Otto-von-Guericke-Universität erhält ersten UNESCO-Lehrstuhl für Menschenrechtserziehung in der Bundesrepublik

Am Dienstag, dem 08. Mai 2001, übergab Prof. Dr. Klaus Erich Pollmann, Rektor der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, an Prof. Dr. K. Peter Fritzsche die Ernennungsurkunde auf den UNESCO-Lehrstuhl für Menschenrechtserziehung. An dem Festakt im Kaisersaal des Kulturhistorischen Museums nahmen der Kultusminister des Landes Sachsen-Anhalt, Dr. Gerd Harms, und der Präsident der Deutschen UNESCO-Kommission, Prof. Dr. Klaus Hüfner, teil. Rektor Pollmann begrüßte in seinen einleitenden Worten die Einrichtung des Lehrstuhles. Die Verleihung eines solchen Chairs stelle eine hohe Auszeichnung dar, so Pollmann. Die Fakultät für Geistes-, Sozial- und Erziehungswissenschaften hat sich seit ihrer Gründung im Jahre 1993 intensiv in Forschung und Lehre, wie in Ringvorlesungen und Kolloquien dem Problemkreis Menschenrechtserziehung gewidmet und verwies in diesem Zusammenhang auf die zahlreichen und erfolgreichen Lehrerweiterbildungsveranstaltungen des Magdeburger Institutes für Politikwissenschaft.

In seiner Rede anlässlich der Einrichtung des UNESCO-Lehrstuhles würdigte der Präsident der Deutschen UNESCO Kommission, Prof. Dr. Klaus Hüfner, die Bereitschaft der Magdeburger Universität, sich für die Ideale und Ziele der UNESCO einzusetzen. "Wir haben nach den bitteren Erfahrungen der Nazi-Dikatur in unserem Land bereits große Fortschritte gemacht, aber wir müssen erkennen, dass die Einhaltung der Menschenrechte in unserem Land ein ständiges und verstärktes Engagement von uns allen fordert", sagte der Präsident. Mit dem UNESCO-Lehrstuhl für Menschenrechtserziehung in Magdeburg hat sich laut Hüfner Sachsen-Anhalt zu einem "UNESCO-Land" entwickelt. Es verfügt bereits über vier UNESCO-Weltkulturerbestätten: Quedlinburg, die Lutherstätten Wittenberg und Eisleben, Dessau und das Gartenreich Dessau-Wörlitz.

Der UNESCO-Lehrstuhl ist Teil eines internationalen weltweiten Netzwerkes von über 400 Lehrstühlen. Ziel des Netzwerkes ist es u.a., Forschungs- und Ausbildungsaktivitäten für eine Kultur des Friedens zu fördern, besondere Lehrveranstaltungen und Workshops anzubieten.

Der Magdeburger Lehrstuhl soll einen wertvollen Beitrag dazu leisten, die Menschenrechtsthematik und die Erziehung für Menschenrechte und Toleranz in Forschung, Lehre sowie an Bildungseinrichtungen zu verstärken, so der neu ernannte Lehrstuhlinhaber K. Peter Fritzsche. Als UNESCO Chair wird der Lehrstuhl seine Arbeit in Kooperation und im Erfahrungsaustausch mit anderen UNESCO Chairs weltweit durchführen. Der Magdeburger Lehrstuhl wird sich Herausforderungen auch aus lokaler Perspektive widmen. In jedem Fall wird folgende Frage im Mittelpunkt stehen: "Wie kann Erziehung für Menschenrechte und Toleranz präventiv wirksam werden gegen Rassismus und Rechtsextremismus?", führte Fritzsche weiter aus.

Die Etablierung des ersten UNESCO Chairs in Human Rights Education in Magdeburg ist ein Meilenstein für die Menschenrechtserziehung in ganz Deutschland. Die Landeshauptstadt Magdeburg und das Land Sachsen-Anhalt sind durch ihre Erfahrungen mit Rassismus und Rechtsextremismus sicher in besonderer Weise an einer Institution interessiert, die zur Stärkung einer Kultur der Menschenrechte und der Toleranz beitragen kann. Aber dies ist kein Lehrstuhl speziell für Magdeburg, sondern ein Lehrstuhl in Magdeburg für die gesamte Republik. Durch den Chair wird Magdeburg zu einem "Mittelpunkt" der Menschenrechtserziehung in Deutschland werden, sagte Professor Fritzsche in seinem Vortrag anlässlich der Verleihung des UNESCO Chairs.

Auch über 50 Jahre nach der Verabschiedung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte ist das Menschenrechtswissen bei Schülern, Studierenden und Bürgern nur bruchstückhaft und einseitig und das Menschenrechtsverständnis nur rudimentär entwickelt. Mit der Einrichtung des Lehrstuhls bietet sich die Chance, den Gedanken zur Achtung der Menschenrechte noch stärker ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu bringen.

Professor Fritzsche hat seit 1993 den Lehrstuhl für Vergleich politischer Systeme unter Berücksichtigung der Vorurteilsforschung an der Fakultät für Geistes-, Sozial- und Erziehungswissenschaften der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg inne. Seine Forschungsschwerpunkte sind u. a. "Soziale Stresstheorie" und "Transformation politischer Kulturen".

 

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