Sport ist Mord? Von wegen!

„Ich fahre immer mit dem Fahrrad zur Arbeit“, sagt Doktorandin Alondra Chaire. Die Mexikanerin erforscht am Institut für Kognitive Neurologie und Demenzforschung (IKND) welchen Einfluss sportliche Betätigung auf das Gehirn junger Erwachsener hat. Obwohl sie den ganzen Tag für Arbeit und Forschung in dem modernen grau-grünen Block vom Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) auf dem Campus der Medizinischen Fakultät verbringt, ist die junge Frau ständig in Bewegung.

Alondra Chaire an ihrem Arbeitsplatz(c) Harald Krieg

Alondra Chaire an ihrem Arbeitsplatz Foto: Harald Krieg

Aus Mexiko ging sie für ihr Studium weg. Ihr Bachelor- und Masterstudium absolvierte sie in den USA, im Bundestaat Texas, der im Süden an ihre Heimatregion Tamaulipas grenzt. Für ihre Promotion wollte sie nach Europa. London und Magdeburg standen zur Auswahl - die Qual der Wahl? Mitnichten für Alondra Chaire: „Ich habe die Pros und Kontras abgewägt.“ Die Ausstattung der Forschungseinrichtung, keine Studiengebühren, geringe Mietkosten in der Stadt und die Möglichkeit, eine neue Sprache zu lernen: Magdeburg hatte die Nase vorn. Seit Mai 2014 promoviert sie im Team von Prof. Dr. Emrah Düzel am IKND.

Mit dem Fahrrad zum Laufband

Der Weg zur Arbeit ist für sie die Strecke Hasselbachplatz - Campus Medizinische Fakultät/DZNE. Die legt sie täglich mit dem Fahrrad zurück. „Ich hatte mir ein Stadtrad gekauft, aber das ist mir zu langsam und ich kann damit keine Sprünge machen“, erzählt die 32-Jährige. Jetzt hat sie noch ein zweites. Am DZNE angekommen, streckt sie die Glieder nur noch unter dem Schreibtisch im fünften Stock oder auf dem Weg zur Kaffeemaschine. Manchmal geht sie runter in die zweite Etage dort finden ihre Tests mit Probandinnen und Probanden statt. Auf der Ebene befinden sich Sportgeräte, vor allem Laufbänder, sowie Monitore. Chaire misst mit Hilfe von EEG-Technik die Gehirnaktivität ihrer Testpersonen, während sie Sport machen. Die „jungen Erwachsenen“, die sie in ihrer Studie untersucht, sind Studierende der OVGU. Sie kommen dreimal pro Woche und laufen 45 Minuten. Eine Kontrollgruppe kommt zweimal und geht nur 15 Minuten zu Fuß auf dem Band. „Nur eine Gruppe erhöht die Ausdauer“, so die Forscherin. Sie will herausfinden, ob sich die Gehirnfrequenz verändert.

Chaire macht selbst Sport am DZNE, allerdings ohne EEG. Einmal pro Woche nimmt sie an der Yoga-Stunde teil, die für die Mitarbeitenden angeboten wird. In der Freizeit geht sie klettern im Elbauenpark oder in der Sporthalle 3. Sie tanzt bei Veranstaltungen der Interkulturellen Studierendengruppe IKUS lateinamerikanische Tänze. Und von Cheerleading bis Zumba probiert sie regelmäßig neue Kurse des Universitätssportzentrums aus. Schon als Kind war sie erfolgreiche Sportlerin: Gemeinsam mit ihren Schwestern durfte sie regelmäßig zu den mexikanischen Nationals - also zu den Landesmeisterschaften - im Taekwondo fahren.

Reisen und Ruhe

Auch heute noch ist sie immer unterwegs. „Ich versuche einmal im Monat zu verreisen“, erzählt die Neurowissenschaftlerin. Von Magdeburg aus erkundet sie die Welt. Zum Beispiel Aserbaidschan. „Ich habe eine Frau an der OVGU kennengelernt“, erzählt die Doktorandin. „Wir sind Freundinnen geworden und als sie in Aserbaidschan geheiratet hat, hat sie mich eingeladen.“ Aber auch nach Äthiopien ist sie von Deutschland aus geflogen und natürlich nach London. Zweimal im Jahr setzt sie sich außerdem in den Flieger nach Mexiko, um ihre Familie zu besuchen. Zu Weihnachten und im Sommer.

Soviel Energie braucht Entspannung. Am liebsten geht Alondra Chaire in ihrer Freizeit in die „Kiste“ - ihre absolute Lieblingsbar in ganz Magdeburg. „Die Atmosphäre ist fantastisch“, sagt sie mit leuchtenden Augen. „Ich bin dort wirklich gern. Es ist klein und gemütlich, man kann Kicker und Volleyball spielen.“ Richtig zur Ruhe kommt sie vor allem, wenn sie Literaturrecherche für ihre Dissertation macht: „Am Wochenende gehe ich zum Lesen auch mal in ein Café am Hasselbachplatz.“ Einmal pro Woche versucht sie, in der Universitätsbibliothek zu arbeiten - „in der hübschen.“ Die Bibliothek am Universitätsplatz ist der Lieblingsplatz der Nachwuchswissenschaftlerin: „Der Blick, den man über den Campus hat, ist toll. Ich wünschte, sie wäre sonntags geöffnet.“

 

Julia Heundorf

Letzte Änderung: 08.08.2019 - Ansprechpartner: Webmaster