Erstes internationales Promotionsverfahren an den Universitäten Magdeburg und Paris Val-de-Marne

Das erste internationale Promotionsverfahren zur Erlangung des Grades eines Doktors der Philosophie, das gemeinsam von der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg und der Université Paris XII Val-de-Marne durchgeführt wurde, findet mit der öffentlichen Verteidigung der Arbeit am 4. April 2003 um 13.30 Uhr im Gebäude 40 (Zschokkestraße), Raum 441, seinen Abschluss.

Der Promovend, Johannes Angermüller M.A., betrachtete in seiner Dissertation unter dem Titel ",Propheten' und ,Humanisten': Die Konjunktur der Sciences humaines und das intellektuelle Feld in Frankreich (1960-1980) in der struktural-pragmatischen Diskursanalyse" die intellektuellen Avantgardebewegungen der so genannten Strukturalisten und Poststrukturalisten (wie Jacques Lacan, Louis Althusser, Michel Foucault und Jacques Derrida), die in den sechziger und siebziger Jahren im Umfeld der französischen Geisteswissenschaften (sciences humaines) eine große öffentliche Aufmerksamkeit erlangt haben.
Betreut haben die Arbeit, in einer so genannten cotutelle (internationales Promotionsverfahren) entstandene, Dissertation Prof. Dr. Dominique Maingueneau aus dem Bereich Linguistik von der Université Paris Val-de-Marne und Prof. Dr. Eckhard Dittrich, Lehrstuhl Makrosoziologie am Institut für Soziologie der Magdeburger Universität.
Johannes Angermüller (*1973) studierte in Erlangen, Durham (USA) und Sankt Petersburg (Russland). In Erlangen erhielt er in Soziologie, Osteuropäische Geschichte, Amerikanistik 1997 seinen Magisterabschluss. Studienaufenthalte führten ihn an die Harvard University (USA) und die Pariser Sorbonne (Frankreich). Seit 1999 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter bei Prof. Dr. Eckhard Dittrich am Lehrstuhl für Makrosoziologie der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg. Nun schließt Johannes Angermüller seine Promotion an den Universitäten Magdeburg und Paris Val-de-Marne in "Soziologie" bzw. "Diskursanalyse" ab.

Der junge Wissenschaftler beschreibt in seiner Arbeit, wie die intellektuellen Avantgardebewegungen der so genannten Strukturalisten und Poststrukturalisten die etablierten Theorierichtungen und Denker herausforderten und schließlich begannen zu öffentlichen Figuren zu werden, die auch das Klima an den Universitäten beeinflussten. Die neuen Hochschuleinrichtungen, die im Zuge der Bildungsexpansion einen Aufschwung erlebten, waren für diesen Erfolg eine entscheidende Größe. Öffentliche Figuren wurden sie aber auch deshalb, weil sie ihr Publikum überdies in ästhetischer und politischer Hinsicht orientierten. Interessanterweise analysiert der junge Wissenschaftler diese Entwicklung am Verhältnis von Sprache und Gesellschaft. Er stellt dabei folgende Fragen: Wie werden Individuen, die in der Öffentlichkeit auftreten, über Sprache definiert? Inwiefern hängt ihr öffentlicher Erfolg von ihren Positionen in bestimmten Institutionen ab? Nach Johannes Angermüller charakterisiert sich der zeitgenössische Diskurs durch eine dauernde Polemik zwischen zwei Gruppen: zwischen "Propheten" und "Humanisten" bzw. zwischen visionären Neuerern und etablierten Gelehrten. Seit den achtziger Jahren haben die Ideen und Theorien der "Propheten" auch in den internationalen Geisteswissenschaften ein großes Echo gefunden und sind heute aus diesen nicht mehr wegzudenken.


Sehr geehrte Damen und Herren
von Presse, Funk und Fernsehen,

an der öffentlichen Verteidigung der Dissertation von Johannes Angermüller M.A. im internationalen Promotionsverfahren an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg und der Université Paris XII Val-de-Marne werden am 4. April 2003 auch die Betreuer und Gutachter aus Frankreich anwesend sein. Im Anschluss an die Verteidigung besteht die Gelegenheit gegebenenfalls zu Gesprächen bzw. zu Photoaufnahmen. Die Verteidigung findet um 13.30 Uhr im Gebäude 40 (Zschokkestraße), Raum 441, statt.

Über eine Berichterstattung in Ihren Medien würden wir uns sehr freuen.


Mit freundlichen Grüßen
W. Rieß

Letzte Änderung: 30.03.2016 - Ansprechpartner: Webmaster