NEUROWISSENSCHAFTLER ENTWICKELN TRAININGSPROGRAMM FÜR ANALPHABETEN

23.04.2008 -  

Neuropsychologen der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg entwickeln ein neuartiges Trainingsprogramm zur Alphabetisierung von Analphabeten. Gemeinsam mit der MediTECH Electronic GmbH und dem Bildungswerk der Niedersächsischen Wirtschaft (BNW) wollen die Wissenschaftler in einem Forschungsprojekt neueste neurowissenschaftliche Erkenntnisse umsetzen, wonach eine Lese-Rechtschreib-Schwäche (Legasthenie) auf Probleme bei der Wahrnehmung von Tönen und Sprachreizen beruht. Es wird vermutet, dass zumindest ein Teil der funktionalen Analphabeten unter derartigen Wahrnehmungsproblemen leidet, so Projektleiter Dr. Jascha Rüsseler vom Institut für Psychologie der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg. Funktionale Analphabeten sind Menschen, die zwar Buchstaben erkennen und durchaus in der Lage sind, ihren Namen und ein paar Wörter zu schreiben, die jedoch den Sinn eines etwas längeren Textes entweder gar nicht verstehen oder nicht schnell und mühelos genug verstehen, um praktischen Nutzen davon zu haben.

Das Team aus Wissenschaftlern, Bildungsanbietern und Unternehmern hat vor, gestörte akustische Wahrnehmungsfunktionen durch ein computergestütztes Training zu ver­bessern. Dazu müssen von den Probanden verschiedene Übungen ihre Wahrnehmung betreffend absolviert werden, zum Beispiel das Hören von Tönen. Darüber hinaus soll durch intensives Training von Wörtern die schriftsprachliche Kompetenz verbessert werden. Das Bundesforschungsministerium fördert das Projekt mit 840 000 Euro.

Für diese Untersuchungen, die in Magdeburg und Hannover stattfinden, werden Personen gesucht, die nicht lesen und schreiben können. Daten werden vertraulich und anonym behandelt, die Teilnahme an der Studie wird vergütet.

In Deutschland leben etwa vier Millionen funktionale Analphabeten, nur etwa 50 000 von ihnen nehmen an Alphabetisierungskursen teil. Ursache dafür dürfte die massive Scheu der Betroffenen sein, sich zu ihrem Defizit zu bekennen und sich öffentlich damit auseinanderzusetzen. Für viele Betroffene ist der Mangel an Lese- und Schreibfertigkeiten das entscheidende Hindernis für den Einstieg ins Berufsleben.

Ansprechpartner: PD Dr. Jascha Rüsseler, Institut für Psychologie, Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Tel.: 0391 67-18479, E-Mail: jascha.ruesseler@ovgu.de

 

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