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Die Übung "Tourismusgeschichte des Harzes", welche im Sommersemester 2008 und im Wintersemester 2008/09 stattfand, wurde jeweils mit einer mehrtägigen Exkursion begleitet, in deren Kontext ausgewählte historische Orte des Harzes wie zum Beispiel der Brocken besucht wurden. Sommer-Exkursion
Spurensuche im „curiösen“ Harz. Das Tourismusgeschichtsseminar der Uni Magdeburg unterwegs
Wer sich über ein Semester lang mit der Tourismusgeschichte des Harzes anhand von historischen Stichen, Reisebüchern und Berichten beschäftigt hat, der müsse den Gegenstand der Untersuchung auch unbedingt vor Ort erkunden. In dieser Fragen waren wir uns – Studenten und Dozent vom Institut für Geschichte der Otto-von-Guericke Universität Magdeburg – schnell einig, schließlich gelte es Theorie und Praxis lebensnah zu verbinden. Laptop, Hefter und Kugelschreiber wurden also im Sommer 2008 getauscht gegen Rucksack, Regencape und Wanderschuh, und schon ging es hinaus aus dem Hörsaal und hinein in den Harz. Der erste Abschnitt unserer dreitägigen Exkursion stand ganz im Zeichen der Stadt Wernigerode samt ihrer reizvollen Umgebung. Kein Zufall, gilt der Ort doch als eine der Wiegen des regionalen Tourismus. Seit dem 17. Jahrhundert wichtige Durchgangsstation für Harz- und Brockenreisende, war Wernigerode ab der Mitte des 19. Jahrhunderts als Sommerfrische entdeckt und ausgebaut worden. Seither ist der Tourismus hier unverzichtbarer Wirtschafts- und Imagefaktor. 1908 hatte die Kommune bereits ein eigenes Städtisches Verkehrsamt eingerichtet. Jenes Ereignis nahm das in Wernigerode beheimatete Harzmuseum im Frühjahr 2008 zum Anlass, um pünktlich zum 100. Jubiläum eine Sonderausstellung zur lokalen Tourismusentwicklung zu präsentieren. Dass diese Exposition von uns Historikern gleich zu Beginn der Exkursion kritisch in Augenschein genommen wurde, lag auf der Hand. Zwischen „Berg und Tal“ – so das Motto des übrigen Tages. Der Besichtigung der malerischen Altstadt folgte der kräftezehrende Aufstieg auf den über Stadt und Schloss gelegenen Agnesberg. Der Ausblick von hier oben lohnte, doch an ein Ausruhen war nicht zu denken, ging es doch gleich wieder hinab ins Tal des Zillierbachs nach Nöschenrode. Zahlreiche Villen aus der Kaiserzeit erinnerten uns in diesem Wernigeröder Ortsteil an die erste Hochzeit des örtlichen Tourismus. Um zwischen all den interessanten Gebäuden den nötigen Überblick nicht zu verlieren, marschierten wir schließlich wieder hinauf, geradewegs auf den 1902 eingeweihten Kaiserturm. Ein wenig Schnaufen und Schwitzen, dann fand sich die Gruppe auf der Plattform dieses traditionsreichen und exponiert gelegenen Aussichtsturms. Hier Wernigerode, dort Hochharz und Brocken – das Panorama begeisterte alle Teilnehmer und ließ schon einmal erahnen, welche Höhen es in den kommenden Tagen noch zu bezwingen galt. Ein gemächlicher Abstieg und ein gemütliches Abendessen rundeten diesen ersten Exkursionsabschnitt ab. Gut gelaunt und schwer bepackt starteten wir in den zweiten Tag. Nun stand eine echte Fußreise nach historischem Vorbild an. Das Ziel: Schierke. Vom Wernigeröder Ortsteil Hasserode führte der Weg durch das romantische Tal der Steinernen Renne. Auf Pfaden, die schon die Brockenpilgrimme bzw. Sommerfrischler in vergangenen Jahrhunderten benutzt hatten, arbeiteten wir uns