Von der formalen Gleichstellung zur Gleichheit

"Asymmetrische Geschlechterkultur in Organisationen" ist am Mittwoch, dem 07. Juni 2000, 17.00 Uhr bis 19.00 Uhr, Gebäude 22A, Raum 021, das Thema einer weiteren Veranstaltung der Ringvorlesung "Frauen im Management". Referentin ist Ursula Müller, Professorin für geschlechtsspezifische Arbeitsmarktforschung an der Universität Bielefeld.

Geschlechtergleichheit in Arbeits- und Bildungsorganisationen gilt offiziell weitestgehend als erreicht. Sind doch zahlreiche Studiengänge und Berufsfelder, die vorher als reine Männerdomäne galten, mittlerweile auch in erheblichem Maße von Frauen "erobert" worden. Unsymmetrisch wird die Angelegenheit erst, wenn man in die Höhen der Chefetagen und Lehrstühle blickt. Selbst in Fachrichtungen, in denen weibliche Eleven deutlich überrepräsentiert sind, auf dieser Ebene sind sie unterrepräsentiert.

Frau Prof. Dr. Müller vertritt daher die These, daß noch immer eine asymmetrische Geschlechterkultur vorherrscht, die den gesellschaftlichen Alltag prägt und sich auch in den Organisationen vorfindet. Zur Geschlechterkultur gehören neben Umgangsformen auch persönliche Wahrnehmungen wie das Eigen- und das Fremdbild sowie Symbolisierungen von Männlichkeit und Weiblichkeit. Die Asymmetrie in der Geschlechterkultur wird dadurch offenbar, daß im Wissenschaftsbetrieb und auf dem Arbeitsmarkt weiterhin eine männliche Dominanz zu verzeichnen ist. Aufgrund von Bildung, Leistung und höheren Ansprüchen an die Berufsarbeit werden Frauengenerationen denen der Männer immer ähnlicher, so daß die Legitimationsbasis für den noch fortbestehenden Ausschluß von Frauen aus bestimmten Tätigkeitsbereichen und den meisten einflußreichen Positionen immer brüchiger wird.

Die Ringvorlesung 2000 richtet sich an Studierende aller Studiengänge und Fakultäten mit der Aufforderung, sich nicht nur auf einen guten Hochschulabschluß zu konzentrieren, sondern wach und bewußt die eigenen Kompetenzen im Blick zu haben und Führungspositionen zielorientiert anzustreben.

Ziel der Ringvorlesung ist es, mehr junge qualifizierte Frauen für eine Führungskarriere zu motivieren und zu stärken und des weiteren Frauen, die in Sachsen-Anhalt in der Wirtschaft, Verwaltung und Politik Führungspositionen inne haben, für die Förderung von weiblichem Nachwuchs zu gewinnen. Die Ringvorlesung soll ein Forum für den Erfahrungsaustausch zwischen Studierenden und erfahrenen Persönlichkeiten aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft sein. Unter der Prämisse eines zukunftsorientierten Management sollen Kenntnisse und Erfahrungen an jüngere Generationen weitergetragen werden. Ein besonderes Augenmerk soll dabei auf der Realisierung von Chancengleichheit und der Förderung und Hervorhebung von frauenspezifischen Kompetenzen liegen, als auch sich zu vernetzen.

Zur Teilnahme an der Ringvorlesung und der aktiven Mitarbeit am Mentoring-Projekt lädt die Initiatorin Prof. Dr. Sibylle Peters, Fakultät für Geistes-, Sozial- und Erziehungswissenschaften der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Dominique Demougin, Fakultät für Wirtschaftswissenschaft, alle Interessierten herzlich ein.

 

Letzte Änderung: 30.03.2016 - Ansprechpartner: Webmaster