Nach dem Vorbild des Silicon Valley

28.12.2017 -  

„Überzeugung alleine reicht nicht aus, um aus einer Idee ein erfolgreiches Start-up zu machen“, weiß Dr. Gerald Böhm, Leiter des Transfer- und Gründerzentrums (TUGZ) der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, aus eigener Erfahrung. Er selbst hat mehrere Unternehmen in verschiedenen Branchen gegründet und jedes Mal war es harte Arbeit.

Der gebürtige Niederbayer weiß, wovon er spricht und welche Unterstützungsangebote Gründungsinteressierte wirklich ans Ziel bringen: „Erfolgreiche Gründerinnen und Gründer werden nicht als solche geboren. Sie müssen ihr solides Fachwissen um das Handwerkszeug der Unternehmensführung – wie Zeitmanagement, Teamfähigkeit und Führungskompetenzen – erweitern.“

Neben einer bundesweit einzigartigen Vielfalt von Versuchslaboren, den sogenannten Inkubatoren, zahlreichen Netzwerkveranstaltungen und Beratungsangeboten können Gründungsinteressierte der Universität mit der Start-up-School ein Ausbildungsprogramm nutzen, das an erfolgreiche Gründerschmieden der Stanford University oder dem MIT angelehnt ist. Vorerfahrungen oder einer eigenen Gründungsidee bedarf es dafür nicht. „Wir beobachten sogar, dass sich innerhalb der Start-up-School neue Gründungsteams finden. So entsteht durch die Start-up- School eine echte Gründungskultur an der Universität, wie man sie aus Filmen wie „The Social Network“ oder Serien wie „Silicon Valley“ kennt. Daher glaube ich, dass wir binnen drei Jahren eine national wie international gut sichtbare Gründungskultur an der Universität vorweisen werden“, sieht Böhm zuversichtlich in die Zukunft.

Startupschool

Coworking Spaces, Start-Up-School und Netzwerkveranstaltungen sollen zu einer gelebten Gründungskultur an der Universität Magdeburg beitragen. (Foto: Jacob Lund - shutterstock.com)

Die Universität Magdeburg auf dem Weg zur Gründungs- und Transferuniversität

„Zur Verwirklichung dieser Zukunftsvision hilft die vorhandene Unterstützung durch die Hochschulleitung für die Entwicklung des TUGZ ganz enorm“, so Dr. Böhm. Das Team arbeitet bereits an neuen Strategien und Angeboten, in denen die Interdisziplinarität der Universität noch einige Schritte weitergedacht werden soll. Großes Potenzial stecke – neben den technisch-ingenieurwissenschaftlichen Richtungen an der Universität – auch in den Humanwissenschaften in Kombination mit den ingenieur-wissenschaftlichen Fakultäten. Auch für den Transfer der Universität und für die Angebote bezüglich der Schutzrechte sollen moderne und leistungsfähige Konzepte entwickelt und umgesetzt werden. Die Forschungs- und Entwicklungsarbeit in den Fakultäten sei absolut hochwertig und international wettbewerbsfähig, würde aber noch nicht ausreichend in den Transfergedanken münden. Zudem seien die bisherigen Coworking-Angebote zwar eine gute Basis, räumlich aber noch ausbaufähig. Ein echtes Coworking, das eine Gründungskultur befeuert, könne derzeit noch nicht realisiert werden. Der Zuspruch von Seiten der Hochschulleitung, der Stadt Magdeburg und des Landes für die Weiterentwicklung der Angebote sei jedoch groß. Daher bleibe zu hoffen, dass auch die Raumangebote perspektivisch auf ein neues, auch international wettbewerbsfähiges Niveau angehoben werden könnten.

Bei der Unterstützung der Gründungsinteressierten sieht sich das TUGZ-Team in erster Linie als Dienstleister und begleitet jedes Gründungsprojekt individuell. „Unserer Erfahrung nach ist keine Gründung wie die andere; jeder Gründer und jede Gründerin verbindet mit der Businessidee eine eigene Zielsetzung, eine eigene Lebensplanung. Wir wollen vermeiden, so etwas wie ein Patentrezept vorzulegen und die Fantasie der Gründer damit auf einen kleinsten gemeinsamen Nenner zu reduzieren“, erklärt Böhm die Vision des Transfer- und Gründerzentrums.

Der Erfolg spricht für sich: Erstmals wurde von dem durch das TUGZ der Universität Magdeburg betreute Start-up neotiv eine anspruchsvolle und gut dotierte EXIST-Forschungstransfer-Förderung an der Universität Magdeburg eingeworben. Gründungen wie 3DQR und Kilenda wachsen kontinuierlich und stellen neue Mitarbeiter ein. „Und von vielen Seiten wird uns berichtet, dass zunehmend der ‚entrepreneurial spirit’ – der Gründergeist – bei unseren Veranstaltungen gelebt wird“, zeigt sich Dr. Gerald Böhm über die positive Entwicklung in Richtung Gründungs- und Transferuniversität erfreut.

Grafik_StartUp2Das bietet das TUGZ Gründungsinteressierten der Universität Magdeburg:

  • Ausbildungsprogramm „Start-up-School“
  • Gründer-Events und Stammtische
  • Rütteltests der Geschäftsidee
  • Individuelle Beratungen und Coaching
  • Prototyping in der Produktentwicklung
  • Hightechwerkstätten („MakerLabs“)
  • Begleitung durch Mentoren
  • Virtuelles Teammitglied
  • Technische Intensivbetreuung
  • Coworking

Grafik_StartUpHier können sich Gründungsinteressierte der Universität ausprobieren - in den MakerLabs des ego.-Inkubatoren-Programms:

  • Additiv+: Inkubator zur prozesssicheren, schnellen und kosteneffizienten Herstellung von funktionellen Prototypen
  • AppLab: Inkubator für die Entwicklung von mobilen Apps und Web-Diensten
  • AWI-Lab: Inkubator zur Förderung von Gründungen im Bereich „Innovative Arbeitswelt 4.0“
  • FabLab: Fertigungslabor zur Herstellung von Anschauungs- und Funktionsmodellen (Prototypen)
  • FinTechLab (im Aufbau): Inkubator für Financial Technologies an der Schnittstelle von Wirtschaftswissenschaften und Ingenieurwissenschaften
  • FLEXtronic: Inkubator zur Entwicklung eigener Elektronikprodukte
  • iGE – innovative Gussteilentwicklung: Bereitstellung neuester Technik im Produktentstehungsprozess von Gussteilen
  • IGT Inkubator (im Aufbau): Gründungslabor für innovative Medizinprodukte
  • inzell – innovative zellulare Werkstoffe: Herstellung von Leichtbau-Werkstoffen auf Basis von porösen Materialien, z. B. Glasschäumen oder keramischen Schäumen
  • Performance Lab (im Aufbau): Inkubator zur Erprobung innovativer Geschäftsideen zur Verbesserung des psychischen und physischen Leistungsvermögens
  • PM – Patientenindividuelle Medizinprodukte: Zusammenführen von Wissen aus Medizin, Ingenieur- und Wirtschaftswissenschaften für neue medizintechnische Produkte

 

Ina Götze

Letzte Änderung: 19.11.2018 - Ansprechpartner: Webmaster