Senioren bleiben mit Kampfsport in Bewegung

22.11.2011 -  

Durch sportliches Betätigen verbessern sich das subjektive Gesundheitsbefinden, die motorischen Fähigkeiten und die Gedächtnisleistungen auch bei älteren Erwachsenen. Seit August 2011 läuft hierzu am Institut für Sportwissenschaft der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg (OVGU) unter der Leitung von Prof. Dr. Kerstin Witte und Dr. Peter Emmermacher eine spezielle Studie zur "Sturzprophylaxe und Verbesserung von Lern- und Gedächtnisleistungen im Alter durch ostasiatische Kampfkunst". Dabei kooperiert das Institut für Sportwissenschaft mit dem Karateverband Sachsen-Anhalt, der karanostik GbR sowie dem Bereich Arbeitswissenschaft der OVGU (PD Dr. Irina Böckelmann).

Diese Studie soll zeigen, dass durch das altersgerechte Erlernen und Üben von ostasiatischen Kampfkunsttechniken Verbesserungen der Gleichgewichtsfähigkeit sowie von Lern- und Gedächtnisleistungen bestätigt werden können. Angeregt wurde sie durch das Praktizieren von Kampfsporttechniken im hohen Lebensalter in zahlreichen ostasiatischen Ländern.

Über 200 Interessenten meldeten sich zur Teilnahme an der Studie. 32 Seniorinnen und Senioren konnten in die "Kampfsportgruppe" aufgenommen werden. Das Durchschnittsalter beträgt 69 Jahre. Gleichzeitig wurde eine Vergleichsgruppe "Altersfitness" eröffnet und den anderen Interessierten, die momentan nicht sportlich betreut werden (die so genannte Kontrollgruppe), die Möglichkeit gegeben, im Frühjahr 2012 Kampfsport zu trainieren.
Um die aktuelle körperliche und kognitive Fitness zu bestimmen, mussten sich die Seniorinnen und Senioren verschiedenen Tests unterziehen. So wurden unterschiedliche Untersuchungen zur Bestimmung der Gleichgewichts-, Reaktions- und Gedächtnisfähigkeit durchgeführt. Biomechanische Ganganalysen mit Zusatzaufgaben zeigten, wie sich das Gangmuster verändert, wenn die Person durch eine andere Aufgabe "abgelenkt" (Dual-tasks) wird. Es wird vermutet, dass durch das spezielle sportliche Training, das Gehen mit zusätzlichen Aufgaben genauso flüssig bleibt wie ohne.

Inzwischen trainieren die Seniorinnen und Senioren bereits zwei Monate, wöchentlich zweimal 60 Minuten. Das Übungsangebot erstreckt sich über ein breites Spektrum: einfache Gleichgewichtsübungen, Angriffs- und Verteidigungstechniken aus dem Karate, das Erlernen einer Kata (eine festgelegten Abfolge von Bewegungen), Tai Chi, Selbstbehauptung/Selbstverteidigung sowie das Erlernen der im Karate üblichen japanischen Termini.

Es ist den Teilnehmerinnen und Teilnehmern anzumerken, dass es ihnen nicht nur Spaß macht, sondern jetzt schon viele Teilnehmer Verbesserungen insbesondere hinsichtlich ihres Gleichgewichts feststellen. Nach Abschluss des fünfmonatigen Trainings werden die Untersuchungen im Februar 2012 zeigen, ob sich dieser Eindruck bestätigt.

Das Team der Magdeburger Sportwissenschaftler wird durch Studierende des Bachelor- bzw. Diplom-Studienganges Sport und Technik und der Medizin ergänzt. Die Ergebnisse der Studie werden zudem in zwei Promotionen sowie in Bachelor- und Diplomarbeiten aufgearbeitet.

Ansprechpartnerin:
Prof. Dr. Kerstin Witte, Institut für Sportwissenschaft der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Telefon: 0391 67-14743, E-Mail: