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Wernigerode.
Die bunte Stadt am Harz
Unmittelbar am Nordrand des Harzes, am
Zusammenfluss von Holtemme und Zillierbach, ist
Wernigerode im 10. Jahrhundert
entstanden. An der Kreuzung mehrerer alter Verkehrswege gelegen,
bot der Ort in der Folgezeit besonders günstige Bedingungen für
die Entwicklung von Handel und Handwerk. 1121 wurde jener
erstmals im Zusammenhang mit den hier ansässigen
Grafen von Wernigerode erwähnt.
Vertreter dieses angesehenen Harzgrafengeschlechts waren es denn
auch, die den Wernigerödern 1229 das Stadtrecht nach Goslarer
Vorbild gewährten. Im Spätmittelalter und in der
Frühen Neuzeit fungierte die
Kommune als kleines aber wichtiges Tor zum
Harz, das von vielen Reisenden
passiert wurde. Für die überregionale Bekanntheit Wernigerodes
spricht die Tatsache, dass der Ort in der um 1500 von
Erhard Etzlaub entworfenen
Romwegkarte, der ersten modernen Europakarte, eingezeichnet ist.
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alter Harzer, 2. Hälfte 19.Jh.
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Nach dem Aussterben der
Grafen von Wernigerode im Jahre 1429
gerieten Stadt und
Grafschaft Wernigerode in den Besitz
der weitläufig verwandten
Grafen zu Stolberg, die sich fortan
Grafen zu Stolberg-Wernigerode nannten.
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Wernigerode um 1750 |
Wernigerode, seit Beginn des
18. Jahrhunderts feste Residenz des besagten Grafenhauses, bot
sich vor allem aufgrund seiner Lage als eine günstige
Durchgangsstation für Harzreisende an. Verschiedene Gasthöfe
warteten hier mit Kost und Logis auf, zudem ließen sich am Ort
kundige Fuhrleute samt Wagen mieten, um auf unterschiedlichen
Wegen eine Brockenfahrt zu unternehmen.
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Bis in die
Mitte des 19. Jahrhunderts interessierten sich die Fremden eher
wenig für die kleine Stadt am
Harz. Als Sehenswürdigkeiten
galten ihnen hauptsächlich die romantische Umgebung des Ortes
sowie die repräsentativen Attribute der Residenz: das
Schloss, der
Lust- sowie der
Tiergarten und die
gräfliche Bibliothek.
Mit dem Beginn der
Industrialisierung trat auch der Harztourismus in eine neue Phase
ein. Waren bis dahin in dem Gebirge hauptsächlich Kavaliere, Künstler,
Studenten oder Wissenschaftler zu Fuß, zu Pferd oder in der Kutsche
unterwegs gewesen, kamen jetzt ganze Familien dazu. Meist in den rasch
wachsenden und hektischen Großstädten beheimatet, suchten deren
Angehörige in den
Sommerfrischen vor allem Ruhe und Entspannung
von ihrem Arbeitsalltag.
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Wernigerode bot aufgrund seiner
Lage unmittelbar an den Ausläufern des
Harzes nahezu ideale
Ausgangsbedingungen, um als
Sommerfrische entdeckt und
kultiviert zu werden. Als Durchgangsstation zum Brocken und
Residenz eines alten Harzgrafengeschlechts war die Stadt schon
lange überregional bekannt gewesen. Ihre Umgebung wurde schon
damals als schlichtweg schön empfunden; Klima und Luft galten
als mild und gesund. So wundert es nicht, dass sich mehr und
mehr Hausbesitzer in
Wernigerode sowie in den
Vororten Hasserode und Nöschenrode erfolgreich anschickten,
Sommerwohnungen an Gäste zu vermieten.
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Wernigerode und Brocken um 1840 |
Vor allem Vereine und
Privatunternehmer waren es, die ab der Mitte des 19. Jahrhunderts dafür
sorgten, dass sich in und um
Wernigerode langsam aber stetig eine
touristische Infrastruktur entwickelte. Spazier- und Wanderwege wurden
angelegt, Aussichtspunkte zugänglich gemacht; die Zahl der Gasthöfe,
Hotels und Kaffeehäuser nahm zu.
