Otto-von-Guericke-Vorlesung mit Leibniz-Preisträger Professor Ulrich Herbert über den Umgang mit der deutschen Zeitgeschichte

Am 17. Juni 1999, 46 Jahre nach dem dramatischen Vorgang, der in der Bundesrepublik als "Volksaufstand", in der DDR jedoch als "faschistischer Putsch" bezeichnet wurde, hält der Freiburger Historiker Prof. Dr. Ulrich Herbert in Magdeburg eine öffentliche Vorlesung zum Thema: "Drei deutsche Vergangenheiten. Über den Umgang mit der deutschen Zeitgeschichte."

Zu den Otto-von-Guericke-Vorlesungen wurden seit einigen Jahren international bekannte Wissenschaftler nach Magdeburg geholt. Professor Ulrich Herbert ist einer der führenden Historiker auf dem Gebiet der deutschen Zeitgeschichte. Er bestimmt maßgeblich die Debatte um die jüngere deutsche Vergangenheit mit. In dieser Vorlesung wird Prof. Herbert die Geschichtspolitik sowohl in Hinblick auf den Umgang mit dem Nationalsozialismus als auch auf den Umgang mit der SED-Diktatur erörtern.

Prof. Dr. Ulrich Herbert (Jahrgang 1951) studierte Geschichte, Germanistik und Volkskunde. Von 1992 bis 1995 leitete er die Forschungsstelle für Geschichte des Nationalsozialismus in Hamburg und wurde danach auf die Professur für Neuere und Neueste Zeitgeschichte an die Albert-Ludwigs-Universität Freiburg/Breisgau berufen. Seine Dissertation zum Thema "Fremdarbeiter im Rahmen der Kriegswirtschaft des Dritten Reiches" war das erste grundlegende Werk zum Einsatz von Zwangsarbeitern durch das NS-Regime. Die Habilitation über Werner Best unter dem Titel "Best. Biographische Studien über Radikalismus, Weltanschauung und Vernunft" gilt als exemplarische Studie über die Rolle der akademisch gebildeten NS-Eliten im Herrschaftssystem des Nationalsozialismus und den Anfangsjahren der Bundesrepublik.

Dr. jur. Werner Best, nach Himmler und Heydrich dritthöchster Mann in der SS-Hierarchie, ist bis zu seinem Tode im Jahre 1989 in der Bundesrepublik weitgehend unbehelligt geblieben. Als Mitarbeiter des FDP-Politikers Achenbach und als Justitiar und Direktoriumsmitglied des Stinnes-Konzerns konnte er juristische Strategien zur Verteidigung von NS-Verbrechen entwickeln und Einfluß auf die Zeitgeschichtsschreibung nehmen. Diese Studie gilt zugleich als wegweisend für die Untersuchung zur Kontinuitätsproblematik vor und nach 1945 sowie der Verdrängung der Vergangenheit durch politische und gesellschaftliche Eliten in der früheren Bundesrepublik.

1999 wurde Prof. Herbert der Förderpreis der DFG für deutsche Wissenschaftler im Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Programm verliehen, der als "deutscher Nobelpreis" gilt.

Die Vorlesung mit Prof. Ulrich Herbert findet am Donnerstag, dem 17. Juni 1999 um 18.00 Uhr im Hörsaal III der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Große Steinernetischstr. 5 (Gebäude 50, Straßenbahnhaltestelle Universitätsplatz), statt. Die interessierte Öffentlichkeit ist dazu herzlich eingeladen.
Die Otto-von-Guericke-Vorlesungen führen seit 1995 Universität und Öffentlichkeit zusammen und finden große Resonanz. Professor Ulrich Herbert folgt einer Einladung des Rektors der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg Prof. Dr. Klaus Erich Pollmann.

Die mit der NORD LB/Mitteldeutsche Landesbank geförderte öffentliche Veranstaltungsreihe führt im regelmäßigen Rhythmus renommierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unterschiedlicher Disziplinen, welche die Fähigkeit zur Öffentlichkeitswirksamkeit mit herausragender Fachkompetenz verbinden, an die Magdeburger Universität.

Weitere Auskünfte erteilt: Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Rektorat, Postfach 4120, 39016 Magdeburg, Tel. (0391) 67 18683, Fax: (0391) 67 11157