissenschaftler, werden über 1,8 Millionen neue Arbeitsplätze in Deutschland sein und, zur Freude des Finanzministers, ein Überschuss für die öffentlichen Haushalte. "Deutschland steht am politischen Scheideweg. Wir können den Konfrontationskurs der eisernen Lady, Maggie Thatcher, einschlagen oder uns an dem Konsensmodell der Niederländer orientieren. Beides schafft Arbeitsplätze, aber der Staat, in dem wir leben, wird je nachdem für welchen Weg wir uns entscheiden, ein völlig anderes Gesicht haben", so die Magdeburger Wissenschaftler.

Kontakt:
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Fakultät für Wirtschaftswissenschaft
Prof. Dr. Ronnie Schöb, Tel. 0391-67-18546, mail: Ronnie.Schoeb@ww.uni-magdeburg.de

Prof. Dr. Joachim Weimann, Tel. 0391-67-18547, mail: Joachim.Weimann@ww.uni-magdeburg.de

Letzte Änderung: 30.03.2016 - Ansprechpartner: Webmaster