Ein kleiner baltischer Volksstamm gab Preußen den Namen

Wohl nur recht wenige werden im Preußenjahr 2001 daran denken, dass es ein kleiner westbaltischer Volksstamm war, welcher der einstigen europäischen Großmacht seinen Namen lieh.
Was es mit diesem Volksstamm auf sich hat und was Magdeburg damit zu tun hatte - mehr darüber können Sie bei einem Vortrag erfahren, den der Lehrstuhl für Geschichte des Mittelalters an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg gemeinsam mit dem Landesheimatbund Sachsen-Anhalt e.V. am Freitag, dem 8. Juni 2001 veranstalten.

Herr Prof. Dr. Bernd Ulrich Hucker von der Universität Vechta spricht zum Thema:

"Friedliche und gewaltsame Bekehrung im mittelalterlichen Preußen"

Im Mittelalter lebten die alten Preußen (auch Pruzzen oder Prussen) im Gebiet zwischen der unteren Weichsel und der Memel. Der kleine westbaltische Volksstamm, der wohl nie mehr als 100 000 Köpfe zählte, war mit den heutigen Letten und Litauern verwandt. Mehr als 50 Jahre, von 1231 bis 1283 widersetzten sich die Prussen der mächtigen Streitmacht des Deutschen Ritterordens, zu dem auch das Aufgebot des Markgrafen Burchard von Magdeburg gehörte, und damit auch allen Unterwerfungs- und Christianisierungsversuchen.
Bis endlich der Ordenstaat Preußen entstand und die Sieger, was äußerst selten ist, den Namen der Besiegten annahmen.
Auch die Magdeburger Überlieferung weiß vom Kampf der alten Preußen zu erzählen und die Sage bringt sogar die Liebe eines Prussenherzogs zu einer schönen Magdeburgerin mit einer heut noch Himmelreich genannten Straße in Verbindung. Sollen doch nach dem Frieden von Christburg im Jahre 1249 die Söhne prussischer Adliger wie Herkus Monte zur Ausbildung und christlichen Erziehung in das damalige Zentrum mitteleuropäischer Kultur, nach Magdeburg, gesandt worden sein.
Was wurde aus den überlebenden Prussen? Wurden sie allesamt ausgerottet, wie manchmal behauptet wird, oder verschmolzen sie, zum Christentum bekehrt, mit den einwandernden Magdeburgern, Pfälzern, Salzburgern, Schweizern, Brandenburgern, Litauern und Polen zum Neustamm der späteren Ostpreußen?

Prof. Dr. Bernd Ulrich Hucker lehrt mittelalterliche Sozial- und Wirtschaftsgeschichte an der Universität Vechta und ist Direktor des dortigen Instituts für Geschichte und historische Landesforschung.
Den Magdeburgern ist Professor Hucker kein Unbekannter. Er war im Beirat der Magdeburger Ausstellung "Hanse-Städte-Bünde" tätig und arbeitete für diese Ausstellung über den Magdeburger Roland. Mehrfach hielt er bereits Vorträge in unserer Stadt, so auch beim Kolloquium anlässlich der 800jährigen Wiederkehr des Magdeburger Hoftages König Philipps von Stauffen. Gerade erschien seine Monographie: "Der wiederentdeckte Kaiser - Otto IV" als Insel-Taschenbuch.
Professor Hucker ist zudem Eulenspiegelexperte und leitet die Arbeitsgruppe Eulenspiegelforschung an der Universität Vechta. So verfasste er auch eine Arbeit zu "Eulenspiegel im Magdeburgischen und im Anhaltinischen: Raubritter, Hofnarren und Kobolde als sozialgeschichtlicher Hintergrund mittelalterlicher Traditionsbildung", die im Mitteldeutschen Jahrbuch für Kultur und Geschichte 1996 erschienen ist.

Die Veranstaltung findet am Freitag, dem 08. Juni 2001, um 19.00 Uhr, im Gebäude 40 (Virchowstraße) der Universität Magdeburg, Raum 327, statt.

Die interessierte Öffentlichkeit ist herzlich eingeladen. Der Eintritt ist frei.


Ansprechpartner: Michael Kleinen, Institut für Geschichte, Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg Tel.: (0391) 67-16535

 

Letzte Änderung: 30.03.2016 - Ansprechpartner: Webmaster