Als "Diplomaten auf Zeit" bei der UNO in New York

"Trotz des enormen Arbeitsaufwandes, kann ich es jedem nur empfehlen, am Planspiel der Vereinten Nationen teilzunehmen", bekräftigt Kai Schäfer. Er ist einer der 13 Studierenden von der Fakultät für Geistes-, Sozial- und Erziehungswissenschaften der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, die als erste Gruppe einer ostdeutschen Universität eigenständig am National Model United Nations (NMUN) teilnahmen. NMUN ist die größte politische Simulation, die Struktur und Funktionsweise einzelner Gremien der Vereinten Nationen näher bringen soll und seit 1946 jährlich stattfindet.
Für eine Woche vertraten die Magdeburger Studiosi in New York "ihr Land" Zypern als "Diplomaten auf Zeit" in den Gremien der Weltorganisation. Mit nach Hause brachten sie zwei Auszeichnungen - war nichtamerikanischen Neueinsteigern bis dato noch nie gelungen -, jede Menge Erfahrungen, Selbstbewusstsein und viele neue Freundschaften. "Ich bin stolz auf die Magdeburger Teilnehmer an der UN-Simulation. Sie haben wirklich Außerordentliches geleistet", hebt Reinhard Wesel, Dozent am Institut für Politikwissenschaft und Betreuer der Teilnehmergruppe, nachdrücklich hervor.

Zwei Semester lang hatte sich die Gruppe auf die Simulation vorbereitet. Jeden Tag recherchierten die Studierenden im Internet und in Bibliotheken zur UNO und später zur geteilten Insel im Mittelmeer. Unterstützung erhielten die Neulinge auf dem diplomatischen Parkett bei ihren Vorbereitungen von Kommilitonen der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität, die ebenfalls von Reinhard Wesel betreut wurden.
Im vergangenen Jahr gab es nach einem Vorbereitungssemester die erste mehrtägige Simulation in der Magdeburger Gruppe. Kurz darauf musste sie sich mit ihren "diplomatischen Kollegen" von anderen deutschen Universitäten bei der German Model United Nations (GerMUN) messen und hatte Gelegenheit, die zypriotische Botschaft in Berlin zu besuchen. Als es dann soweit war, ins Flugzeug nach New York zu steigen, wuchs die Aufregung und der Adrenalinspiegel kletterte in die Höhe. An Arbeitstagen von neun bis dreiundzwanzig Uhr waren die Magdeburger zum Arbeitsbesuch im Hauptquartier der Vereinten Nationen, verfassten Resolutionen, informierten sich über Verfahrensfragen, besuchten die ständigen Vertretungen Deutschlands und Zyperns bei den Vereinten Nationen, erarbeiteten Positionspapiere und verteidigten diese in den simulierten Sitzungen der Komitees. "Allein vor 400 Leuten zu sprechen, ist schon aufregend genug, aber das auch noch in Englisch! Da war ich richtig nervös", erinnert sich Teilnehmer Michael Schwenker, denn die "official language" der UNO ist nun mal die englische Sprache.

Gut 2600 Studierende aus allen Teilen der Welt, vorwiegend aber aus den USA, "spielten" während des NMUN realitätsnah und wirklichkeitsgetreu Vertreter der 189 UN-Mitgliedsstaaten und einiger Nicht-Regierungs-Organisationen. Die Spielerinnen und Spieler konnten dabei Inhalte und Konflikte selbst aktiv erarbeiten und die Regeln und Restriktionen internationaler Verhandlungen "praktisch" erfahren. Multinationale Diplomatie und regierungsübergreifende Entscheidungsfindungen förderten das Verständnis für internationale Beziehungen und deren Zusammenhänge.
"Dennoch ist die UN-Simulation keine Spielwiese für Möchtegern-Diplomaten, sondern ein hartes Trainings-Programm, das analytische und soziale Kompetenzen entwickelt, die nicht zuletzt den heutigen Anforderungen in der Wirtschaft entsprechen und auf ein eigenständiges Arbeiten in einem internationalen Umfeld vorbereiten", unterstreicht Reinhard Wesel.

Die Kosten für dieses Projekt sind nicht unerheblich gewesen. Die Universität, das Kultusministerium des Landes Sachsen-Anhalt sowie das Auswärtige Amt gaben Zuschüsse, die Jugendstiftung der Stadtsparkasse Magdeburg spendete 13000 Mark. Und auch die Öffentlichen Versicherungen Sachsen-Anhalt gaben etwas dazu. Rund 1000 Mark musste jeder studentische Teilnehmer selbst aufbringen.

Für weitere Auskünfte stehen Ihnen gern zur Verfügung: Reinhard Wesel, Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Institut für Politikwissenschaft, Postfach 4120, 39016 Magdeburg, Tel.: 03 91/67-1 66 91, E-Mail: Reinhard.Wesel@gse-w.uni-magdeburg.de; Kai Schäfer, Student, Tel.: 01 77/6 23 01 80, e-mail: papakai4U@yahoo.de

 

Letzte Änderung: 30.03.2016 - Ansprechpartner: Webmaster