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Definition
Die Historikerin Christine Keitz versteht unter Tourismus "die Reise zum Vergnügen, zur Erholung und
zur persönlichen Bildung samt ihren Vorraussetzungen und Funktionen".
Anfänge
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Aufgrund
zeitgenössischer Bild- und Textstellen, wie dem ersten
Harzreiseführer
Hercynia Curiosa von
Georg Henning Behrens, lassen sich
die Anfänge des Harztourismus gesichert bis in die Mitte des 17.
Jahrhunderts zurückverfolgen. Zwar gab es damals weitaus weniger
Harzreisende aus touristischer Neugier, so wie wir
es heute kennen, aber es gab sie.
Im 17. und 18. Jahrhundert nahm
eine Harzreise mehr Zeit in Anspruch als heute. Folglich
war man mehrere Tage bzw. Wochen entweder zu
Fuß oder, wenn man über die nötigen materiellen Ressourcen
verfügte, in einem Wagen, auf dem Rücken eines Pferdes bzw. Maulesels unterwegs.
Der Weg durch das Mittelgebirge war für den Einzelnen oder die
Gruppe aufgrund der zu überquerenden Berge, Flüsse und Bäche
sowie der zu durchquerenden großflächigen Wälder sehr beschwerlich.
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Harzreisende um 1650 |
Das Straßen- und Wegenetz war in
Mitteleuropa bis in das 19. Jahrhundert in einem zumeist schlechten oder
lückenhaften Zustand, so auch im Harz. Trotzdem fanden hier bereits ab der ersten
Hälfte des 18. Jahrhunderts touristische Erschließungsmaßnahmen im
Brockengebiet statt, beispielsweise der Ausbau von Wegen und der Aufbau des
Wolkenhäuschens auf dem Brockengipfel.
Neben den zu überwindenden natürlichen Barrieren drohten den Reisenden
in der
Frühen Neuzeit noch weitere
Hindernisse
wie etwa die an den Territorialgrenzen von Beamten oder Zöllnern
durchgeführten und berüchtigten Grenzkontrollen und Zollabgaben.
Gefahren drohten den Reisenden überdies durch Unfälle, Pannen, Überfälle,
Betrug, Kriege, Naturkatastrophen oder Krankheiten. Jedoch ließ sich ein echter
Harzreisender von all diesen Barrieren und Gefahren nicht aufhalten, machten
solche Hindernisse das Unternehmen doch erst recht zu
einem richtigen Abenteuer. Harzreisen wurden in den Anfängen zunächst
vorrangig von Wissenschaftlern,
Studenten, Adeligen oder Künstlern bestritten. Allerdings handelte es
sich bei diesen sog. "curiösen Personen" nicht nur um wagemutige Männer, sondern auch um
tapfere und abenteuerlustige Frauen.
So schrieb Prinzessin Sophie von
Hohenlohe-Ingelfingen 1785 über den Harz in ihr Reisetagebuch:
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"Von Elrich
bis Wernigerode muß man 8 Stunden durch den Harz fahren. Wer
diesen Weg ohne Gefahr machen will, der muß einen besondern
Wagen haben, der nicht nur enge Spuren hat, sondern auch
hochgestellt ist, damit er über die Aeste und großen Steine, die
oft im Wege liegen, weg gehen kann, und doch dauern dergleichen
Harz Kutschen nicht länger als ein Jahr (...)
Wenn man in den Harz Gegenden ist, so
scheint man in einer andern Welt zu seyn. Die Kette von Bergen,
die großen schwarzen Wälder, die mannigfältigen Thäler die
veranderliche und kältere Luft und die Früchte, die weit später
zur Reife kommen, als bey uns, und die besondere Lebens Art der
Harzbewohner, machen ganz besondere Eindrücke auf die Reisenden,
daß er die Beschwerlichkeiten, die eine Harzreise mit sich
bringt, nicht sehr achtet, sondern auf die neuen Gegenstände,
seine Aufmercksamkeit richtet. (...)" |
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Bevorzugt reiste man im Sommer, da zu dieser
Jahreszeit die Tage länger waren. So standen im Sommer im Vergleich zum
Winter bis zu sechs Stunden mehr Tageslicht zur Verfügung. Die
Sommertage waren lang, das Wetter wärmer und die Reisewege häufig trocken.
Außerdem konnte der Reisende durchaus auch mal auf eine Unterkunft
verzichten und in einem Zelt oder unter freiem Himmel schlafen.
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Brockenreise auf Maultieren 1820 |
Die "Curiösen" bzw. frühen Harzreisenden wählten in der Zeit der
touristischen Anfänge schon ähnliche Ausflugsziele wie wir heute.
So besuchten sie Höhlen und Felsen, Bergwerke und
historische Ruinen sowie Klippen und Berge. Aber insbesondere
zog es die Reisenden heute wie damals zum touristischen
"Highlight" des Harzes, nämlich zum
sagenumwobenen
Brocken,
der früher
Blocksberg genannt wurde.
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In den ersten Jahrzehnten des 19.
Jahrhunderts avancierte das Taschenbuch für Reisende im Harz von
Friedrich Gottschalck zum beliebtesten Reiseführer, der
zum Beispiel von Schriftstellern wie
Adolph Glassbrenner oder
Heinrich Heine bei ihrer Harzreise emsig
studiert wurde.
Ab Mitte des 19. Jahrhunderts erlebte der
Harztourismus über die Entdeckungen und Inszenierungen der
Sommerfrischen eine neue
Entwicklungsetappe. Den historischen Hintergrund für diese neue Phase, welche
mit wirtschaftlichen, kulturellen, sozialen und mentalen Veränderungen
einherging, bildete die ab 1840 im
Deutschen Bund und folglich auch im
Harzgebiet einsetzende
Industrialisierung.
Heinrich Heine berichtet uns in
seinem 1826 veröffentlichten Reisebericht "Die Harzreise" über seine Brockenbesteigung Folgendes:
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"In der Tat, wenn man die
obere Hälfte des Brockens besteigt, kann man sich nicht
erwehren, an die ergötzlichen Blocksberggeschichten zu denken,
und besonderns an die große, mystische, deutsche
Nationaltragödie vom Doktor Faust. Mir war immer, als ob der
Pferdefuß neben mir hinaufkletterte und jemand humoristisch Atem
schöpfe. Und ich glaube, auch Mephisto muß mit Mühe Atem holen,
wenn er seinen Lieblingsberg ersteigt; es ist ein äußerst
erschöpfender Weg, und ich war froh, als ich endlich das
langersehnte Brockenhaus zu Gesicht bekam. Dieses Haus, das, wie
durch vielfache Abbildungen bekannt ist, bloß aus einem Parterre
besteht und auf der Spitze des Berges liegt, wurde erst 1800 vom
Grafen Stolberg-Wernigerode erbaut, für dessen Rechnung es auch
als Wirtshaus verwaltet wird. (...) Der Eintritt in das
Brockenhaus erregte bei mir eine etwas ungewöhnliche,
märchenhafte Empfindung. Man ist nach einem langen, einsamen Umhersteigen durch Tannen und Klippen plötzlich in ein
Wolkenhaus versetzt; Städte, Berge und Wälder blieben unten
liegen, und oben findet man eine wunderlich zusammengesetzte,
fremde Gesellschaft, von welcher man, wie es an dergleichen
Orten natürlich ist, fast wie ein erwarteter Genosse, halb
neugierig und halb gleichgültig, empfangen wird." |
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Definition
Anfänge
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