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Rathaus von Wernigerode, Anfang 20. Jh. |
Zwar hatte auch
hier die Industrialisierung begonnen, die entstandenen klein-
bzw. mittelständischen Betriebe erschütterten das „alte
Wernigerode“ jedoch nicht in den Grundfesten. In der
überschaubaren und in seinen Randbereichen zum Teil ländlich
geprägten Stadt erinnerte gerade die großstadtmüden Gäste vieles
an die vermeintlich gute alte – vorindustrielle – Zeit. Jene
Besucher fanden denn auch ein zunehmendes Interesse an dem
altehrwürdigen Rathaus, den überkommenen Resten der
Stadtbefestigung und den heute viel gerühmten
Fachwerkbauten. |
Nach der
Reichsgründung von 1871 beschleunigte
sich das touristische Entwicklungstempo im
Harz und insbesondere in
Wernigerode nochmals. Einerseits
konnten es sich zunehmend mehr Städter leisten, in die
Sommerfrische
zu fahren, andererseits hatte sich speziell für
Wernigerode mit dem 1872 erfolgten
Anschluss an die Eisenbahn die Verkehrsanbindung von Grund auf
verbessert.
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In der
Kaiserzeit entwickelte sich der
Tourismus neben der Industrie
zum wichtigsten Wirtschaftsfaktor der kleinen preußischen
Kreisstadt. Hoteliers und Gastwirte investierten wie die
engagierten Vereinsmitglieder weiterhin in den Ausbau ihrer
Betriebe bzw. in die Erholungs- bzw. Kuranlagen.
Wernigerode, Hasserode und
Nöschenrode wurden zusehends attraktiver, so dass sich manch
Sommergast sogar entschloss, hier seinen Altersruhesitz zu
nehmen. |

Wernigerode-Touristen um 1900 |
Mit der 1899
vollzogenen Einweihung der
Brockenbahn gewann
Wernigerode eine neue und überaus
zukunftsträchtige touristische Attraktion. Nun konnten die Gäste in
schnaufenden Zügen unbeschwert den
Brocken erreichen; eine Novität, die
allerdings schon unter den Zeitgenossen recht umstritten war.
Zu Beginn des 20.
Jahrhundert hatte der Gästezustrom in und um
Wernigerode schließlich solche Ausmaße
und solche Bedeutung angenommen, dass sich Magistrat und Stadtverordnete
im Jahre 1908 sehr schnell einig darüber wurden, die öffentlichen
Angelegenheiten rund um den Tourismus nun in kommunale Hände zu nehmen.
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der Vorstand des Harzklubs 1912 |
Pünktlich
zum Saisonbeginn, am 1. Mai, eröffnete am Nicolaiplatz 1 das
Büro des Städtischen Verkehrsamts. Dessen Leiter, der Redakteur
Max Schultze, entwickelte vielfältigste Aktivitäten; er gab den
Besuchern Auskunft, kümmerte sich um die regionale und
überregionale Werbung und veröffentlichte manche Schrift. Für
die überaus erfolgreiche Arbeit dieses Verkehrsamtes sprechen
nicht nur die weiter steigenden Gästezahlen, sondern auch der
Fakt, dass der 1904 gegründete
Harzer Verkehrsverband 1909
seinen Sitz nach
Wernigerode verlegte.
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Den Beinamen
„Bunte Stadt am Harz“ dankt
Wernigerode dem Schriftsteller
Hermann Löns. Der hatte sich
1907 für mehrere Wochen hier aufgehalten und seine gewonnenen
Eindrücke in einer humorvollen literarischen Skizze verarbeitet.
Nach der Erstveröffentlichung im Mai 1909 verkaufte der Autor
später die Rechte an seinem Text nach
Wernigerode. Hier nutzte man
fortan vor allem deren eingängigen Titel, um mit Erfolg für die
Stadt zu werben. |
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Wernigerode
Thale
Bad Harzburg
Schierke
Goslar
Brocken
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