Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg

 
 
 
 
 
 
 
 

Interdisziplinäres Telemedienprojekt "TASC" an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg startet in die zweite Runde

09.06.2009 -

Um Schlaganfälle künftig über große Distanzen hinweg telemedizinisch zu diagnostizieren und die Behandlung zu unterstützen, arbeiten Wissenschaftler der Otto-von-Guericke-Universität ab Juni fachübergreifend an tragfähigen Geschäftsmodellen und hochmoderner Telemedizintechnik im Rahmen des Projekts TASC - Telemedical Acute Stroke Care. Erste Effekte der Forschungsaktivitäten werden schon bald in Sachsen-Anhalt spürbar sein. Insgesamt fünf Kliniken des Landes werden telemedizinisch an das Universitätsklinikum Magdeburg angebunden und die Versorgung von Schlaganfallpatienten wird somit schon bald vor allem in ländlichen Gebieten deutlich verbessert werden.

Das Vorhaben wird gemeinsam von dem Lehrstuhl Medizinische Telematik und Medizintechnik (Prof. Dr. Georg Rose), der Klinik für Neurologie (Prof. Dr. Hans-Jochen Heinze und PD Dr. Michael Görtler) und dem Institut für Neuroradiologie (Prof. Dr. Martin Skalej) unter der Leitung von Prof. Dr. Matthias Raith vom Interaktionszentrum Entrepreneurship realisiert. Gefördert wird die TASC-Force über die nächsten zwei Jahre mit 1,47 Millionen Euro vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen des neuen Programms "Forschung für den Markt im Team", kurz ForMaT.

In 2008 wurden für die nun beginnenden Forschungs- und Entwicklungsarbeiten in einer sechsmonatigen Screeningphase die Grundsteine gelegt. Die Forscher fanden heraus, dass der Fokus der im Markt etablierten Netzwerke auf der Verbesserung der Versorgungsqualität liegt, aber die Wirtschaftlichkeit der Netzwerke und die Effizienz der eingesetzten Telemedizintechnik vernachlässigt wurde.

Die TASC-Mitarbeiter - zwei Neurologen, vier Ingenieure und vier Wirtschaftswissenschaftler - verfolgen deshalb seit dem 1. Juni 2009 die Entwicklung einer skalierbaren und kosteneffektiven Telemedizin-Infrastrukturlösung und adressieren dabei Forschungsaspekte der Technologie- und Geschäftsmodellentwicklung sowie der Gesundheitsversorgung. Erster Schritt für die Forscher wird der Aufbau eines telemedizinischen "Freifeld-Labors" sein. Bereits Ende letzten Jahres wurden die Kliniken Halberstadt und Stendal durch den Lehrstuhl von Prof. Rose mit diagnosetauglicher Videokonferenztechnik ausgestattet und darüber mit dem Universitätsklinikum Magdeburg verbunden. Über 30 Patienten konnten seitdem schon telemedizinisch versorgt werden. Nun werden drei weitere Kliniken an dieses Netzwerk angeschlossen, um den Forschern eine realistische Testumgebung für ihre Entwicklungen zu schaffen.

Weltweit steht der Schlaganfall auf Platz zwei der Rangliste der Todesursachen und ist Hauptursache für Behinderungen in den westlichen Industrieländern. Allein in Deutschland gibt es ca. 160.000 Neuerkrankungen jährlich. Eine effektive Akuttherapie darf nur in einem sehr engen Zeitfenster von drei Stunden nach Krankheitsbeginn und nur bei einer bestimmten Art des Schlaganfalls angewandt werden. In diesen drei Stunden muss der Schlaganfall als solcher erkannt werden, die Rettung und der Transport zur richtigen Klinik erfolgen, eine Vielzahl von Entscheidungen getroffen sowie Anamnesen gestellt und Untersuchungsbefunde erhoben werden. Dieser Zeitrahmen lässt keinen Platz für Verzögerungen oder Fehlentscheidungen. In Regionen ohne Schlaganfallspezialisten in Sachsen-Anhalt ist die Einhaltung des Drei-Stunden-Zeitfensters derzeitig fast unmöglich. Durch den Einsatz der Telemedizin kann diese Situation effektiv verbessert werden.

Ansprechpartner: Prof. Dr. Matthias Raith, Interaktionszentrum Entrepreneurship, Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Tel.: 0391 67-18436, Internet: http://tasc.telestroke.net, E-Mail: raith@ovgu.de


 
Letzte Änderung: 16.05.2012 - Ansprechpartner: Webmaster