Ein Bogenmittelteil für die Olympiade?

In einer ungewöhnlichen Kooperation des Instituts für Sportwissenschaft und des Lehrstuhls für Maschinenbauinformatik der Magdeburger Universität wurde für die Deutsche Nationalmannschaft der Bogenschützen ein Bogenmittelteil auf minimales Gewicht und maximale Steifigkeit optimiert, das die Chancen der Deutschen Nationalmannschaft der Bogenschützen bei der Olympiade verbessern könnte. Dieser optimierte Bogen könnte, sollte er alle Tests bestehen, bereits zur Olympiade 2004, eingesetzt werden, so der Lehrstuhlleiter für Maschinenbauinformatik Professor Sandor Vajna von der Otto-von-Guericke-Universität. Zunächst wurden mit den Erfahrungen des Instituts für Sportwissenschaft die Randbedingungen und Anforderungen an das Bogenmittelteil formuliert und danach wurde mit einem am Lehrstuhl für Maschinenbauinformatik entwickelten Verfahren (Programmsystem), das die biologische Evolution von Lebewesen zum Vorbild hat, das Mittelteil optimiert.

Ende Juni 2003 (am 24. Juni 2003) übergaben Konstrukteure und Sportwissenschaftler der Guericke-Universität das Mittelteil an die Deutsche Nationalmannschaft der Bogenschützen am Olympiastützpunkt in Berlin. In ersten Tests zeigten sich die Schützen mit dem neuen Teil sehr zufrieden: Es weist mit 870 g nicht nur eine Gewichtsersparnis von ca. 250 g gegenüber den bisher verwendeten Mittelteilen auf, sondern es hat auch hervorragende Eigenschaften, was die Steifigkeit und die Dämpfung von Schwingungen nach dem Schuss angeht, informiert Professor Vajna. Eine längere Erprobungsphase des Mittelteils ist für den Beginn der neuen Saison ab September 2003 geplant, so dass es bereits bei den Olympischen Spielen 2004 in Athen zum Einsatz kommen könnte.

Ein Sportbogen besteht aus einem Bogenmittelteil aus Aluminium und den beiden sogenannten Wurfarmen, an denen die Sehne befestigt wird. Während die Wurfarme die Energie zum Abschuss des Pfeils aufnehmen, muss das Bogenmittelteil möglichst steif sein und gute Dämpfungseigenschaften aufweisen, um die Zielgenauigkeit sicherzustellen und die Belastungen des Schützen durch den Abschussvorgang zu minimieren, erläutert Dr. Jürgen Edelmann-Nusser vom Magdeburger Institut für Sportwissenschaft.

Das Projekt bearbeiteten Mario Heller, André Jordan, Steffen Clement von der Uni Magdeburg mit Unterstützung von Professor Sandor Vajna, Lehrstuhlleiter Maschinenbauinformatik, und Dr. Jürgen Edelmann-Nusser, Institut für Sportwissenschaft.

Das Bogenmittelteil wurde bei der Otto Fuchs KG in Meinerzhagen gefertigt und mit Mitteln des Bundesinstituts für Sportwissenschaft in Bonn gefördert.

Weitere Auskünfte: Prof. Dr. Sandor Vajna, Lehrstuhlleiter für Maschinenbauinformatik, Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Tel.: 0391 67 18794 oder email:

Letzte Änderung: 30.03.2016 - Ansprechpartner: Webmaster