Schritt für Schritt hinein ins Gebirge. Eine Rast im Gasthaus „Zur Steinernen Renne“, dann lockte ein neues Etappenziel: der Landmann, eine 805 m hohe und ziemlich versteckt gelegene Klippe im wilden Hochharz. Wir fanden und besteigen sie, trugen uns im Gipfelbuch ein und setzen die anstrengende Wanderung fort. Umgestürzte Bäume und scheinbar von Riesenhand verstreute Granitblöcke säumten unseren Pfad. Für einen Moment fühlten wir uns wie die frühen Harztouristen des 17. und 18. Jahrhunderts, die sich damals auf ihren Wegen durch eine sicher noch viel unwirtlichere Wildnis hatten kämpfen müssen. Schließlich langten wir auf dem Hohnekamm an, passierten die Grenz- und erklommen die Leistenklippe. Wind und Wolken kamen auf, ein leichter Nieselregen setzte ein – Harzwetter eben. So setzten wir uns dann möglichst schnell in Richtung Schierke ab. Die Strecke zog sich hin, langsam drückten die Rucksäcke auf den Schultern, mancher Fuß meldete die Existenz einer ersten Blase ... Rechte Freude kam erst wieder auf, als endlich die ersten Häuser des Ortes zu sehen waren. Nun erreichte die Gruppe schnell das schützende Dach der Schierker Baude. Weiche Betten und warme Duschen lockten hier – ein Luxus, den die „curiösen Personen“ vergangener Zeiten noch nicht gekannt hatten. Wir genossen ihn und eroberten nach dem Abendessen sogar noch die unweit gelegenen Schnarcherklippen. Bei Knüppelkuchen, Bier und historischen Erzählungen beschlossen wir diesen Tag am Lagerfeuer. Ein wenig müde waren wir schon, als wir am kommenden Morgen unsere letzte Etappe in Angriff nahmen. Den Brocken wollten wir besteigen, allerdings nicht auf einer der üblichen Routen. Dank der Genehmigung der Nationalparkverwaltung Harz durfte unsere Gruppe ab dem Brockenbett noch einmal tourismusgeschichtlich bedeutendes Terrain betreten. So erwanderten wir unter Führung eines Rangers auf authentischem Wege die 1.044 m hohe Heinrichshöhe, auf der sich seit 1743 das erste Brockenwirtshaus befunden hatte. Am Brockentor, einer kleinen Felsformation, fanden sich tatsächlich noch deren steinerne Reste. Von hier zum höchsten Harzgipfel war es am Ende gar nicht mehr weit. Höchster Punkt, Wolkenhaus und Brockenmuseum, diesen drei Stationen galt unsere Aufmerksamkeit auf dem sagenumwobenen Blocksberg. Allzu lange währte unser Aufenthalt hier oben jedoch nicht, denn unser Tagesziel hieß Ilsenburg. Und bis dahin, dass offerierte schon der Blick aus luftiger Höhe, war es noch recht weit. Kleiner Brocken, Bismarckklippe, Stempelsbuche, Bremer Hütte … und endlich kam die Plessenburg in Sicht. Wie der Ilsestein durfte das alte Jagdhaus ob seiner tourismusgeschichtlichen Bedeutung nicht umgangen werden. Wieder meldeten sich Schultern und Blasen, aber die Gruppe hielt sich wacker. Ein Radler zwischendurch ließ am Ende den Stimmungspegel noch einmal prächtig in die Höhe schnellen. Gleiches tat auch die Nutzung des sog. Fünfminutenwegs geradewegs vom Ilsestein ins Tal. Wenn auch manch Student hier strauchelte, Zeitersparnis und Spaßfaktor waren enorm. Am Ende erreichten wir in trauter Gemeinschaft den Ilsenburger Bahnhof. Ziemlich erschöpft zwar, aber glücklich und voller Eindrücke. Eine echte Fußreise über den Harz – wir hatten sie bewältigt!
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Sommer-Exkursion |
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